Full text : 6.1928-1929 (0006)

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AAlsttennn, Scaar⸗Sänger⸗-Bund IIHPu

ume, Seite 157

durch Ferdinand Löwe, die C-Dur-Sinfonie durch Wein—
gartner, die Quartette durch die unvergleichlichen Böhmen
uind andere vernahm, als mir die zahlreichen LSiederabende
Barben seiner Lyrik offenbarten uünd dies in einer Art,
daß man mitsingen mußte: Das Blühen will nicht enden!
Meine Heimat war 1889 Obernzell geworden, der freund—
liche Markt zwishen Passau und Linz, an der Grenze
unserer Länder. Und es war ganz natuͤrlich, daß mir die
besten Freunde nicht aus dem Düster des Bayerischen
Waldes, sondern aus dem wein- und liederfrohen Ober—
zosterreich zuwuchsen.
O, wie sonnig liegt diese schöne Welt vor meiner Er—
nnerung — wie singt und klingt es in ihr noch heute
von Freundschaft und Liebe, von Wassern und Wäldern,
pon Bergen, und Burgen — wie glückselig habe ich, der
geborene Altbayer, mit Linzer Feriengenossen auf Wan—
derungen und in Weinlauben aus übervollem Herzen ge—
sungen: O, du mein Oesterreich, du bist mein Vaterlaud!
Nicht etwa, weil meines Vaters Mutter eine Oesterreicherin
war, sondern weil mich hier das stärkste Heimatgefühl be—
herrschte, das ich je empfunden habe. Und wie ich heute
mit anperautcu Haar dies Gefühl nachprüfe, so weiß
ich, daß das Musikglische daraus nicht wegzudenken ist.
Denn in das Herz dieses herrlichen deutschen Liedes und
aus ihm zurück fließen alle sene Quellen eines musikverbun—
denen Volkstumes, aus dem in nie wiederholter Synthese
Franz Schubert als der musikalische Niederschlag und
Begriff Altösterreichs gebodren wurde. Nicht nur seine
dieder und Tänze, auch seine Quartette und Sinfonien
klingen und singen nur ein einzig Wörtchen: O du mein
Desterreich!
Ein längerer Aufenthalt in Wien während meiner
Studienjahre an der Münchner Akademie führte mich an
alle Stätten großer Tonkunst. So auch in die Bibliothek
der Gesellschaft der Musikfreunde, zu Manuskripten Beet—
hovens, Schuberts. Es waren herrliche Maientage — kein
Gedanke an Zukunft, keine Sorge — nur eine einzige
lebenerfüllte Gegenwart! Die Zeit stand unter dem Zeichen
Richard Wagners. Wie ein Usurpator hielt die Kraft seines
Genius alles in Schach, prägte der Eindruck seiner dra—
matisch musikalischen Wucht besonders das musikalische
LdLeben Münchens. Er wurde geradezu zum Wertmaßstab
gegenüber allen Meistern. Dies zeigte sich auch in der
zeginnenden Wertschätzung und Werbetätigkeit für Hugo
Wolf, welcher Bewegung ich mich begeistert angeschlossen
habe; es schien so und wurde immer so erklärt, als wäre
dugo Wolf der neue Franz Schubert und nicht wenige
schätzten ihn sogar höher; zu diesen gehörte ich nicht und
heute schon gar nicht mehr. Jene Zeit eignete sich mit
dem Kunstprinzip Wagners eine gewisse Geringschätzung
des Musikantischen an; man rückte ab vom „Spielmann“,
büßte dadurch viel von jenem echten, musikalischen Idiom
ein, das dem Verständnisse aller entgegenkam, Fürsten
und Bettlern gemeinsam war und auch nöoch in den letzten
Werken des weltentrückten Beethovens hörbar blieb, Die
Musik geriet in literarische Verbindungen, verstrickte sich
in die Netze einer intellektuellen Kritik, verlor vielfach
den Grundzug aller echten Kunst, die schöne Einfalt und
ene Naivität, die auch größten Meistern zu eigen geblieben
sst. Ein musikfremdes Etwas, das Absichtliche trat zu
sehr hervor und überwürzte die Gerichte, die aber heute
noch unberührt bleiben, sobald man Franz Schubert auf—
trägt. Dies ward ich auch inne anläßlich einer Einladung

