Full text : 6.1928-1929 (0006)

Nr. 1

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Blatz hinaus Verständnis und Liebe für ein köstliches Fleck—
hen deutscher Erde zu wecken! Und wenn der gleiche Ver—
sag auch mit einem Strachwitz-Buch, aufwartet, in
dem Wilhelm Müller, Rüdersdorf, „die schönsten Balladen
und Lieder von Moritz Graf Strachwitz“ (Preis geb. 1,50
Reichsmark) ausgewählt und eingeleitet für die Gegenwart
wieder erweckt, so liegt auch dieses wohlausgestattete Werk
durchaus in der gleichen Linie, den deutschen Kultur—
gedanken im deutschen Volke lebendig zu erhalten.
Im Auftrage der hen Lehrer⸗Vereinigung für Kunst—
oflege“ gab Wilhelm Müller, Rüdersdorf, in dem bekannten
Verlag L. Staackmann, Leipzig, Kindheitswege des
WValdbauernbuben von Peter Rosegger heraus, Ge—
schenkausgabe mit 8 hunten und 24 Ichwarzen Bildern,
Preis 6 RM. Hier sind der Jugend eine Reihe der köst—
lichsten Roseggerschen Steierland- und Waldbubengeschichten
bon einem Manne dargeboten, der mit dem untrüglichen
Blick des Pädagogen nicht nur das Jeinse und Wert—
hollste, sondern äauch das von der Jugend selbst am meisten

Begehrte ausgewählt hat. Kein Wunder, daß nach dieser
chönen Ausgabe nicht nur die Büchereien greifen, sondern
nuch Eltern, die eine wertvolle Gabe für den Festtisch
hrer Kinder suchen. Der künstlerisch gediegene, dabei echt
indertümliche Bildschmuck wird die Freude an dem Werke
zertiefen.
Beschließe ich meine Betrachtung mit zwei Vortrags-—
züchern: Deutsches Vortragsbuch für Kinder
und Deutsches Vortragsbuch für Jugendliche,
»ie unser Dichter im Verlag Peter J. Oestergaard, Berlin—
Z„chöneberg, hät erscheinen lassen. In trefflicher Ausstattung
vird hier aus der gesamten Literatur alter und neuer
zeit bis zur Gegenwart vom Besten das Beste geboten.
ßoesie und Prosa in reichem Wechsel machen das Buch
nit seinen sorgfältig ausgewählten Perlen deutscher Vor—
ragskunst recht unkerhaltsam. Es wird auch auf, Unter—
alkungs- und Familienabenden unserer Bundesvereine gern
zenutzt werden, umsomehr, als auch dem Humor breiter
Raum eingeräumt wurde. Walther Stein.

Aus der Musikwelt.

Ddas 10. Deutsche Sängerbundesfest
in Wien im Rilm.
Das 10. Deutsche Sängerbundesfest in Wien wird durch
seinen gewaltigen Umfang und die gebotenen künstlerischen
deistungen einen Höhepunkt in der Geschichte des deutschen
diedes darstellen. Der Wiener Festleitung ist es gelungen,
die Verfilmung dieser machtvollen Kundgebung deutschen
rulturellen Geistes zu sichern. Es wird ein Film gedreht.
der es ermöglicht, das Fest mit allen schwierigen Vor—
zereitungsarbeiten bildhaft mitzuerleben. Der Zuseher sieht
überall geschäftige Hände sich regen, Material wird herbei—
geschafft, Quartiere werden eingerichtet, die Festhalle wird
zor feinen Augen erstehen, Pfeiler wird sich an Pfeiler
eihen, Balken“ an Balken, bis diese Hochburg deutschen
diedes fertiggestellt und alles bereit ist zum Empfang
der Gäste aus aller Welt. Dann das Fest selbst, die Ankunft
der Teilnehmer, die Massenchöre in der Festhalle, der
imposante Sängerfestzug mit seiner ergreifenden Schubert—
duldigung u. v. a. Das Sängerbundesfest soll einen wür—
zdigen Abschluß des von den Doͤring-Filmwerken in Hannover
borbereiteten Kulturfilms „Das deutsche Lied“ darstellen, der
zegenwärtig mit Unterstützung des Deutschen Sängerbundes
hergestellt wird und in welchem anschaulich die Entwicklung
des deutschen Liedes, seine külturelle Bedeutung und Pflege
durch die deutschen Gesangvereine vorgeführt wird. Der
auch musikalisch ausgearbeitete Film wird bereits kurz nach
dem Sängerbundesfest allgemein vorgeführt werden können
und wird im In- und MAuslande viele Freunde finden.
Hugo Wolf.

