Nr. 8 hr'
Saar⸗Sänger-VBund“
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verfolgt der Leser die kleinen Abenteuer, mit denen die
heldin des Buches in Zusammenhang steht, und mit immer
zrößerem Vergnügen, das oft zu schallender Heiterkeit
ührt, ergötzt er sich an den komischen Situationen, den
drastischen Pointen, die diesen Abenteuern köstliche Würze
herleihen. Sie müssen alle heran, die in der Fremden—
dension der verwitweten Frau von Sonnenfels Wohnung
genommen haben und deren Geschichte der Dichter miterlebt
zder von den Helden erfahren hat. Eine urkomische Gesell—
schaft: Der Rumäne Kakedesku, dem sein Pintscher Ghika
die mitleidsvollen Frauenherzen gewann, die berühmte
Zängerin Mirandolina, die als Hochstaplerin nicht nur
Herrn Bötz auf den Leim lockte und prellte, Vetter Adolf,
der Napoleonfeind, der Kammerjäger Kleebusch, der Frau
Naschkes Haus verpestete, der Studienfreund Mückenpeter,
Martin Erpel und seine englische Frau, die Gräfin, Emil
Wetterhahn und Fritz Haberkorn und die „Aussprache“ mit
dem Schwiegervater, der Wachhund — des Einbrechers, das
Fhepaar Böpflich und der Exzellenzvetter, Forstrat Mützel
und seine Auskunft über Domestiken, — ein buntes Gemisch
oon Allotria, wie es das Leben selbst in der Wirklichkeit
mischt, von einem kritischen, aber doch verstehenden, grund—
zütigen Auge aufgefangen. Diese Romane und Erzählungen
alle greifen deshalb weit über den Unterhaltungszweck,
dem sie durch Witz und Spannung dienen, hinaus. Sie sind
ein feingeschliffener Spiegel für menschliches Sein und Tun.
Ein wesentlicher Zug würde fehlen, wenn wir nicht
auch des Dichters gedacht hätten. In seinem in der
Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart erschienenen Werk
Ernte entbietet er eine treffliche Auswahl seiner Verse.
In ihnen zeigt er feinstes Sprachgefühl und ein Ohr für
Rhythmus und Klang. Auch in diesen Dichtungen geht
Presber liebevoll Menschenschicksalen nach, mit freundlichem
Verstehen auch den dunklen. Nach edelster Lyrik von stillen
Bärten am Rhein, von der Mutter, von Kindheitserinne—
rungen, vom Meer und vom Frühling, tragische balladeske
dichtungen: Einst am Vesuv, Begegnung, Alte Briefe, Ich
annt' einen Spieler, Die Maske, Der Tenor, Das ver—
pätete Lachen. Vieles von dem, was hier im leichten
Klang der Strophen aufgeblüht ist, wird als Rezitation,
etwa auf Familienabenden, hinreißende Wirkung haben.
Wir wünschen den in vielen Tausend Auflagen erschienenen
Werken Rudolf Presbers weiteste Verbreitung: möchten
auch diese Zeilen dazu beigetragen haben! Walther Stein
D a 8
u ch.
M ein Leben — kluge Freunde haben es mir oft hestätigt
A— hat der Romanstoffe manche enthalten. Und ich
habe der Verlockung nicht ganz widerstanden, aus diesem
Leben mancherlei Motive in meinen Büchern zu verwenden
und viele Personen, denen ich, dankbar für ihr Anderssein
als das Dutzend, begegnet bin, unter Masken mitspielen
lassen in den Spiel meiner Phantafie. Aber an den Schick—
salsproblemen, die mich am tiefsten berührten und ver—
wunderten, bin ich schildernd, fabulierend meist schon vor—
heigegangen und habe auch hier nicht vor, sie aufzurollern
Viécleicht entdeckt und verwertet sie ein späterer Kollege
äinmal, und ich bleibe in seinem Werke länger, als ich's
im eigenen Leben darf.
