Full text : 6.1928-1929 (0006)

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unsun Saar⸗Sänger-Bund sPunutttsphteruminnemenemte

—Mhi Rr. 10

Aber auch den Bläsern mußte das Ausdrucksvolle des
Kantablen, das Sinngemäße des Deklamatorischen vorbild—
lich sein. Im übrigen gaben die Tiefe der Auffassung, der
antrügliche musikalische Instinkt und der scharfe Intellekt
des S—— die Richtung. Hegar entwickelte sich in
den vierzig Jahren, während denen er den Orchesterkon—
zerten der Zürcher Tonhalle, der alten und der neuen,
borstand, gu einem Drieten von hohem, allseits aner—
kanntem Ruf. Mit der Virtuosität eines Nikisch, mit der
Impulsivität eines Richard Strauß brauchte man ihn nicht
zu messen, sein Wesen tendierte nach ganz anderer Rich—
kung. Schon seine schweren Dirigierbewegungen deuteten
sie an. Diese Schwere drängte nicht nach außen, sondern
nach innen. Es konnte —— daß seine Bewegungen
mit der zunehmenden Dichtigkeit des künstlerischen Fluüidums
zwischen Dirigent und Orchester hinter dem Pult fast ver—
schwanden, der Kopf, aus dem es so herrlich herrisch blitzen
zonnte, sich immer mehr senkte. In solchen Momenten spielte
Hegar mit seinem ihm völlig vertrauten Orchester am herr—
chsten, unvergeßlich. Dann erstand aus den Partituren
Mozarts, eee Schumanns und Brahms' jenes Un—
aussprechliche, das 8
nicht in Notenzeichen
hannen läßt. So Mor
degar mit dem Tech—
nischen rang, er rang
und rang. sich geistig
und technisch durch alle
Stile der Musik. Ver—
körperte er die Tradi—
tion des Bach- und
dändels-Stils, brachte
er die Klassiker und
Romantiker zu kon—
nenialem Ausdruck, ging
er bei Brahms autsori—
tativ voraus, er ruhte
nicht, bis er Wagner,
distst und Strauß im
stern erfaßte und wieder—
zJab. Mahler lernte er
noch erkennen, die
Brahms-Treue hinderte
ihn nicht, sich auch zu
Bruckner zu bekennen,
und hätte er noch län—
er dtrigiert, Reger und
ebussy, die er eifrig
studierte und von denen
chm 3 wesensverwand⸗ J
iere Reger am meisten ara r
nie art buge Friedrich Hegar auf der Gartenban
drangekommen. Nicht nur die Standwerke der Musikliterätur
 hat er geistig und technisch beherrscht, auch den
lleineren Erscheinungen war er ein liebevoller Förderer;
selten nur ist ex mit seinen Nopitäten auf Widerstand ge—
stoßen. Hegar hat als Dirigent die Stärke besessen, —*
eine Generation lang das künstlerische Interesse einer
Stadt unvermindert wachzuhalten. Daß dabei nicht das
Aeußere, gonern das Innerliche dieses Wirkens den Aus—
schlag gab, ist selbstverständlich. Dies empfanden große
Männer, die ihre Werke Hegar gerne zur ersten Auffüh—
rung gaben und sie bei ihm besonders gut aufgehoben
wußten, naturgemäß zuerst, es sei nur der Froe ehdoen
genannt. Der heilige Kunstwille Hegars konnte nur das
eine: Vermittler des Werkes zu sein. Deshalb bleibt sein
reproduktives Schaffen in seiner Gründlichkeit des Tech—
nischen, in seiner stilistischen Sicherheit, in der Größe des
orahen und in der Tiefe der 5 und seelischen
— allen denen, die es genossen, unvergänglich
und vorbildlich.

