Full text : 6.1928-1929 (0006)

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u Saar-Sänzger-Bund IIP

UNr. *

Im Mittelpunkt des 2. Teiles (A-Dur) — alle Teile
zehen ohne Caesur in einander über — steht die Einze—
eele (Mezzo-Sopran-Solo). Weit ergebener, ja zuversicht—
licher schon klingt das Solo: „Meine Seele ist stille zu
Bott, der mir hitft“. Das harte Schicksal tritt mehr zurück,
immer überzeugender dringen die tröstenden Worte der
zarmonisch reich vom Orchester gestützten, von der Solo—
dioline lieblich umrankten Solostimme zum Chor, der end—
lich wieder vertrauend der dumpfen Betäubung seines
Schmerzes entrissen, zaghaft zunächst, aber immer sicherer
und zuletzt jubelnd die Worte der Solostimme aufnimmt,
zis sich plötzlich der ganze Zweifel und Pessimismus des
vankelmütigen Volkes in einem unerwarteten, beispiellos
überraschenden Trugschluß gerade über den Worten: „er
sst unser Hort, unser Schutz“ entlädt. Hier ist die Musik
alkein der Träger der Handlung, des plötzlichen Gesinnungs—
umschlages; aus dem Texte wäre gar nichts zu entnehmen.
Aßerordentlich geschickt ist das gemacht, an das berühmte
Vorbild aus Beethovens „Missa“ gemahnend. Dieser Trug—
schluß allein motiviert den weiteren Verlauf vor allem
die Einführung der Frauenstimmen hinter der Szene. Die
Solostimme hatte allein nicht die Zweifel des Volkes zer—
tören können, „Stimmen von oben“ gewissermaßen
»leibt es vorbehalten, das kleingläubige Volk mit ener—
zischem „Wacht auf“Rufen aufzurütteln, in die die Solo—
timme lebhaft mit einfällt. Hätte das Volk wirklich Ver—
trauen gehegt, wie man es auf Grund des Textes anzu—
nehmen geneigt wäre, so wäre dieser neue Apparat der
Frauenstimmen, dieses „Wachet auf“, höchst sinnlos und
uͤberflüssig gewesen.
Der 3. Teil (kis-Dur) ist erreicht. Meist unbegleitet
singt der 3stimmige Frauenchor das hohe Lied von Gottes
Büte, „die reicht so weit der Himmel ist“, ein durch
den Kontrast in Klang und Stimmung außerordentlich
wirkungsvosler Abschnitt. Unaufhörlich klingt der Solostimme
aufpeitschendes „Wachet auf, Psalter und Harse wacht auf!“
»azwischen, so daß das Volck schließlich beschämt und über—
zeugt sich gestekt: „Der Herr ist mit uns, er wird uns
selfen, darum fürchten wir nichts!“.
Rasch wird über den kraftvoklen Halbschluß in 4 der
. Teil (D-Dur) erreicht, die große Fuge „Unsere Macht,
uinser Heil, ist der Herr“. Im Rahmen dieser Fuge baut
ich der ganze Apparat gewissermaßen übereinander, die
So bLostimme mit ihrem „Wachet auf“, der Frauen-—
hor mit seinem jubeinden Hallelujah, in Knabenchor,
der in alter Weise, den Choral „Wachet auf“, ruft uns
diꝛe Stimme in das Klanggewoge hinein schmettert, und
endlich als Fundament der Männerchor, der Träger der
Fuge, deren Thema nach zweimakiger Durchführung (Wieder—
kehr des Themas in allen 4 Stimmen nacheinander) mit
arlen Schikanen, in Engführung und in vergrößerten Noten—
verten erscheint. In grandioser Steigeruüng streben die

übereinander geschichteten gewaltigen Klangmassen dem
Schluß zu, dem sreghaften, jubelnden Ausdruck der über—
zeugten Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Wie im Mittelpunkt dieses Werkes eine wahrhaft na
ronale Idee steht (wer würde die symbolischen Be—
ziehungen zur Situation des deutschen Vockes nicht durch—
schauen“ wie hier die nationale Frage eine Befreiung
von aller Knechtschaft eine glückliche Lösung, und zwar im
resigiösen Sinne, findet, so behandelt Kauns jüngstes Werk
„Die wandernde Menschheit“ für Männerchor und
zroßes Orchester Text von Hagen Thürnau), darüber hinaus
ꝛinen rein menschlichen, übernationalen, sagen wir kysmo—
politischen Problemkomplex. Wie dort die Nation, so ist
hier die Menschheit Träger der Handrung, wenn man von
ziner solchen reden darf. Es ist das alte Thema der
Z„chillerschen „Ode an die Freude“, das scheinbar auf den
Musiker, der ja im besten Sinne übernational (bitte nich—
nternational) ist, von jeher eine besondere Anziehungs
kraft ausübte. (Beethovens „Neunte“.)
Dumpf, ziellos, ohne Wissen von einem Daseinszweck
vandert die Menschheit ihren vom blinden Schicksal vorbe—
timmten Weg. In trauermarschartigen Rhythmen, ständigem
Wechsel von Achteln und Triolen, schildert die Musik dieses
rost!ose, vergebliche Mühen um ein Ziel, einen Sinn des
Lebens. Grelle Dissonanzen begleiten in Sequenzenketten
den fast monotonen GWiederkehr derselben Motive'!), mit—
unter nur einstimmigen Gesang des Chores („wir wändern
und kennen die Ziele doch nicht“). Kraß realistisch, mit
modernsten, fast atonalen Mitteln, ist besonders die Stelle
„wir waten noch immer durch Blut und durch Qual“ musi—
kalisch unterstrichen.
Doch „Der Weg“, rauh wie er war, „er führt doch
empor“: edles Menschentum, hilfreiche Liebe von Mensch
zu Mensch, im Sinne des Schiller-Beethovenschen „alle
Menschen werden Brüder“, das ist das von fern leuch—
tende Ziel, ein Ziel, um das es sich verlohnt, Mensch zu
sein, das dem Menschheitsleben Inhalt verleiht. Ganz fein
detont die Musik diese Wendung: die Stelle „und willst
du ermatten, nimm Bruder die Hand“ in warmem (C-Dur
zrinnert lebhaft an das: „Ist aduf deinem Psalter“ der
Bßrahmsschen „Rhapsodie“. In herrcicher Steigerung, ein
Mittel, das Kaun einfach virtuos beherrscht, setzen sich
Chor und Orchester für dieses Ziel der Menschheitsbe—
zlückung durch die Liebe („dort wandern die Menschen,
in Liebe versöhnt“), das der Optimismus in der Musikt
fast in greifbare Nähe rückt, ein und bringen das Werk
zu gewartigem, ekstatischen Abschluß.
Hoffen wir, daß beide Werke bei ihrer Erstaufführung
hier im Eindruck hinter Kauns „Requiem“ nicht zirück—
sehen- Ernst Stitz,
caud. phil. et inus,

SAALBAVU-RESTAVURANT SAARBROCKEN
ph. E. ERNST ASI Als vorzuslich hekannt in sSpeisen und Getränken. Telephon Nr. 823
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Hermann Jakob, Homburg
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(Gersweiler Sparkasse) e. G. m. h. H.
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