Nr. 10 103h M
Saar⸗Sänger-Bund sIP.
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Musikfreunden alleinigen geforderten Kompensation für die
Ablehnung des Rufes seiner Vaterstadt Basel an die
durch Reiters Tod verwaiste Stelle ihres Kapellmeisters.
Nicht, nur förderte er damit die musikalische Erziehung
bon Generationen, die einst wieder seine Hörer im Konzert—
saal werden sollten, mit der Angliederung einer Berufs—
schule schuf er zu den in Basel und Genf schon be—
stehenden ähnlichen Instituten eine neue Stätte zur Her—
anziehung eines selbständigen schweizerischen Musikerstandes
und half mit, unser Land in dieser Beziehung vom Aus—
lande unabhängiger zu machen. Und wie Hegars künst—
lerisches und organisatorisches Wirken als Orchester- und
Chorleiter absolutes Vertrauen erweckte, daß immer bald
die Mittel bereitstanden, wenn die neue Kunst⸗
tätten erforderte — vom Schwurgerichtssaal zog er mit
seinem Orchester in die Tonhalle am Utoquai und dann
in die jetzige am Alpenquai — so konnte er 1900 mit
einer Musikschule die engen, aber heimeligen Räume
im ehemaligen Napf-Schulhaus
gegen die prunkvolleren Ge—
bäude an der Florhofgasse ver—
tauschen. Der gleichzetig voll—
zogenen Umwandlung in ein
Konservatorium gab er durch
Vertiefung des Lehrganges der
Berufsschüule vo le Rechtferti—
Jung. Wie Hegar die Erziehung
zur Musik am Herzen lag, da—
ür zeuge nur der Beweis seiner
Begeisterung sür das Epoche—
machende der Jaquesschen musi—
kalischen Erz ehungslehre, die
er an seiner Schule sofort ein—
führte. Wirkte Hegar gerade
durch sein Institut weit über
Zürich hinau?, so going er mit
seiner intensiven Misarbeit an
der Gründung und Mitleitung
des Schweizerischen Ton—
künstlervereins, dem er
das erste Fest in Zürich er—
möglichte, naturgemäß folge—
richtige Schritte auf die em
Wege. Er wollte die Produk—
tion an seiner Schule nicht
nur geweckt wissen, er über—
nrahm auch die Konsequenz, das
Erwachte an die Oeffentlichkeit
zu bringen. Eine weitere natur—
zemäße Folgerung die er Weit—
sicht ist Hegars unermüdliches
Einstehen für die geistigen und
materiellen Rechte der Kompo—
nisten, ohne das das Zustande—
kommen der schweizerischen Ur—
heberrechtsgesellschaft
nicht so bald möglich geworden
wäre. Aber auch gegenüber dem
Wertvollen des Volksge angs—
wesens in der Schweiz, so sehr
er dessen Schattenseiten erkannte, blieb sein Sinn nicht
verschlossen; wie er es außer als Komponist, gefördert, dafür
zeugt die Schöpfung seiner Liederbücher der eigens dafür
gegründeten zürcherischen Liederbuchanstalt.
Wo man der Entwicklung der segensvollsten künstlerischen
und musikalischen Institutionen der Schweiz und im be—
sonderen Zürichs nachgeht, stößt man auf den Namen Hegar
als eines weitblickenden, hohen Geistes.
„Mit der Familie Dr. Hegars versammelte sich eine aus
erlefene Trauergemeinde persönlicher Freunde und Ver
ehrer sowie Abgeordnete von Anstalten und Vereinen
denen der Verstorbene nahegestanden hatte. Die Behörden
varen durch Regierungsrat Dr. Mousson und Stadtpräsiden!