dei Kammersänger Raoul Walter im Sommer 98 in
Tutzing am Starnberger See; zu Besuch war sein Vater:
Hustav Walter, Wiens großer Liedersänger. Raoul sang
einige Lieder von Wols und Strauß. Nach inständigen
Bitten aller *8 fich dann auch der Vater. Ich werde
einen gesammelten, alle Heiterkeit schon in der Art, wie
er sich erhob, bannenden Ernst nie vergessen. Noch
vpeniger den erhabenen Vortrag der Schubertlieder: „Am
Meer“, „O du Entrissene mir — sei mir gegrüßt!“ Noch
Jahre lang verglich ich große Erscheinungen des Konzert—
aales mit ihm — und immer noch zu seinem Vorteil—
Da kam der Krieg; führte mich nach Ost und West und
zrachte auch mir musikärmste Jahre. Infanteriestellungen
ind kein Bereich für Musik, und Schuberts Vitalität führt
u Minerva, nicht, zu Mars; aber Goethes Faust und, Bachs
sunst der Fuge begleiteten mich allerwegs und befreiten
»om Druck der Zeit den im übrigen begeisterten Soldaten.
Aber wie seltsam bewegte, fesselte mich der Anblick von
Bßlättern aus der „Wandererfantasie“, mit welchen durch
Fliegerbomben geborstene Fenster eines Hauses in Skiernie—
viee belebt waren; sie zauberten, täuschten mir jene
aindere Welt vor, die mir verschüttet schien.
Im Mai 1918, da schon das Unheil unsere Hoffnungen
—86 führte mich ein Urlaub aus einem trostlosen
dampfgelände Nordfrankreichs nach München. „In der
deimat, in der Heimat, da gibts ein Wiedersehen.“ Wie
sanal erschien dem Ausmarschierenden diese Weise — wie
ieb und traut dem Heimkehrenden beim Willkomm durch
Frau und Kind, bei der Begegnung mit Freunden, beim
Anblick der Straßen und Plätze der längst zur zweiten
deimat gewordenen Stadt. Dr. Thurneyssen, den erlesenen
dunstfreund und Besitzer bedeutender Werke der bildenden
Kunst — auch ihn sah ich wieder — und ich kam ihm ge—
rade recht; denn es war ihm der Kauf eines Quartett—
Manuskriptes von Franz Schubert nahe gelegt worden,
das eine in der Nähe von Salzburg lebende Frau Feyrer
auf ihrem Speicher aufgefunden hatte, aber natürlich nicht
aus der Hand geben wollte. Das sollte ich auf Echtheit
und Wert prüfen und tat es sofort. Als Hauptmann
konnte ich vohne zeitraubende Formalitäten Salzburg be—
suchen, das utetge bekommen und prüfen. Mit welcher
Freude habe ich das getan. Es war ein echter Schubert,
echt auch die Handschrift. Ein Quartett für Flöte, Viola,
Cello und Guitarre. Also eine Serenade.
Aus dem Kauf konnte jedoch nichts werden. Die Besitzerin
— eine einfache Frau — hatte damals 20 000 Kronen
zefordert. Aber in der Zeitschrift der deutschen Musik—
vissenschaft habe ich — der Anregung des Schriftleiters
Dr. Alfred Einstein folgend — das poesievolle Werk ein—
gehend behandelt; später ist es auch erschienen und es
ngen mir mehrfach Meldungen von Aufführungen zu—
Fenen Ausblick ins gelobte Land von Kunst und Frieden
Jlich alsbald die Rückkehr zur Front aus. Die Kemmel—
zffensive war vorüber, die Lage verhältnismäßig ruhig,
und ein schöner Sommer erheiterte die häßlichen Kampf—
gebiete um Armentieres. Aber täglich Verwundete in
Fuhren zum Lazarett, Tote zum Friedhof in Begaucamp.
die Berührung mit dem Schubert'schen Manuskript war
doch zu innig gewesen, als daß ihre Nachwirkung nicht auch
in der Umwelt des Krieges standgehalten hätte, Dazu die
eelische Pein täglicher Eindrücke von PDaen ei und
Menschennot. Ich mußte schreiben. Begann meine Violin—
sonate und fertigte 2 Sätze; ein hestiger Feuerüberfall

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auch Jugendliche dürfen inn
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unbedenkdliech lederzeit trinken
            
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