Full text : 6.1928-1929 (0006)

zeilen
te 3161

Saar⸗Süngee-Bund

Uu.

Nr.

chütteln über das rätselhafte Muß, das unerbittliche
Schicksal. Der Schmerz hebt aufs neue an, um im
Schlußmelisma sich zum Schluchzen und Weinen zu
steigern. Die im Satz hier auftretenden Quarten—
»arallelen dienen als harmonisch koloristisches Dar—
ttellungsmittel der Bitternis, in der Fremde weilen
zau müssen. Der Satz in seiner Gesamtheit ist so keusch
und verinnerlicht, so sehnsüchtig und wehmütig, daß
sch ihm keinen zweiten an die Seite stellen könnte.
Besonders der am Schluß des 5. Aktes verwendete
Dreiklang der großen Untersekunde (mixolydisch auf—
gefaßtes Dur mit kleiner Septime und Ganzton nach
der Oberoktav) verleiht dem
Thor den Charakter see⸗, F
lischen Schmerzes und' —
tiefster Erregung. Der
quintenharte, terzlose An—
fang, das Auslassen der
Terz beim ersten Schluß
Takt 19) und im zweiten
Viertel des 17. und 21.
Taktes auf „Elend“ geben
diesen Stellen etwas Schick—
salhaftes, dem der liebende
und ausziehende Geselle
nichts als seine unerschütter—
liche Treue entgegenstellen
kann. Die Gemischtchorsätze, die sich einzeln und in
Sammlungen finden (Peters V. L. B. für gemischten
Thor Nr. 218, Chorsammlung des deutschen Arbeiter—
Sänger-Bundes Nr. 33) modernisieren, d. h. hier: ver—
veichlichen meist durch kleine chromatische Verände—
ceungen den Charakter. Die „Chorübungen“ von Wüllner
zeben den Originalsatz von 1549, transponiert natür—
lich, da die damals hohe Lage des „a“ ein Höhersetzen
für heute bedingt. Auch
die Männerchorbearbeitung
durch Bernhard Scholz
(1835- 1916) Peters 1
Nr. 212 ist besser in „Des—
Dur“ zu singen. Gemäß dem
Original wäre auch im 15.
Takte die Terz auszumerzen.
Im 5. und 11. Takt ver—
vendet Scholz, dem Ursatz
getreu, das leitereigene „“
und nicht wie andere das
üßliche „Fis“. Er wäre im
7. Takte bei „meine“ im
l. Baß besser auf „k“ her—
untergegangen, um den trostlosen Zustand des Scheiden—
den zu illustrieren. Diese Scholz'sche Bearbeitung ist der
»on Hugo Jüngst in jeder Beziehung vorzuziehen.
Proben JIsaak'scher Setzkunst finden sich im Peters—
schen B. L. B. für gemischten Chor Nr. 294, 485
und 486 sowie in der Chorsammlung des Arbeiter—
Zänger-Bundes für gemischten Chor Nr. 34, 35 u. 36.
Auch als protestantische Choralmelodie hat unsere
Weise in „O Welt, ich muß dich lassen“ (siehe Peters Jl,
Nr. 10, und Matthäus-Passion von Bach) die Jahr—
hunderte überdauert. — In den Sammlungen von
Forster (15499, Böhme Nr. 262 und Lilieneron,
Deutsches Leben im Volkslied um 1530 Nr. 124 findet
iich das nachfolgende Abschiedslied: „Ach Gott, wie
neh tut Scheidben“ —5» MNoarhoeifun— fir om Ghnyr

von Kaspar Othmayer (15152 1553), einem süd—
deutschen Komponisten, ist polyphon gehalten, umfaßt
42 Takte und kann leider aus technischen Gründen hier
nicht aufgenommen werden. Wir müssen uns an die
schöne, 16 Takte umfassende Männerchorbearbeitung
zvon Engelbert Humperdink (1854-1921),
Peters II, Nr. 376, halten. Er hat die Melodie um
zwei Takte gekürzt und kleine, unbedeutende Verän—
derungen vorgenommen, ohne dem Grundcharakter wehe
zu tun. (Der Anfang erinnert an „Valet will ich dir
geben“.) Auch hier ist der Trennungsschmerz durch
die ansteigende Tonlinie gezeichnet. Das verwundete,
bebende Herz und sein
vehes Zucken malen die
tallenden Achtel, die stille
Trauer wird zeichnerisch
durch die fallende Quarte
hbei „Heiden“ koloristisch
durch die harmonische Aus—
veichung bei „Stund“ wie—
dergegeben. „Heimliches Lei—
den“ erfährt durch die Ton—
inie wie durch die pp. Wie—
derholung seine Steigerung:
das „Fröhlich sein“ am
Schluß ist nur scheinbar,
ist äußeres Getue, darum
fällt die Melodie, und die Wendung nach dem Dur
Dreiklang erinnert wieder an die stille Trauer, die
auf demselben Akkord endigt. Diese falsche, äußere
Lustigkeit käme musikalisch schärfer zum Ausdruck, wenn
Humperdink im dritten Viertel des vorletzten Taktes
das 2. Achtel im ersten Tenor dem Original gemäß
nach „a“ geführt hätte. Der Trennungsschmerz in der
dritten Strophe fände so auch eine handgreiflichere
Darstellung. In den ele—
zischen Ausklang käme dann
noch etwas Schärfe.
Wenn der Vorsitzende
des Deutschen Sängerbun—
des, Fr. Liszt, in seiner
Aussprache gelegentlich der
Nürnberger Sängerwoche
die Forderung stellte, daß
uuf künftigen Sängerwochen
das deutsche Volkslied mehr
gepflegt werden müsse, so
meint er unstreitig auch
diese älteren, aber ewig
jungen Lieder in einem
homophonen Gewande, wie es die beiden erwähnten
tragen, und wie es auch das dritte aufweist, das wir
noch in den Kreis unserer Betrachtung ziehen wollen:
„Es ist auf Erd kein schwerer Leid“, aus Peters Lieder—
buch 11 Nr. 383, bearbeitet von Heinrich van Eyken
1861- 1908). Das Ambraser Liederbuch von 1582
bringt 13 Strophen dieses Liedes, aus denen der Be—
arbeiter 3 ausgewählt hat. Die Melodie dazu fand
Böhme in Hainhofers Lautenbuch. Um beurteilen zu
können, wie van Eyken sie gestaltet hat, möge die
zier wiedergegebene Lautenmelodie zeigen. Es ist eine
dorische Melodie mit großer Sexte und gelegentlich er—
söhter 7. Stufe. Die Notierung steht bei Peters in
Moll, richtiger wäre es, zwei Kreuze vorzuzeichnen
im don dorischen Charafte- fofnrt fenntsi na

7
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