ihre dazu beigetragen, zu großen oruen mochte dem
äberreich iee etwa die Muße fehlen, daneben ist aber
sicherlich auch die Scheu vor dem Kunstwerk mitbestimmend
gewesen. Hegar durchschaute nicht nur andere, er kannte
sich selbst am besten. Er wußte wohl, daß ihm im Schöp—
ferischen die Gabe der ganz Großen versagt blieb, aber
er fühlte dennoch bes nh ens daß ihm dichterische Kraft
in Toͤnen nicht mangle. it diesem Talent begann er im
schönsten, biblischen Sinne des Wortes zu wuüchern. Wo
er Wege beschritt, auf denen er Vergleichen ausgesetzt war,
da entwickelte er seine kraftvollen ünd vielfach ursprüng—
lichen Gedanken aufs Peinlichste, wägte sie bis ins —
1b. Bezeichnend dafür ist, daß er selten eine seiner Kom
»ositionen herausgab, bevor er sie nicht in der öffent—
ichen Aufführung überprüft. So konnten seine größeren
»okalen und instrumentalen Werke nie unter ein hohes
Mittelmaß der künstlerischen Qualität sinken, immer und
iüberall nötigten sie Hochachtung ab, und mancher ihrer
iebe wurde Meistergedanken ebenbürtig empfunden
Dieses Schaffen mußte belohnt werden und es wurde es,
als Hegar die Form der Männerchorballade fand und sie
durch seinen geläuterten
Stil, durch die Sicher—
heit seiner musikalischen
Charakteristik und seinen
untrüglichen Formsinn
der Reihe der musika—
lischen Weltformen ein—
verleibte. Ob diese Form
nun in Ausübung bleibt
oder nicht, sie ist da
und geschichtlich nicht
mehr wegzudisputieren
So hat * Hegar auch
als Komponist durchge
setzt und bleibend in
Erinnerung gestellt.
Der Erzieher.
Als Pädagoge hat sich
Friedrich Hegar wenig
betätigt, und doch war
er ein Erzieher seltenen
Maßes. Das erste, was
er in Zürich erzog, war
sein Orchester. Als
er 1906 nach über
vierzigjähriger Tätigkeit
von seiner Leitung zu—
rücktrat, erzählte er von
den bescheidenen Or—
chesterverhältnissen, die
er antrat, und wie er es Schritt für Schritt heranbilden
mußte. Ueber dem Künstlerischen verlor er auch die mate—
rielle Besserstellung geiner Musiker nicht aus den Augen
und sicherte sich dürch die Schaffung der Pensionskasse q“
das 83 — zum Wohltätigen auch ein leistungsfähigeres
Stammorchester, ermöglichte damit die Gewinnung immer
besserer Orchesterkräfte und krönte die Wohlfahrt dur seine
Musiker durch die an seinen Namen gebuͤndene Witwen—
und Waisenkasse. Seinen Chor, den Gemischten Chor
Zürish, hat Hegar mit seiner ganzen eminenten Fähig—
eit fur das Vokale erzogen. Der Ronkurrenz durch die
nächtig sich entwickelnden Männerchöre, die das männ—
iche Stimmenmaterial nur zu oft und zu sehr absorbierten
zrwehrte er sich durch diplomatische Beziehungen zu Zürichs
deiden großen Männerchören. Mit beiden verband ihn
Freundschaft, mit der „Harmonie“ seit seiner zweijährigen
Direktionszeit (1875— 1877, mit dem Männerchor —8*
durch Attenhofer und die Ehre, die er ihnen durch die
zumeist erstmalige Ueberlassung seiner Balladen zuteil
vperden ließ. Als diese beiden Chöre nicht mehr mit gleicher
Bereitwilligkeit ihre besten Sänger zur Unterstützung des
Bemischten Chores abordnen konnten, da gruündete Hegat
mit andern Männern zusammen den dehrerge sangvordin
Zürich und hatte ein neües Mittel zur Untersto zung seiner
großen Choraufführungen. Auch als Gesanglehrer
an der egete ging er von 1875 bis 1877
planmäßig vor; die Frucht war ein über dreißi, Jahre
sich bewährendes Lehrmittel. Den Ihnsten e e ee
Weitblick erwies er aber mit der 76 erfolgten Gruͤn—
dung der Musitschule Zürich, der von den Zürche,

Der Romnponist.
Das hohe künstlerische Verantwortungsgefühl, das dem
eltenen Künstlerleben Hegars den Stempel echtester Be—
scheidenheit aufdrückte, 9 den Komponisten in ihm nicht
in jugendlichem Ueberschwang an Formen herantreten
denen er nicht derosen sein konnte. Der ursprüngliche
Sinn für das Melos, das ihn zur Geige, als seinem be—
rufensten Träger unter den Inme drängte, führte
degar in erster Linie dem Vokalen zu. 53 haben die
entwickelten gesanglichen Verhältnisse in der Schweiz das
            
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