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Rund 300 Vereine mit fafst 36000 Mitgliedern. Heraus⸗ 2 Druck und Berlag der Buch- und Kunstdruckerei
gegeben im Auftr. des Bundes von Stadtschulrat Hans — Gebr. Hofer A.⸗G., Saarbrücken-Bölklingen. Bezugs⸗
Bongard u. Rektor Walther Stein, Saarbrücken. Me preis Fr. 5.— vierteljährlich. Einzelnummer Ir. 2.—
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Mai 1020
8. Jahrgang
Drei Abschiedslieder aus dem XVI. Jahrhundert.
In früheren Zeiten haben sich regierende Fürsten oft
2. ihrer Hofmusizi zu geheimpolitischen Sendungen
und Erledigung diplomatisch delikat zu behandelnder
auswärtiger Angelegenheiten bedient. Als erfahrene und
gebildete Männer waren etliche sogar ständige Vertreter
ihrer Fürsten an fremden Höfen. So fungierte der aus
händels Leben bekannte kur—
üürstlich hannöverische Hof—
apellmeister Steffani zu—
gleich als Gesandter und
Staatsmann seines Herrn,
uind Heinrich Isaak (14 40 -
1517), der größte deutsche
Meister seiner Zeit, war
diplomatischer Vertreter des
deutschen Kaisers Maximi—
tian J., der ihn auch zum Hof—
komponisten ernannt hatte.
Er gilt als der musikalische
Schöpfer des Wander- und
Abschiedsliedes „Funsbruck,
ich muß dich lassen“. (Peters
Liederbuch Band J Nr. 21).
Es ist eins der wenigen
Volkslieder, die mit Text
und Melodie aus dem 15.
Jahrhundert als hochge—
schätztes Gut ins 20. Jahr—
hundert hinübergewandert
sind. Vermutlich ist Isaak
nicht der Erfinder der Me—
lodie, sie ist wahrscheinlich
schon im 15. Jahrhundert
Volksweise zu einem Lied—
cext süddeutscher Handwerks—
gesellen gewesen. Aber er
var der erste, der ihr ein
künstlerisches, wundervoll
harmonisches Gewand verliehen hat, mit dem er, wie
der Musikschriftsteller Forkel sagt, „einen Riesensprung
über den Geist seines Zeitalters getan hat“. Dieser
Isaak'sche Satz findet sich erstmalig bei Forster (1530),
einer Quellenschrift des 16. Jahrhunderts. Das erste
Notenbeispiel in dieser Nummer zeigt die Fassung der
riten Ausgabe im C-Takt in der Notenschrift unserer Tage.
In einer Neuausgabe der Forster'schen Sammlung
.·1549 orscheint die Mofodie in dor uns hofannten
z- und 2teiligen Form, wie sie Böhme in seinem
altdeutschen Liederbuch Seite 332 im Sopranschlüssel
notiert. Sie ist aus unserm zweiten Notenbeispiel zu
ersehen. Der Ursatz unterscheidet sich von der über—
großen Mehrzahl aller Chorkompositionen seiner Zeit
dadurch, daß die führende Stimme, die Melodie, nicht
wie allgemein üblich, im
Tenor, sondern im Sopran
iegt. So erhält das Lied
inen volksmäßigen Ein—
chlag, der noch dadurch ver—
tärkt wird, daß die übrigen
Ztimmen sich rhythmisch der
bewegungsart der Melodie
inschließen, ohne ihr Eigen—
eben preiszugeben. Ein
Forscher behauptet sogar, der
ursprüngliche Cantus firmus
iege im Tenor und Isaak
yabe die Sopranstimme
als kontrapunktische Gegen—
timme so schön erfunden,
daß man sie heute als Ur—
timme betrachtet, eine Be—
sauptung, die erst dann als
vahr angenommen werden
ann, wenn diese Stimme
rgendwo noch als selbstän—
dige Melodie nachgewiesen
vird. — Inniger, einfacher
'ann wohl der Trennungs—
sichmerz und die Liebe und
Treue eins sfahrenden Hand—
werksgesellen nicht zum Aus—
druck gebracht werden als
in Text, Melodie und Har—
monisierung dieses Juwels
* deutscher Gemütstiefe. Der
Text ist leicht verständlich, das „Elend“ ist die Fremde,
„die ich nit weiß bekommen, wo ich im Elend bin“:
die ich nicht mehr erlangen kann, solang ich fern von
der in der Fremde weile. „In aller Tugend sparen“:
.. aufheben, behüten. Die Melodie bringt tonpoetisch
den qualvoll aufsteigenden Trennungsschmerz in den
ich bis zur Quinte hebenden, das Dahinfahren in
»en wieder hinabsinkenden Intervallen zum Ausdruck
das jin fremde KNond dahin“ ist dleichsam ein Kovfe