Full text : 6.1928-1929 (0006)

Seite 226 IIHH..

„Saar-Sänger-Bund IIIIUflMheurlnn

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Große Brockhaus“ wird allen denen willkommen sein, die
mit offenen Augen durch das Leben gehen. Der erste Band
erschien Ende Oktober, Band II voraussichtlich im März
1929, die weiteren Bände sollen in Abständen von etwa
oier Monaten folgen. Wir werden unsere Leser über das
Erscheinen auf dem laufenden halten.
Adrian Mohr, Fischfang ist not! Freuden und Leiden
der deutschen Hochseefischerei, mit 41 Abbildungen. Ver—
lag Koehler Ke Amelang, Leipzig. Preis 6, — Mk. Dr.
Adrian Mohr kann für seine Aufgabe als zuständig gelten.
Wir erinnern an sein treffliches in der Sammlung von
Storms Reiseführern (Kursbuch- und Verkehrsverlags—
gesellschaft m. b. H. Berlin) erschienenes Werkchen „Nor-—
pegen und Island nebst Farber und Spitzbergen.“
Hier hat der Verfasser aufs beste gezeigt, wie er den
frockenen Stoff eines Reiseführers meisterte und so
packend und interessant gestaltete, daß man mit Vergnügen
darin liest und gern den freundlichen Humor, der ge—
legentlich aufblitzt, auf sich wirken läßt. Es ist wahrlich
nicht nur ein Reiseführer, sondern ein Buch zum Lust-—
und Planmachen. In dem überaus reich und instruktiv
llustrierten Werk „Fischfang ist not“ berichtet der Ver—
fasser über seine Anteilnahme an einer Seefahrt der
Hochseefischerei nach Marokko. Nein, es ist kein Berichten,
sondern ein lustiges, oft schalkhaftes Plaudern — und ehe
man sich's versieht, hat der Verfasser den Binnenländer,
die Landratte, aufs trefflichste unterrichtet über eine ebenso
interessante, als volkswirtschaftlich und national hochbe—
deutsame Angelegenheit. Nach einem die Reiseeinladung
skizzierenden Auftakt schildert der Verfasser das Leben an
Bord, Marokko, das listenreiche Raubtier Mensch auf dem
Fischfang, Fahrten in Sturm und Not, er plaudert von
Rechen- und Kochkünsten, von Häfen und Märkten, von
der Bewahrung der Beute vor dem Verderben und —
oom Hering! Niemand wird das köstliche Buch unbefrie—
digt aus der Hand legen; besonders wünschen wir es
als überall willkommen geheißene Gabe unsern Frauen und
Mädchen.
Der arbeitende Mensch in der erzählenden Literatur.
Ausgewählt und herausgegeben von Dr. Otto Neuburger.
Langens Bücher der Bildung, Band 29.) Preis in Leinen

gebunden 3 Mark. Verlag von Albert Langen in München
In diesem Band hat Dr. Neuburger die schönsten, Blüten
aller deutschen und ausländischen Berufsromane gesammel:
und kleine Geschichten wie größere Schilderungen von
berschiedenen Berufen zu einem stattlichen Bande ver—
einigt. Es ist erstaunlich, welch reiche Fülle von Stoff
der bisher in keiner Weise der Arbeit des Lehrers und
des praktischen Berufsberaters nutzhar gemacht war, da
nit zutage gefördert wurde. Fünfzig Beiträge von ver—
torbenen und zeitgenössischen Erzählern zeugen hier vor
der mannigfaltigen Schönheit der gelernten und unge—
ernten Arbeit in Handwerk und Industrie, der freien
und geistigen Berufe, so daß man sich beim Lesen dieses
Buches ebenso der anregenden Unterhaltsamkeit der guten
Prosa wie der Schönheit erfreut, die in allen Berufen
zu finden ist. Man staunt über den Reichtum an an—
chaulichem berufskundlichen Stoff, der in der schönen
diteratur enthalten ist. So trägt das Buch in jeder Hin—
sicht dazu bei, zur Arbeit zu erziehen und die Arbeit
zu einem doppelten Genuß werden zu lassen, — ein wirk—
liches „Buch der Bildung“. Die bekannte Langen'sche
Bücherreihe wird dadurch in höchst erfreulicher Weise be—
reichert, nicht nur um einen neuen Band, dem man großen
Erfolg prophezeien darf, sondern auch um ein ganz neues
Gebiet und Thema.

Der Faden der Ariadne von Grete Riesenfeld. Verlag
Axel Juncker, Berlin W. 15. Preis RM. 2,80. Es ist eine
Figenwillige, die aus diesen Versen zu uns spricht. Das
Mädchen- und Frauenschicksal, das hier gestaltet ist, hat
einen herben Klang. Psychologisch von hohem Interesse
sind die freimütigen Einblicke in das weibliche Seelenleben
»on der Stunde ihrer Verstoßung aus dem Kinderland, der
ersten unbestimmten Sehnsucht und dem Eindringen des
rätselhaft umsäumten Geheimnisses in ihre weiche Mädchen—
schaft an bis zu ihrer Segnung zum wunderbergenden
deiligenschrein ihrer zwanzigjährigen leidvollen Ehe und
tolzer Witwenschaft — wie bin ich selber mir so grausig
remd, bin fremdes Strandgut, zu mir angeschwemmt. Das
schmale, aber gedankenschwere und gemütstiefe Bändchen
enthält feinste Natur- und Seelenstimmungen, ausnahmslos
auf eine herzandringende Melodie gebracht.

