Full text : 6.1928-1929 (0006)

Rr. 8 ihe

111414444

in Saar Sänger⸗Vund Uhllu.

Seite 181

Hu go Ranun.

Mnter den Männerchorkomponisten der Gegenwart steht
—AAuns Hugo Kaun mit an erster Stelle, weil wir
kaum einem in höherem Maße den Anschluß des Männer—
chors an die gesamte große Kunst zu verdanken haben,
als Meister Kaun. Am 21. März 1863 in Berlin ge—
boren, der Musik als Berufsstudium ergeben, Schüler von
Grabau und Fr. Schulz an der Königlichen Hochschule,
dann Privatschüler des Hornisten Karl Raif und seines
Sohnes O. Raif, durchgebildet in der Kompositions-Ab—
teilung an der Akademie in Friedrich Kiels Meisterschule
und dann als Vier—
undzwanzigiähriger
oon 188721902 als
dehrer, Dirigent und
Komponist in Mil—
waukee tätig, der
deutschesten Stadt der
Vereinigten Staaten
oon Amerika — so
nimmt Hugo Kaun
seinen künstlerischen
Aufstieg ganz in voll⸗
wichtigster Instrumen⸗
ralmusik. duß so be⸗
ginnt und behauptet
sich denn auch sein
kompositori-—
sches Schaffen
mit Kammermusik⸗
werken, Streichquar—
etten, Sonaten, Ok—
retten für Blas-In—
strumente, Ouvertü—
ren, Sinfonien. Aber
chon damals, als der
unge Musiker auf
amerikanischem Bo—
den Fuß faßte, ent—
deckte er sein Herz
für den Männer-—
hor und erwarb
sich als Chormeister
zroßer Gesangvereine
um deutsche Kultur
m Auslande unver—
gängliche Verdienste.
Als ihn die Sehnsucht
in die Heimat zurück—
führte, grüßte er sein
zeliebbes Deutschland
mit seiner Sinfonie
„An mein Vater—
and“, um dann aber
nehr und mehr auch
die Komposition für
Männerchor sowohl
in großen orchester⸗
»egleiteten Oratorien,
vie in größeren oder
leineren A-cappeélla-Chören
 in den Be—
reich seines künstle—
rischen Schafsens zu
ziehen. Aus der Fülle
seien namentlich her— J
»orgehoben: Normannen Abschied für Männerchor,
Barkitonsolo und Orchester, Mutter Erde für Soli und
Orchester, zZige unertreiben für Männerchor, Bariton
aund Orchesser, Psalm 126 und Festkantate für ge—
nischten Chor und Orchester, Requsiem für Männerchor,
AÄllsolo und Orchester, ferner die Opern: Der Pietist,
Sappho, Der Fremde und Menandra. Hugo Kaun wohnt
eit seiner Rückkehr aus Amerika in Berlin, ist Mitglied
der Akademie der Künste, seit 1912, Lehrer für Kompo—
ition am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium und
teht so auch heute noch in engster Fühlung als Musik—
häbagoge und Komponist mit dem musikalischen Leben der

Hegenwart. Daraus erklärt es sich wohl hauptsächlich, daß
Zugo Kaun befähigt war, den Männerchor künstlerisch
auf eine so hohe Linie zu bringen und ihm die Achtung
und Wertschätzung auch bis dahin abseitsstehender Fach—
reise zu erkämpfen. In seinen Meisterhänden erwies sich
der Männerchor als ein Instrument, dem Letzten, Höchsten,
uind Tiefsten der Menschenbrust einmaligen, restlos über—
eugenden und also vollendeten Ausdruck zu geben. Auf
den Programmen von Vereinen einer gewissen Kultur—
höhe fehlk Kaun heute selten. Wenn er aber trotzdem noch
nicht bis in die
kleinen Vereine ge—
drungen ist, so liegt
das nicht nur an
den großen Schwierig—
keiten seiner Chöre,
— es gibt auc zahl—
reiche weniger schvie—
rige —, sondern an
dem Tiefstand der
Vereine selbst. Hier
will cçgea beitet, inner—
lich und äußerlich ge—
arbeitet sein, man
muß sich zu ihm em—
porkämpfen. Es fallen
einem nicht reife
Früchte einfach in
den Schoß. Mit ihm
ist die Handwerker—
lichkeit, die Lieder—
tafelei zu Grabe ge—
tragen. Es ist gut so.
Wir wollen es ihm
danken. Wesaber sein
Herz und sein
Können, aber ich be—
tone noch einmal:
sein Herz an Kaun—
sche Chöre oder Ora—
torien gesetzt hat, der
wird überreich be—
lohnt sein! Er wird
es spüren, wie durch
die innere Aus⸗
einandersctzung mit
dem Wertvollen der
Eizenwert wächst.
Und das ist letzen
Endes der Sinn ron
Kunst und Religion
überhaupt. Hier im
Ewigen berühren sie
sich, wie es einst
Schumann meinte:
„Geschwister sind
der Glaube und
die Kunst,
Der Bruder macht
den Himmel u“s
zur Heimat,
Die Schwmester weiht
die Heimat uns
zum Himmel!“
Und so reichen sich
ruch bei Meister Kauns Griff in die Sterne Menschliches
und Göttliches die Hand!
Wir möchten unsern Bundesvereinen aufs nach
drücklichstes ans Herz legen, sich durch Pflege auch Kaun—
scher Chöre den Anschluß an die große Kunst der Gegen—
vart zu sichern. Gewiß auch um des Ansehens der Männer—
horsache willen, aber im letzten und tiefsten Grunde doch
zur eigenen Beglückung. Und so führe ich denn eine Reihe
Kaunscher Werke an, die für unsere Veveine in erster
Linie in Betracht kommen. Die Partituren können im
Bundesbüro eingesehen werden, der Bundeschormeister
vird den Chormeistern gewiß gern mit Erläuterungen
            
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