Full text : 6.1928-1929 (0006)

Nr. 12 lll'

islssaar⸗Sänger⸗Bund sssn

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Schauß ist nicht mehr. Verweist liegt sein Taktstock auf
dem Flügel. Seine vornehme Gesinnung, sein bescheidenes,
ritterciches, gütig verstehendes Wesen gewannen ihm das
Vertrauen acler. Aber der Verlust greift weit über den
Rahmen des nassauischen Brudervereins, dem der Verewigte
dreißig Jahre lang ein mustergiltiger Dirigent war, hinauüs.
Denn dem feinsinnigen Musiker verdankt die deutsche
Sängerschaft eine große Zahß wertvoller Chöre und Volks—
siederbearbeitungen, die seinem Namen in der deutschen
Sängerschaft einen Ehrenplatz auch für die Zukunft sichern
werden! Stumm schläft der Sänger ....
9. Grenzlandreife
des Berliner Lehrergesangvereins.

vußtsein, neue, liebenswerte Freunde gefunden zu haben. Die
Versichereng der Berliner, im Reiche mit aller Kraft Auf—
klärungsarbeit zu leisten und tieferes Verständnis für die vom
gesamtdeutschen Standpunkte hochbedeutsame Lage des Grenzland—
deutschtums zu wecken, damit das treue Ausharren der unter
fremder Herrschaft lebenden Brüder stärkend und unterstützend
mag als der schönste Gewinn dieser 9. Grenzlandreise des
Berliner Lehrexgesanavereins gewertet sein.
Hans M. Habel (GBrünn).
FRleine Mitteilungen.
Musik und Statistik. Es scheint Leute zu geben, die in der
Musik noch andere Genüsse finden als den des bloßen Zuhörens
So hat ein Statistiker sestgestellt, daß ein Klavierspieler bein
Moto perpetue von Weber in knapp vier Minuten 4541 Noten
esen muß, also 10 in der Sekunde. Beim zweiten Teil der
Lhopinschen E-Moll-Etude muß er gar in 214 Minnten 3950
Rotenzeichen oder ungefähr 36 Noten in der Sekunde realisieren
da nun das Auge nicht mehr als zehn aufeinanderfolgende
kindrücke in der Sekunde aufzunehmen imstande ist, nimmt
offenbar ein Musiker die Noten nicht einzeln, sondern gruppen—
weise auf, und zwar wahrscheinlich immer einen Takt auf einmal
Die „Missa symphonica“ von Lothar Windsperger wurde
vom Michaetis-Chor in Hamburg unter Professor Sittard am
30. Oktober zur Aufführung gebracht. Derselbe Chor wird
das künstlerisch aufsehenerregende Werk dann erstmalig in Berlin
Hochschule für Musik) am 10. November aufführen, von we
ine Uebertragung durch den Berliner Rundfunksender erfolgt
Weitere Aufführungen in dieser Saison: Wiesbaden, Gotha
Bottrop und Mainz.
Die fast unbekannten Schubert'schen Opern „Die Weiber—
»erschwörung“ und „Der treue Soldat“ in der Neubearbeitung
»on Rolf Lauckner und Fritz Busch wurden zur Aufführung in
dieser Spielzeit von etwa 830 Bühnen, darunter Berlin, Dresden,
London, Kopenhagen usw., erworben. Die beiden Werke, die
hei ihrer Uraufführung in Stuttgart außerordentlichen Beifall
anden, stellen sicherlich einen der interessantesten Beiträge im
Programm des Schubert-Jahres dar, indem sie die bisher noch
richt genügend gewürdigte Reichhaltigkeit der musikalischen
Schaffenskraft des Meisters gerade auf diesem Gebiete zeigen
Strawinsky's „DLes Noces wurden in Königsberg (Inten—
hant Dr. H. Schüler) in szenischer Darstellung zum ersten Mal
aufgeführt. Eine Konzertaufführung bereitet Generalmusikdirektor
Kleniperer an der Staatsoper am Platze der Republik in Berlin
vor.
Paul Hindemith wird sein Bratschenkonzert in dieser Saison
in etwa 20 Städten spielen.

Daß der Berliner Lehrergesangverein seine 9. Grenzlandfahrt
uind damit seine 1. Auslandsreise zu den Deutschen in der
Tschechssslowakei, nach Ungarn und Oesterreich
unternahm, dafür werden ihm diese zeitlebens dankbar sein.
Der Empfang, den speziell die Sudetendeutschen den vielgeliebten
Bästen bereiteten, war — nach den Aussagen der Reiseteilnehmer
seslbst! — ein noch nie erlebter, überwältigender. Zu einer
ausgesprochenen Triumpffahrt gestaltete sich die Reise durch
Mähren und die Ankunft in Brünn, wo es bei diesem Anlasse
zum ersten Male nach dem Umsturze wieder zu einer großen
böhkischen Kundgebung kam. Der Verein besuchte die
Städte Aussig, den Sitz des Sängerbundes der Südeten—
deutschen, Brünn, Preßburg und Prag und fuhr dann
nach Budapest, St. Pölten und Linz. Er gab in allen
Orten unter Leitung seines jungen, herbvorragend begabten
Dirigenten Theodor Jakobi ausgezeichnet besuchte Konzerte
und erntete für die schwer mehr zu überbietenden künstlerischen
Leistungen stürmische Anerkennung. Bei den den Konzerten
kolgenden Begrüßungsabenden schlugen die Wogen der Begeiste—
rung besonders hoch, Der 1. Vorsitzende des B. L. G. V. Rektor
Brauner mußte immer wieder auf die von führenden Per—
sönlichkeiten des diplomatischen und politischen Lebens und den
zielen Vertretern von Behörden und Vereinen gehaltenen An—
prachen erwidern und wußte dies in einer Art zu tun, die
ihm im Fluge die Sympathien aller gewann. Bei diesen
Abenden erfuhr der Gedanke der Stammesgemeinschaft und
Volkszugehörigkeit mächtige Vertiefung. Namentlich in Brünn,
der Stadt, die seit jeher im Mittelpunkt heißester nationaler
Fämpfe stand und noch heute steht — hier waren die Lehrer—
sänger zwei Tage hindurch Gäste des durch seine großen Aus—
landsfahrten bekannten ‚ Brünner Schubertbündes“ —
rief die Anwesenheit der Berliner beispiellosen Jubel hervor.
Die überströmende Wärme aufrichtiger Gastfreundschaft, sie
öffnete die Herzen weit, und man schied mit dem starken Be—

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