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ss1 Saar⸗Sänger⸗Bund I“
—V
mit der Siegfriedsage kühn verwoben hat. Lanta, ein
Augsburger Bischof, hat es beim Mainzer Ersbischof durch—
zesetzt, daß die Gebeine des heiligen Magnus in die neu—
erbaute Mangenkirche gebracht worden. Der Tag der Bei—
setzung wird zu einem gewaltigen Volksfest. Vergebens
sucht der Bischof nach Auszeichnungen über das Leben und
Wirken des Heiligen. Im Volksmund leben wohl einige
Legenden, aber das Volk ist verschlossen. Nur ein fah—
render Sänger weiß von Magnus zu erzählen, doch auch
er ist ein scheuer Geselle, nur unter Jägern und anderem
Volke läßt er seine Harfe klingen. Am Abend des Fest—
tages erscheint er aber unter den Zechenden, und nun er—
steht vor den Augen der Zuhörer, St. Magnus der Riese,
der Siegfried, Drachentöter und Bärenbezwinger. Alle
Gefahren besteht er mit Gottes Hilfe; sein Fuß ist schneller
vie der Wind, seine Kraft ist unermeßlich, Urwild ge—
horcht ihm wie ein Hund, Dämonen und Hexen müssen
ihm weichen, er rodet Urwälder mit einem Riesenpfluge
aus Drochenknochen. Er befreit Alamannen von Räubern,
Lindwürmern und Ungeziefer. Sein Name lebt in den
ee und Wäldern, und beim schwelenden Feuer er—
zählen sich die Jäger von dem größten aller Jäger, dem
— Siegfried des Allgäus!
In der Novelle Die Braut des Alexius begegnen
wir einem bayrischen Staatsbeamten, einem wesentlichen
Menschen voll Schaffensdrang und religiöser Inbrunst, mit
kindlich heiterer Seele, aber zugleich ganz Gesellschafts—
mensch, ein Schwärmer für schöne Frauen. So lernte er
die Tochter eines höheren Beamten kennen und lieben.
Innerlich beschäftigt mit einem Buch zur Verbesserung der
Besetze, mit Problemen menschlicher Beglückung, erkennt
—A—
sich in die Einsamkeit eines Allgäuwinkels zurück. Fein—
geschliffene Erzählungen aus dem Bauernleben sind es,
die uns der Dichter 1927 in seinem reizvollen Buch Am
Eichentisch darbietet. So in der ersten „Marienseele“
die aufopfernde Liebe einer treusorgenden Mutter für ihren
Lieblingssohn, der aber, da er sich dem Studium ganz
hingegeben, kein Auge dafür hat. Erst als er in Amt
und Würde ist, und schon selbst Familie besitzt, erfaßt ihn
das Heimweh nach der Mutter. Die Geschwister rufen ihn
an ihr Krankenbett, aber sein Erscheinen kann keine Freude
mehr auf die Sterbende ausüben, da ihre Gedanken nur
noch auf das Jenseits und auf eine würdige Vorbereitung
für den nahen Tod gerichtet sind. Ergreifend ist die
seelenvolle Novelle „Des Vaters Hände“, erschütternd „Der
Paradieseshof“, der uns die Anhänglichkeit eines Bauern
ain seine Scholle zeigt und die dunklen Wege, die er um
ihretwillen geht.
Mit seinem zuletzt erschienenen zweibändigen Roman
Die Schmach des Kreuzes führt Peter Dörfler eine
Renaissanee des historischen Romans herauf. Kaleidoskop—
artig reihen sich die farbenreichen Szenen zu einem packen—
den, grandiosen Bild der byhzantinischen Geschichte des
siebten nachchristlichen Jahrhunderts, ein wahres Helden—
epos größten Stils! Heraklius hat es sich zur Aufgabe
zgemacht, das von den Persern aus Jerusalem geraubte
heilige Kreuz Christi zurückzugewinnen. Nach langen, mühe—
hollen Kämpfen, in denen fast alle seine besten Kämpfer
und Freunde fallen, er aber immer wieder unüberwind—
ich aus allen Schlachten hervorgeht, trotzdem er immer
an der Spitze kämpft, gelingt es, ihm, die Perser zu be—
siegen und das heilige Kreuz zurückzugewinnen. Aus dem
Hdolz der Schmach soll nun ein Holz der Ehre werden.
deraklius, der von allen als Triumphator und Retter
zesungen wird, will nun auch noch die hassenden Brüder,
die Christen in einem Reiche Gottes vereinigen. Ein Krieg
ist zu Ende, ein größerer geht weiter. Heraklius kann
nicht mit hinausziehen. Eine alte Wunde macht ihn schwach.