Denn der „Roman“ — und jedes Leben kann, wenn es
einen rechten Erzähler findet, ein Roman sein — wird,
gleichviel, was die Zeiten für ungewohnte Wandlungen
durchmachen, nie aus dem Interessenkreis derer, die die
Kunft noch oder wieder pflegen, ganz verschwinden. Ich
Jlaube, daß die Menschen immer Menschen bleiben. Ge—
zunden an ihre Körperlichkeit, das Pumpwerk ihres Her—
zens und das Gangliensystem ihres Gehirnes. Und, das
wird für die Kunst das Entscheidende sein, gleichviel,
vohin die Technik noch führt und was sie alles — in
dreißig oder dreihundert Jahren — dem Menschen noch
erleichtert abnimmt, erschwert oder unmöglich, macht. Es
werden deshalb die Beziehungen der Menschen unter—
einander nach wie vor noch Romanstoffe im alten Sinne
genug liefern.
Und dieses wird auch der Fall sein, wenn diese Zeit,
die die meine war — als die Kindheit des Automobils, des
Flugsportes, des Radios und der Theosophie — schon im
„hiftorischen“ Roman behandelt, wird. Radio und Film
berden für den gebildeten Menschen — und davon wird's
mmer mehr geben — das Buch nie ganz verdrängen. Denn
erstens gibt der Leser für sich selbst das Tempo des Ge⸗
rufses aͤn, An einigen Stellen beeilt er sich, überschlägt
ogar vielleicht, an anderen möcht'“, er, zum Augenb lick
agen: „Verweéile doch — du bist so schön!“ Dies aber kann
er nur im Buch. Und zweitens — das Buch als Besig
wird dem ecrnsten, wertvollen Menschen wertvoll bleiben.
Neben dem Plattenschrank fürs Grammophon und dem Tisch
mit dem Lautsprecher wird auch im Jahre dreitausend noch
der Bücherschrank stehen. Das ist mein frommer Glaube.
Vielleicht sogar, vielleicht — aber wer will prophe—
zeien — immerhin ich halte das für sehr möglich — bringen
ruch die ewig sich verbessernde Technik, die wachsenden
Mögkichkeiten des Verkehrs und die Unsumme des Lern—
toffes für den, der mit der Zeit gehen will, just die Sehn—
ucht nach stilklen Büchern mit. Nach Büchern, die den
chönen Gedanken und edlen Empfinden mehr Raum gön—
ren als den Pistolenschüssen und dem Geschrei, den Morden
und Ehebrüchen, als der Perversität, der Sensation und der
Flucht einer Greifin über die Dächer ...
Mitten im Stank und Lärm der Maschinen, in den un—
ruhigen Fieberträumen von Kosmopositismus und Völker
derbrüderung, während jeder Tag in Fabriken und Denker—
verkstätten neue schreckliche Mittel bringen, Feinde zu töten,
Städte zu zerstören — gibt es immer noch Menschen, denen
wie ein Loͤckruf in das Land der Sehnsucht, in das ver—
lorene Paradies das Posthorn von Thurn und Tarxis klingt.
Und die Sehnfucht wird äuf dem Gebiete der Kunst — so—
'ange die noch völlig durch Sechstage-Rennen, Nierenschläge
uind Witwenbälle zu ersetzen ist — immer eine große, eine
bestimmte Rolle spielen.
Und auch in diesen Gedanken, den manche Stille, Ver—
onnene heuüte denken, — während man ringsum immerzu
Rekorde bricht und sportliche Augenblicksleistungen lauter
imjubelt werden abs alle geistige Leistung, — liegt viel—
eicht eine gewisse Berechtigung,, Memoiren zu schreiben.
Memoiren, die in einer Zeit beginnen, da die Welt noch
chlichter war und Deutschland blühte und da alle mit
zroßem Respekt und vielen Hoffnungen auf unser geliebtes
Vaterland blickten. Rudolf Presber.
Aus der Jugendzeit, Deutsche Verlagsanstalt,
Stuttgart, Berlin und Leipzig.
lons. 8 N — — —2
zaarhrüchken 3, Bahnhofstr. 40
HAUSKNIPPEFERBRAU
untfer Garonfie des Landkreises Saorbruücken
Haunptlsassenloltal: Saarhrüchen 1, 6erichtsstr. 3
IWweilgstellen in Dudweiler und Heusweiler.
Annohmestellen
in grheren Ortschaften des Landkreises Saarbruücken.
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478
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Das hilliße Kaufhaus
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