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ISanar⸗Sänger-⸗Bund ue
MSeite 237
Friedrich hegar.
Der Mensch.
Vom Künstlerischen losgetrennt erscheint sein Mensch—
liches schon in imponierender Größe. Die Grundzüge
seines Lebens bildeten eiserne Willenskraft, starker Ge—
rechtigkeitssinn, vornehme Gesinnung und eine hohe In—
lelligenz, die diesen Eigenschaften den rechten Weg wies.
degars gewaltige Tatkraft betätigte sich in weitsichtigster
Veife nur für das Gute und Hohe, die Resultate seiner
Schöpfungen lassen uns die gänze Klarheit seines Be—
zinnens erkennen. Sein hohes Verantwortungsgefühl emp—
tsand man in jeder seiner Aeußerungen, nicht zuletzt im
zgesprochenen und geschriebenen Wort. Stellte er an sich
die höchsten Anforderungen,4
so verlangte er von denen,
die mit ihm zusammen—
virkten, die selbe Hingabe
and dieselbe Auffassung.
Sah er sie erfüllt, dann
konnte aus dem äußerlich
strengen Menschen ein gü—
tiger, väterlicher Freund
verden. Sein Vertrauen zu
zrwerben, war nicht leicht;
ver es sich errungen, der
hatte an Hegar einen För—
zerer seltener Art. Kannte
sein künstlerischer Horizont
kaum Grenzen, so weitete
er sein Wissen auch auf all—
gemeinen geistigen Gebieten
mächtig aus. Im Umgang
bevorzugte er bedeu ende
Männer verschiedenartigster
Qualitäten, ohne darob den
Sinn für die Kraft des
Mannes aus dem Volke zu
ꝛerlieren. Schnelles Ab—
Prechen über eine Sache
vrar nicht seine Art, ohne
zründliches Ermndringen uc⸗—
—D
mit der ganzen Klarhet der
Ueberzeugung. So wuchs in
Hegar eine Weisheit, die
einem Alter Fülle und
Tiefe gab; auf seinen Rat
un nichts fehl, Vi len und
ielem war er bis zuletzt
ein guter Geist
Der Beiger.
Wenige sind heute noch, die Hegar als Geiger gehört:
seiner Glanzzeit erinnert sich vielleicht nur noch einer Es
ist nicht zufällig, daß Hegar zur Geige einst greifen mußte
Sein Künstlerherz war voller Glut und Tiefeé, durch dieses
Instrument konnte es sich erstmals restlos aussprechen, Sein
Spiel in den uamned ie ee der alten Musikschule
und ganz besonders in den ersten Kammermusikaufführungen
der neuen Tonhalle bleibt mir unvergeßlich. In den Kan—
tilenen der Klassiker, der Romantiker, eines Schumann und
Brahms puserte sein Seelisches in höchster Vibration
Mehr noch als die Nebersiteserung sagen uns seine Geigen
ompositionen, sein Violin—
konzert, seine Walzer, daß
degar auch ein virtuoser
eiger gewesen ist, voll
Rasse des Temperaments
und Schärfe der Charak—
teristik, Mit dem Inen
ment seiner Frühzeit blicb
Hegar bis zu den letzten
Wochen seines Lebens ver—
bunden, immer und immer
griff er wieder zu ihm, Un
aussprechlichem sich ent
ledigend, an seinem Seelen
ton sich inspirierend. An
der Geige vollzog sich erst—
mals Hegars ungewöhnlick
hohe künstlerische Entwick
lung, sie führte vom Soli—
stischen zur Kammermusik
von der Violinsonae zum
certiefenden Quartett pie!
und zog in der Komposi—
tion entsprechend aufwärts
führende Linien nach sich
Der Geiger in Hegar hai
sich gewichtige Zeiten hin—
durch nicht nur genügt, ey
hat, außer der Kompo ition
auf einem andern Schaffens
gebiet mit seltener Kraf
gewirkt.
——
— —
* —
—5 jc *
— —
.
—
—
2
Der Dirigent.
Daß Hegar von der Geige
vom Konzertmeisterpult *
zum Dirigieren kam, und
nicht vom Klavier, ist für
die Erziehung des instru—
—— entalen 3 den sIn
—— * — — egar in Zürich aus be—
— — 0* —*2 n e eeen schaf—
fen mußte, von größter
Bedeutung gewesen. Mit absoluter Autorität konnte er
sich ein Streicherensemble, worunter zuerst noch viele
Dilettanten, bilden und mit den Jahren zu einer Homo—
genietät des Klanges, der Strichart, der Phrasierung und
des kantablen und charakteristischen Ausdrucks steigern, die
bieles ersetzte, was im einzelnen an Qualität abgehen mochteé
Der LRünstler.
Er fummiert sich in
diesem wundervollen Künst—
lerleben aus der Glut des
Beigers, aus der Tief⸗—
zründigkelt des Dirigenten und aus der Sehnsucht und
hem Müssen des Schaäffenden. Ein Glied der künstlerischen
Entwicklung, geht aus dem andern hervor, alle bleiben
unter sich verbunden. Das menschliche n findet in den
Aeußerungen des Künstlers wundervolle Steigerung und
schafft Unvergängliches.
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