Am 22. Irar sind 25 Jahre vergangen, seit Hugo
Wolf, der bedeutendste deutsche nachwagnerische Lieder—
omponist, die Augen für immer schloß. Es gibt kaum einen
deutschen Gesangssolisten, der in, seinen Vortragsfolgen
nicht Gesänge von Hugo Wolf aufzuweisen hätte. Er hat
sich im Fluge die Welt erobert; die Zeit seines Aufstiegs
fällt in das letzte Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts,
n dem er das Spanische und Italienische Liederbuch schrieb.
Er liebte es, nicht wahllos einzelne Gedichte zu vertonen,
dondern Gedichtgruppen bestimmter Autoren; so entstanden
eine 53 Mörike-Lieder, ein Eichendorff-Zyklus u. a. Die
figenart Wolfs als Liederkomponist besteht darin, daß er —
ihnlich wie es Wagner mit der Oper getan hatte — ein.
seines „Gesamtkunstwerk“ aus dem Liede machte. Die
Klavierbegleitung behandelte er „symphonisch“, stellte sie
als gleichberechtigt neben die Singstimme, deren Melodie
n engstem Anschluß an die Deklamation geformt ist.
Weniger Glück hätte Wolf mit seiner heitern Oper „Der
Torregidor“, die 1897 in Mannheim uraufgeführt wurde.
WVolf war kein Dramatiker, aber dennoch wird die Oper
miner wieder hervorgebolt. weil ihre Lyrif von bezaubern—
S6nsRoit i

Ausbildung der Chormeifter.

Das preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und
Volksbildung in Berlin hat für dieses Jahr vier stagtliche
Thormeisterkurse in den Provinzen bewilligt. Sie finden
zu gleicher Zeit in der Woche vom 16. bis 21. April 1928
n den Städien, Erfurt, Frankfurt a. M., Kiel und Königs
herg statt.

Ungarn sammelt seine Volkslieder.

Zum Zwecke der Pflege altungarischer Musik hat sich ein
Landesverein der Freunde ungarischer Nationalmusik“ ge—
ildet. Das Gründungskonzert fand am 20. Januar in der
Budapefter Musikhochschule statt. Die alten Volkslieder,
die im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit zu ge—
aten drohen, sollen fortan durch Aufführungen und Fach—
chulen im Bewußtsein des Volkes erhalten werden. 50
ihnlich organisierte Gesellschaften in der, Provinz wurden
jegrüüdet. Der Begründer der Gesellschaft Dr. J. v.
Zzilagy, hat in jahrelanger Arbeit diese Bewegung vor—
Fereitet und durch ständige Propaganda wachgehalten.
Zeitschrißft für Musik.

Monatsschrift für eine geistige Erneuerung der deutschen
Muͤsik. Hauptschriftleiter: Dẽ. Alfred Heuß. Stein-—
räber-Verlag, Leipzig. Märzheft 1928. Heftpreis
,50 RM., Abonnementspreis vierteljährlich 4 RM. Seine
zesondere Bedeutung bekommt das Märzheft durch einige
vichtigen Erziehungsaufsätze. Der, so lange die Musik be—
teht, immer wieder aufgeworfenen Frage „Wer ist musi⸗
arische“ rückt der Hauptschriftleiter mit einer analytischen
Intersuchung zu Leibe, die überzeugend darlegt, daß eine
solle Musikaͤlität in dem Ergebnis einer ganzen Reihe von
xinzelfaktoren bestehe Erzieherisches über Gehör—
ildung aus dem Erfahrungsschatz einer über 20jährigen
dätigkeit bringt Studienrat Heinrich Werle im Anschluß
in äinen früheren Aufsatz von Dr. Fritz Reuter. Ueber
zen schönen Geigentön plaudert anregend A. Usthal
ind giöt zugleich allen Violinspielern ausführliche, überaus
rützliche Ratschläge, wie man sich beim Kauf einer Geige
u 'verhalten habe. Diesen Aufsatßz muß ein jeder Violine
pieler gelesen haben, so er sich vor Schaden bewahremn
dilff. —,Daß Verdi eine Oper „Macbeth“ geschrieben
sat, wissen heute nur noch wenige. Jedem wird daher
billkommen fein, in einem Aufsatz von Dr. Göhler, der
ieses eminente Werk für die deutsche Bühnenpraris über⸗
etzt hat, näheres darüber zu erfahren. Ein weiterer künst—
erischer Aufsatz, er stammt von Dr. Paul Mies, bietet
ich Uber Heinrich Lemacher, dem zeitgenössischen
heinischen Komponisten, von dem das Heft auch einen un—
emein frischen Hymnus für Violine und Klavier als
Nusikbeilage bringt. Beherzigenswertes schreibt ferner
—36onn vher den 6ultfturwoöort der Kon—
            
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