Full text : 6.1928-1929 (0006)

Nr. 21ih.

Snar⸗Sänger⸗Bund sus

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deutscher Kultur, in der Pflege idealster seelischer Wecrte
zusammenfindet, so ist das für mich ein unschätzbarer Be—
veis für die ungebrochene Kraft der deutschen Seele, sich
aus den Niederungen des Tages zu erheben und über
alle Parteien, Klassen und Bekenntnismauern hinweg den
Slauben an die Gemeinschaft zu verkünden, mit der wahre
Kultur, die ein großes Volk umschließt, auch wenn nöch
D. viele Grenzen dazwischen liegen. Das 10. Deutsche
Zängerbundesfest in Wien wird ein Triumph deutscher
Innerlichkeit sein, für welche nicht Fortschritte rein zivili—
atorischer Art und Amerikanisierung des Alltagslebens,
sondern Vertiefung und die Pflege der von den früheren
Beschlechtern ererbten eeee en Kulturwerte das
Ideal bilden. — Ein prächtiges Sinnbild dieses Gedankens
erscheint mir der Umstand, daß dieses 10. Deutsche Sänger—
zundfest im Zeichen Schuberts gefeiert wird, der wie
aum ein zweiter Komponist in heimlicher Stille und be—
scheidenster Zurückgezogenheit jene unvergeßlichen Perlen
deutscher Liederkunst schuf, die heut die ganze Welt ent—
zücken. Mag deshalb die große Sängerfeier, rein äußer—
lich gesehen, sich in noch so großen Dimensionen bewegen
und mögen alle Mittel des Verkehrs, der Technik und
Organisation notwendig sein, sie den heutigen Verhält—
nissen angepaßt, würdig zu begehen, ihre Bedeutung wird
doch nicht in den riesigen Ziffern und dem unvermeid—
lichen äußeren Aufwand bestehen, sondern in dem Treu—
zgelöbnis der zusammengeströmten Hunderttausenden, zum
schönsten Symbol deutscher Kultur, dem deutschen Liede

cher Volksgenossen, seit dem die alte Welt in Brüche ging
und die politische Neugestaltung der Staaten begann, in
»enen heute Brüder der großen deutschen Familie sich
»efinden, auf allen anderen Gebieten des deutschen Geistes—
uind Seelenlebens Anregungen geben und Werte schaffen,
zie für die ganze zukünftige Entwicklung des deutschen
Volkes in aller Welt bestimmend sein können. Jeder echt
inpfindende Deutsche — ob Sangesbruder oder nicht —
vird sich deshalb dieses Festes freuen, denn es kann kein
pneden Merkmal seiner Kraft und Selbstbestimmung sein,
als zu sehen, wie unser Volk ungebrochenen Herzens und
mit gehobener Seele der besseren Zukunft entgegengeht
Dr. Felir Frauk,
Gesandter der Bundesrepublik Oesterreich
in Berlin.

Eine Erinnerung an Mathien VNeumann.
Die Monatsschrift unseres Saar-Sängerbundes vom
Vehneer dieses Jahres (Nr. 11) hat als Leitartikel einen
ufsatz aus der Feder unseres Bundesschriftführers mit der
leberschrift: „Mathieu Neumann zum Gedächtnis.“ Der
Aufsatz würdigt Neumanns Verdienste um die Entwicklung
des deutschen Männergesanges, gibt einige kurze Daten
rus seinem Leben, nennt seine bedeutendsten Werke und
hildert endlich sein Begräbnis als letztes und stärkstes
zeichen der allseitigen Erkenntnis des „trefflichen Menschen,
reuen Freundes und großen Künstlers“. Dem dürfte kaum
toch etwas hinzuzufügen sein. Ich möchte jedoch in nach—
olgenden Zeilen durch ein Ereignis die Wahrheit der
Bezeichnung eines „trefflichen Menschen“ besonders unter—
treichen; ein Hinweis auf die große Künstlerschaft erübrigt
ich für jeden Dirigenten, Sänger oder Sangesfreund, der
emals mit seinen Werken zu tun hatte. „Trefiflich“, weil
einfach und bescheiden!
Es war im April des Jahres 1922 zurzeit des ersten
Chormeisterkurses zu Berlin. Der Kölner Männer-Gesang-—

Allein darin scheint sich mir die Kraft dieser beglückenden
Tagung nicht zu erschöpfen. Zum erstenmal nach dem furcht—
haren Erlebnis der barbarischen Vernichtung wertvollster
Menschen und Menschheitsgüter durch den Krieg, aus dem
die deutsche Seele geschlagen, aber nicht gedemütigt her—
oorging, kommen in dieser Zahl Vertreter aller deutschen
Gaue und deutschen Stämme zusammen. Es wird die
größte Bekundung der deutschen Kultureinheit seit Jahr—
hunderten sein, die im Hinblick auf die Schwere des Schick—
sals Jahrhunderte bedeuten. Gewiß ist die Musik und
das —8 die friedliche Losung, die diese unzähligen
Menschenscharen und deutschen Sänger zusammenführen
wird. Allein sie sind wohl vielleicht das wertvollste, aber
nicht erschöpfende Kennzeichen der gesamtdeutschen Kultur—
gemeinschaft, und deshalb wird diese größte Tagung deut—

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