Rornelius Vanderwelts Gefährkin.
Kornelius Vanderwelt fror in, der Einsamkeit seines nicht ob Mozart oder Haendel. Daß es die alten, heiß
N Hauses, und die, von Tagedieben und Großmäulern jgeliebten Klänge aus dem Musikzimmer zu Ruhrort wären
überfüllten Kneipen ekelten ihn an. In den „Fünf Erd- was ging,es 9 an? Er hörteé nicht mehr mit dem Ge—
teilen“ saß er wohl an seinem Ecktisch und trank, aber er hör, er hörte nur noch mit den Augen. Ihre Hände, die
tat es Nacht für Nacht ohne Gesellschaft, und die Zu-— äch sprungbereit bäumten und eede Quellen aus den
dringlichkeit der platten Burschen wagte sich an die Kalte 8 der Meisterwerke schlugen. Ihre zärtlichen
seiner Augen nicht heran. Finger, die den Odem Gottes über die Tasten fächeln lassen
Oft saß er und Jas die Zeitungen, die er zur Aus- onnten. Ihre schlankgerundeten Arme, die in Pausen
füllung der leeren Stunden von daheim, mitgebracht e niederhingen, als sögen sie die Kraft aus geheimnisvollen
und es wurde Frühlingsbeginn, und er las in der Zeltung Tiefen, und sich jählings streckten und hoben, und wie im
hren Namen. jubelnden Mitklang die Höhen meisterten. Und er hörte
Angela Freydag ... mit den Augen die Dehnung der schlanken Fessel, wenn
Angesa seehdag war in Deutscland gelandet unduheigte daßöbdhenadt Wdat t üd eh d ed
in Miner Burzenichsaa ihr ee Konzert an neg den Drang der Brufie die ihr Herz umschlossen. Und auch
Freydag war in Rufnähe, und sie rief ihn: Komm un dies Hören verlor er, denn seine Augen waren sehend ge—
tieh, ob mein Maß ausreicht. Adhe
Und wieder merkte Kornelius Vanderwelt, daß er in Rn seine Au
— — 7 — gen hatten Angelas Freydags große graue
— sich — hu indes mich Augen gesehen, wolkenverhangenes Iaen jetzt von
deim qre — I ngel, und doch so g Soñne durchzittert, jetzt von Funken erfüllt wie von jäh
vie, auf, deinem Grund und Boden. Ww iber den Himmel springender Blihe Triumph. Die Pauther!
Und, dennoch vertieg er augenblicks die Wirtsstube und he, “lachteee ih adt endee Sectett
nand barhänptig am „Hafen, und der gächtriche Frühlings⸗ oet mit dem Bilde Ge de vte ee vo e
vind —8 gnd knatterte in den Zeitungsblättern, die * gelarten jagt Die Wolfin iin Eugel der Liebe gusset
er in der Hand trug. —538 g
Zuge —— Itoeg ist hespaetedet gut dedot
Amerika ... Angela Freydag spielt morgen für Kornelius Sie faß mit schlaff herniederhäng aj
4. * herniederhängenden Armen, ein un
Bandermelt im Grüzenichsaal zu göln. — Jgas erklärlithes vächeln um' den festgeshiossenen nnde
„Diesmal mugte er es weimal sagen: Los, Wilm. Wir Hatte die Menschen um ihn her der Irrsinn gepaäckt?
