Aus der Musikwelt.
U Seite 209
Das deutsche Lied
in der tischechoslsowakischen Republik.
Das Jahr 1918, das eine so gewaltige Veränderung auf
oolitischem und wirtschaftlichem Gebiete brachte, hat natur—
zemäß auch in der Entwicklung des deutschen Liedes tief—
jehende Wirkungen zur Folge gehabt. Insbesondere gilt
zies für uns Sudetendeutsche, die wir nach dem Umsturz
yor vötlig neuen Verhältnissen standen. Der Kampf um
zie Erhaßtung unserer Existenz füllte alle aus und ließ
borerst kein rechtes Interesse für die Angelegenheiten
deeller Natur aufkommen. Erst als sich die Wogen na—
onaler Leidenschaft allmählich geglättet, das Gefühl der
Zicherheit festere Formen angenommen hatte, konnte man
auch wieder an die Betätigung in kulturellen Vereinen,
an das Singen und an eine Zusammenfassung der losen
Zängerbünde denken, und es dauerte auch nicht lange, so
etzte in den Gesaugvereinen aller deutschen Gaue der
cschechoslawakischen Republik neues reges Leben ein, das
bon Monat zu Monat merklich wuchs und die Pflege des
deutschen Liedes wieder auf volle Vorkriegshöhe hob. Die
dücken, die der Weltkrieg den Vereinen zugefügt, sahen
iich namentltich in den Stadtvereinen verhältnismäßig schnell
aufgefüllt, und wie ehedem wurde mit, Liebe, Lust und
Hingabe gesungen. Die Konzerte der Männergesangvereine
gewannen ihre künstlerische Höhe wieder, und das rasch
nsetzende Sängerfahrtwesen — wir finden mehrere sudeten—
deutsche Vereine schon im Jahre 1921 jenseits der Grenze
in Ost-⸗, Nord- und West-Deutschland, eine größere Anzahl
oon Konzerten gebend — trug viel dazu bei, die zer—
rissenen Bande alter sangesbruüderlicher Beziehungen neu
ufleben zu lassen, beziehüngsweise neu zu knüpfen.
Im Jahre 19821 schritt man auch an die Zusammenfassung
ind Gliederung der sudetendeutschen Sängerschaft. Dem
im das deutsche Sängerwesen in Böhmen hochverdienten
einstigen Prager Universitätsmusikdirektor Hans Schneider
der 25 Jahre an der Spitze des deutschen Sänger—
hundes in Böhmen stand, danken wir die Vereinigung der
Zängerbünde von Böhmen, Mähren, Schlesien und dem
zipfer Sängerbund, welche am 27. und 28. November
7921 in der deutsch-mährischen Stadt Zwittau erfolgte
und die den Namen „Sängerbund der Sudetendeutschen“
erhielt. Bundesvorstand wurde Adolf
Philüpp, Sitz des Bundes Aufsig.
Nun galt es, die einzelnen Sängergaue arbeitsbereit
zu machen, sie mit frischpulsierendem Leben zu erfüllen
ind den geänderten Verhältnissen anzupassen. Und das
st reftlos gelungen, Heute steht der Sudétendeutsche Sänger
zau mächtig, in sich geschlossen und achtunggebietend da.
Ddas deutfsche Lied erklingt wieder in allen Gauen, wo
deutsche in der tschechostowakischen Republik wohnen. Allwo
vir heute in diesem Staate hinkommen und sei es auch
das kleinste Dorf, es wird dort mit Begeisterung das
deutsche Lied gesungen. In den Städten vorwiegend das
Kunftlied und das Oratorium, in den kleineren Orten
das Volkslied. Die sudetendeutsche Sängerschaft verfügt
iber eine große Anzahl ganz vorzüglicher Chorvereinigungen
und Künstser und vermag dementsprechend auf außerordent—
iche hochrangige mufikalische Taten hinzuweisen. Kaum ein
ilteres oder neueres, wenn auch noch so anspruchsvolles
Thorwerk, das dieser oder jener Verein nicht aufgeführt
zätte. Dabei will bedacht sein, daß gerade die sudeten—
zeutschen Vereine einer doppelten Aufgabe gerecht werden
nüssen. Nicht allein künstlerischen und kulturellen Zwecken
zaben sie zu genügen, sondern auch völkische Hochziele
saben sie stets mit za verfolgen. Neben der Pflege deutscher
unst will immer unser Deutschtum betont werden. Und
deshalb werden unsere Sangesbrüder jenseits der Grenzen
unser Schaffen und Ringen im deutschen Liede anders
beurteilen, und sie werden auch jenen kleinen Vereinen,
die in fernsten Gemarkungen und abgeschlossen von ihren
Sangesbrüdern dem deutschen Männergesange sich widmen
hre vollste Anerkennung nicht versagen.
Auf unsere Organisation aber dürfen nicht nur wir,
sondern die gesamte Sängerschaft mit Recht stolz sein—
Sie umfaßt im Sängerbund der Sudetendeutschen 20
Sängergaue mit rund 25 000 Sängern und 9000 Sän—
gerinnen. Das Bundeszeichen des Sudetendeutschen Sänger—
zundes zeigt eine blaue Lyra im weißen Felde (weiß-blau
ist die Farbe des Sängerbundes). Das Bundesorgan ist
die „Sudetendeutsche Sängerzeitung“, welche der zweite
Bundeschormeister Max Rumler leitet. Die künstlerische
Oberleitüng versieht Generalmusikdirektor Röobert Manzer.
Mit dem Deutschen Sängerbund in Berlin fühlt sich
die sudetendeutsche Sängerschaft besonders innig verbunden
Er ist ihe Stütze und Hort zugleich, durch ihn erst gehört
sie dem großen Heere der deutschen Sänger an, und in
ernen Zielen weiß sie sich eins in der Pflege deutschen
Bemütes und deutscher Wesensart überhaupt.
Dieses beglückende Gefühl der Zusammengehörigkeit, wie
2s so eindrucksvoll und erhebend gerade in dem denk—
vürdigen, uns allen unvergeßlich bleibenden 10. Deutschen
Sängerbundesfest in Wien zum Ausdruck kam, und das in
einer ganzen Größe und Bedeutung wohl wir Auslands—
deutschen am eindringlichsten empfinden, es soll hinfort
mit noch tieferer Liebe und intensiverem Verständnis als
hisher gepflegt werden. Mozarts „Brüder reicht die Hand
zunt Buͤnde“, es hat nun tönenden Widerhall im Herzen
der Sänger gefunden, und an uns wird es liegen, wenn
auch vorläufig nur im Geiste, trotz Grenzen und Heere
diesen Bund zur Tat werden zu lassen.
Hauns M. Habel, Brünn.
„Der Chormeister.“
Wie ein wohlausgerüstetes und tapferes Heer ohne einen
tüchtigen General keinen Feind bezwingen kann, so ist
auch die eifrigste Sängerschar mit dem besten Stimmen—
7 ¶
Pionohous
Soccrbrcktend, Kaiserstt. Ta
Deut᷑sche Pionos aller
enter Marken zu den
— neuerdinꝗs bedeutend
4 4 ermsioten Preisen.
M Verlongen SVie bitte genouestes Angebot
7 —s 9 9
* —V — ——
b—
— Bren
Tι ran
—