Kein Feldherr ist imstande, diesen Helden zu ersetzen. Schlacht
uuf Schlacht wird verloren. Heraklius geht darüber zu—
zrunde: Sein Leben lang hat er alles für das heilige Kreuz
zjetan, und als er es erhob, daß es triumphierend über
zder Welt stand und er seine ganze Kraft hineingestrahlt
zatte in dessen Glanz, warf es ihn in den Staub. Das
onnte er nicht verstehen. Noch kurz bevor sein vielver
vundetes Herz brach, sprach er darüber mit seiner Ge—
nahlin Martina, die immer sein reiner Schutzgeist ge—
vesen war. Diese versuchte ihm zu erklären, daß die
Menschen immer geglaubt hätten, das Kreuz durch Siege
ind tapfere Taten zur Auferstehung zu bringen und zum
zeichen ewiger Feste und ewigen Friedens machen zu
önnen, daß sie selbst aber nun erkannt hätte, daß das
vahre Kreuz ein Zeichen des Kampfes, des Leidens, des
IRpferns, der Schmäch und der Last sei, und daß wir es
ragen müssen, das harte, schwere, blütige Kreuz, das uns
tuf Erden ein Ostern nur als Gedenkfeier und Sinnbild
seiern läßt. —
Wenn wir das Lebenswerk des Fünfzigjäh
zigen überschauen, das wir hier in wesentlichen Aus—
chnitten vorgeführt haben, werden wir uns des Staunens
iber all die Fülle, den schier unversieglichen Reichtum
einer köstlichen Kunst des Fabulierens nicht verschließen
önnen. Wie ein Eichbaum die Wurzeln tief im Heimat—
»oden verkrallt und mit den Wipfeln die Wolken und
»en Himmel grüßt, ist auch Dörflers Menschentum und
Ddichtung fest in der Heimatscholle verankert, greift aber
zjöherer Bestimmung bewußt in stolzem, frohem Optimismus
n die Sterne. Es ist beglückend, einmal wieder einem
Dichter lauschen zu dürfen, der über dem großen Problem,
ich selbst in Gott zu vollenden, all die kleinen „Problem—
hen“, die unsere Dichter von heute vielfach nervös zer—
asern, übersieht, alle die kleinen, zu großen Seelenkon—
likten aufgebauschten Nichtigkeiten des Alltags. Einen
dichter, der nichts von „Routine“ weiß, von jener rasch
n billige Münze umzusetzenden literarischen Geschäftigkeit
inserer Tage. Einen Dichter, der sich vom Höchsten zum
hzöchsten berufen fühlt. Mit Dörfler schreiten wir durch
estliches Land. Es lohnt sich schon, auch für den modernen
Menschen, mit ihm zu gehen. Mögen recht viele der Ein—
ladung folgen, seine Bücher verdienen einen Ehrenplatz
in unsern Bibliotheken, der Eigenbücherei, den Buchsamm—
ungen der Schulen, Gemeinden, Vereine! Fleißige, be—
Vehe Lektüre ist die beste Ehrung für den vDichter
uübilar!
Man kann den Verlag Josef Kösel und
Friedrich VBustet in München zu diesem Dichter
»eglückwünschen. Man muß — will man gerecht sein —
aber auch den Dichter zu diesem Verlagshaus beglück—
vünschen, das so viel Liebe, Hingebung und verlegerische
uind buchtechnisches Können an seine Werke gesetzt hat.
Ddas reizende, mit Werkproben versehene Verzeichnis der
dörflerschen Bücher, ganz besonders aber der gediegene,
sein illustrierte Almanach zum 50. Geburtstag des Dichters
nit Beiträgen anerkannter Autoren über den Jubilar be—
zeugen, daß der Verlag sich der Bedeutsamkeit seiner
Mission bewußt ist. Walther Stein.
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