ahren nach, Köln.“ ,‚Dann hatte der Fahrer begriffen, und Waß obte die eee Win Halali der Jagd War
zr steuerte stumm in den weichen, nwoleeenenen nicht aAllein ĩn Saal, er, Kornelius Vanderwertt, fut
Märzabend hinein, der den Geruch von junggewordener den die Naturgewalten gejauchzt und gejubelt, gesiürmt
Erde rug, Ueber, Düsseldorf ging die Fahrt, und bevor diß geschrieen hatten, um die Tüfte zu klären und das
zwei Stunden vorüber waren, hielt der Wagen vor einem derz Zur Ruhe der Seligen zu bringen Was wollten du
Iaihet der turmreichen Domstadt, und der Fahrer wandte NReuschen üm'r ihn her die aufgesprungen daren, waͤhrend
i ragend um. ꝑ g üßerp er saß und in den wiedererleuchteten Saal hinein erwächte,
vesnn Wilm. Hier oder anderswo. Wir bleiben über 9 e in —— 8sch 9 —* —
zu Qimm— Ach, es galt der Künstlerin, die so meisterhaft gespielt
—⏑— Reisesoffer uf mein Zimmer lle Ind sich ett vor der Vieihern der ehen h
ringen, folgte ihm nach und kleidete sich um. Kurz vor Iud sich verbeugen mußte, wieder und wieder. als dankte
acht Uhr schritt er zu Fuß dem Gürzenich zu und suchte fie der tobenden vieldeit
in dem dichtgefüllten Saale seinen Platz. Die Künstlerin, Nein, Herrgott, nein! Es war nicht die Künstlerin, die
so besagten die Ankündigungszettel, spielte mit der aus— er eaper en Raͤmpe der Empore fahe Eewar
Soar dez stadtichen Atð re, die zu⸗ 4.Angela! Angela war es, die die Vielheit nicht gewahrte
Hon harrten die WMusiker guf der Empore, die zue Zeitut für bonen gespielt hatte Sie schüttelt den
rderst den mächtigen Konzertflüget trug. Ein baar prü- 4bef.Sie ban e i ele hle wenttSie ag de hittiten
ende Geigenstriche, ein paar verklingende Id entone, und Zugaben nicht Sie verbeugt iugg und dehteechtt Angen
im Saale exlosch das Licht, und nur die Empore lag wie dateeden begeisterten Zurufen und verbeugt sich aufs
eine Ingel der Verheißzung in strahlender Beleuchtung. teue. Wieder und wieder. Das Spiel ist an die Menge
siadas gnenpnd Rauschen im Saale machte feiertäg— ibergegangen, dde ihrer Mohtrhewue n
8 B. eg 7443 S4 und Hervorruf über Hervorruf erzwingt. m ein Ende
Zurch die Gasse der Musiker schritt der große Kapell⸗ zu machen, wird der Saat —“ Die beifallerregte
me ister Am Arme führte er eine hochaufgerichtete. kraft. Renne Diebtber ien Wultce ßztziee eitgeeche
ohlte rund biegsame Frauengestalt. und wie sie an den 6 Ve Empore zu, schwingt sich hinguf, bietet der lot
Zlugel trat und, vom Begrittzungssturm umwogt den Kopf usfent gnnten' ven Dnt sredu chet gefe be
geigte, sprang Kornelius Vanderwelt ein Schrei— auf die —
dippen, den er nur mit verhaltenem Atem zu bändigen Da bist dur ugel Lud da bin ich.“
dermochte, und, er murmelte in sich hinein: „Die Angela Koͤrnelius Vanderwelts Arme bebten, als er sie um
Die Angela. Guten Abend, Engel. 9— — —
„Sie saß am Flügel, den streng geschnittenen, Kopf lau deg dann fühlten sie beide, wie das Beben durch ihre
Hend vorgeneigt, fast als ob sie schliefe. Von den nagten Körper rann, als wären sie Aeste und Gezweig desselben
rmen waren die Jermel zurückgeworfen. Der seidene Fattsrann hinüberraun in die Ruhe der Ver
Kleiderrock ließ das Bein mit der schmalen Fußfessel frei. nigung, waͤhrend fie Bruft an VBruft, sich Umsclungen
Und didelin dd de Iram oub um Kornelius Wn deeelt dieiten
gewahrte ihre Hände die Hände, die er unter Tausenden m!“ sodten inge i ich heim“
und im Dunkel der Nacht erkannt haben würde, weil sie —— din ee unt
für ihn Gottes guserlesenstes Kunstwerk waren. Ein An— hielt boch die flachen Hände gegen seine Brust Fepreßt
schlag auf den Flügeltasten, ein hinströmender Laut, der — —
die Seelen aufschreckte und sie aus dem Erdendunst auf— „l g Rudolf Herzog.
värts riß in die Bezirke der Riesen und Gottmenschen. Aus dem neuesten Roman:
Von diesem Augenblicke an hörte Kornelius Vanderwelt Kornelius Vanderwelts Gefährtin
nichts mehr. Nicht ob Beethoven sprach oder Brahms, J. G. Cotta'sche Buchhandt. Nachf. Stuttgart und Berlin
—D——
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