Nägeli vertreten. Den Sarg umgab ein Hain von Pflaͤnzen
und Blumen, aus denen eine Menge prächtiger Kranz—
chleifen in allen Farben leuchtete: neben dem Ehrenkranz
des Zürcher Stadtrates die Widmungen der fast unzählig
zu nennenden Vereine und Gesellschaften, die Friedrich
degar mit stolz ihr Ehrenmitglied genannt haben. Erwähnd
seien von den vielen Zürcher, Schweizer und ausländischen
törperschaften nur der Gemischte Chor Zürich, das Kon—
ervatorium, die Tonhallegesellschaft und ihr rchester, die
Harmonie“, der —— der Schweizerische
Musikpädagogische Verband und der Eddgenössisch⸗ Sängererein,
sodann zahlreiche Kranzspenden höchangesehener
Vereine des Auslandes, die vor allem den Männerchor—
komponisten Hegar mit der
Ehrenmitgliedschaft ausgezeich—
net haben; wir nennen nur den
Deutschen Tonküastler-Verein.
Berliner und Stu tgarter Chöre
und die zwei ersten Wi ne
Sängervereine Schuber bund
und Männergesangverein.
Eingeleitet wurde di; Feier
durch eine Musik, die sich Hegar
selbst gewünscht hatte, durch den
Gesang Peris und des Chores
„Schlaf nun und ruhe in
Träumen voll Duft“ aus Schu
manns „Paradies und Peri“
von Ernst Isler sehr schön auf
der Orgel gespielt; dann bor
Pfarrer Karl Fueter eine seelen;
voll und fein gestaltete Dar—
stellung und Würdigung des
debensganges und des geistigen
Wesens Friedrich Hegars. Den
sinnig in den Schluß der An—
sprache eingeflochsenen Wor:en
des Vaterunsers folgte der edle
Vortrag von Hegars für kleinen
gemischten Chor vertonten
„Vaterunser“ durch Damen und
derren des Häusermannschen
Privatchors unter der Leitung
von Hermann Dubs. Hatte
der Geistliche vornehmlich den
derehrungswürdigen Menschen
degar geschildert und die Be—
deutung seines Daseins dar—
gestellt, so war es hernach an
Dr. Volkmar Andreae, dem
Nachsolger Dr. Hegars als
Leiter des Tonhallenorchesters
des Gemischten Chors und des
Konservatoriums, den Ver—
storbenen in einer Ansprache
als Dirigenten und Komponisten und als hexvorragendsten
und bedeutendsten Förderer des zürcherischen Musiklebens, zu
würdigen. So knapp die Form war, in der es geschehen mußte
so eee dvch diese Nennung der nach Menge und
Bedeutung erstaunlichen Leistungen des außergewöhnlich
reichen Lebenswerkes. J
Ver zu Herzen gehende Charakter Hegarscher Musil
vurde aufs neue eindrücklich, als Frau Ilona Durigo, von
der Orgel begleitet, Hegars „Aussöhnung“ sang. „Das
Auge netzt 4 fühlt im höheren Sehnen den, Götterwert
der Töne wie der Tränen.“ Und dann nahm die er—
griffene Versammlung Abschied von dem, was an Friedrich
degar sterblich gewesen ist; während, der Chor das herr—
ichste aller Lieder sang — Bachs „Wenn ich einmal soll
scheiden, so scheide nicht von mir“, glitt der Sarg der
äuternden nnne entgegen. Mit dem Schlußchor der
Bachschen „Matthäuspassion“ begleitete das Spiel der
Orgel die Lebenden hinaus, tröstlich gemahnend, daß
auch Friedrich Hegar fortlebt: in seinen Werken wie iß
unserm erhebenden Gedenken an den Unvergeßlichen.“
Schweizerische Musikzeitung und Sängerblatt Zürich
Friedrich Hegar auf Waldwegen.
Sein Heimgang.
Ueber den Tod hinaus gebot Hegars Wille, indem er sich
ein pompöses öffentliches Leichengeleite verbat, nur seine
Nächsten zum letzten Male um sein Leibliches versammelt
wissen wollte. Was der heiligen Simmung abschiednehmen—
der nächster Angehöriger und Freunde irgendwie hätte Ein—
zvag tun können, dem beugte er noch vor. Die Trauerfeier
m Krematorium in Zürich am Vormittag des 4. Juni
rahm nach folgenden Worten Rob. Thomanns in der Neuen
Zzürcher Zeitung einen ergreifend weihevollen Verlauf.