Lustige musikalische Ecke.

Hochschulbildung. Ein l14jähriger Musikschüler und
Lehrling eines sogenannten noch aus Vorkriegszeiten stam—
menden Stadtpfeifers kommt wißbegierig zu seinem Herrn
und Meister und fragt: „Meister, was ist denn eigentlich
Kontrapunkt?“ — Der Musikmeister kratzt sich verlegen
hinter den Ohren und antwortet nach einiger Zeit: „Kon—
rrapunkt ist — ist — wenn zwei Stimmen zusammen gehen.“
Der Junge will aber noch mehr wissen und fragt weiter:
„Wenn die Stimmen aber nun einmal auseinander gehen?“
— Der Meister antwortet schnell und verlegen: „Ja, Junge
dann ist die Sache faul!“
Der geheimnisvolle Gast. In das Theater-Café (natür—
ich in nächster Nähe des Stadttheater gelegen) kommt
ichnell und nervös ein Herr. — Er setzt sich an einen Tisch,
an welchem bereits ein anderer Herr seine Zeitung liest.
Der soeben angekommene Gast spricht mit sich selbst und
zählt ziemlich laut: 1002-3, 101 - 223, dazwischen ruft
er laut: „Kellner, ein Bier!“ und spricht weiter: 1041 -2-3
er trinkt) und zählt weiter 1082223, 109ÿ 2-83 usw.
Der erste Herr sieht erstaunt den geheimnisvollen Gast
an. — dDieser zählt aber unentwegt weiter, trinkt aber—
mals und setzt dann mit 115—5223 seinen Hut auf und
pieder eilig zur Tür hinaus. Der erste Herr fragt den
Kellner: „Wer war eigentlich dieser Herr? Der ist wohl
aus dem Narrenhaus entsprungen?“ Der Kellner ant—
wortet: „Eigentlich so halb und halb ja, aber doch nicht
ganz. — Das ist nämlich der Harfenist vom Stadttheater—
orchester, der kommt fast jeden Abend während der Oper
hierher; er zählt seine Pausen, damit er weiß, wann er
ungefähr wieder drankommt. Er will seinen Einsatz nicht
berpassen.“
Das Folterinstrument. Als der berühmte Komponist G.
VBerdi einmal den Mailänder Musikverein besuchte, da

vwurde ihm erzählt, daß ein Verwandter des Königs die
Marterinstrumente der Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft sammle. Auch hätte er schon eine ganz stattliche
Reihe solcher Instrumente zusammen.“ „Das schröecklichste
Narterinstrument wird er wohl vergessen.“ „Was für ein
Instrument meinen Sie denn, Meister Verdi?“ — „Das
lavieri
Das schöne Konzort. Müller: „Wie war denn eigentlich
das Konzert in dem Gesangverein? Singt der Verein wirk—
lich so schmelzend, wie immer geschrieben wird?“ — Schulze
„Ohne Zweifel! Die Zuhörer sind nämlich von Lied zu
Lied immer mehr zusammengeschmolzen.“
Musikalische FJamilie. Lieber Freund — lange nicht
zesehen! Was macht deine Frau?“ — „Danke, gut — sie
sitzt den ganzen Tag am Klavier!“ — „Und die Tochter?“
— „Immer hat sie die Geige bei der Hand!“ — „Und der
Sohn?“ — „Der spielt den ganzen Taͤg Cello!“ — „Und
was machst du?“ — „Ich gehe flöten dabei!“
Das Lied vom duvchgebrannten Gaul. Bei einer Weih—
nachtsfeier in einem Verein singt ein Männerquartett ein
vundervolles Weihnachtslied und noch einige andere Lieder
Nachdem der Beifall verrauscht ist, stürzte der Vereins—
borstand auf das Podium und sagt: „Kinder, Ihr müßt
das Lied nochmals singen, von dem Gaul, der durchgegangen
ist.“ „Von welchem Gaul?“ „Nun, von dem Gaul, der
durchgegangen ist.“ „Ja, so,“ sagt der 2. Baß, „Sie meinen
das Lied: „Es ist ein Ros' entsprungen.“
Märchen. Die kleine Hilde wacht nachts um 2 Uhr auf
und bittet ihre Mutter, ihr ein Märchen zu erzählen. —
„Dazu ist es zu spät“, sagt die Mutter, „aber warte, bald
kommt der Papa aus der Probe nach Hause, der wird
uns schon ein Märchen erzählen.“
            
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