Full text : 6.1928-1929 (0006)

—AI

SEaar⸗Sänger⸗Bund ll

Seite 139

von seinem schwärmerischen Vater überkommene Hoffnun—
auf, einen reichen ungarischen Oheim nährt, ———
hegibt er sich auf die Suche nach diesem Glücksbringevr.
Aber in der Fremde findet er sein Glück nicht. Er ,
in die Heimat zurück, wo der teuflische Knecht bei der
Mißhandlung seines Bruders ermordet wird. Christoph
kommt zunächst als Roßbuh auf den Michelshof, das ehe—
malige Besitztum seines Vaters, und des Pfarrers Be—
reuung führt ihn zur Arbeit, zur Wirklichkeit, zu sich
elbst zurück.
Ins Große gesteigert exscheint Dörflers poetische Ge—
taltungsktraft in seinem 1920 in erster, 1926 in zweiter
Fassung erschienenen philosophischen Roman Neue
Bötter, der den Zusammenbruch der in Skepsis ver—
sinkenden Antike vor dem aufstrebenden Christentum ins
Licht rückt, ein kühn geschautes und gezeichnetes Kultur—
zild! Der Roman ist getragen von der Sehnsucht der
Menschheit nach Unsterblichkeit und nach dem wahren Gott.
Die Sophisten Herodes in Athen und Polemo in Smyrna
lüben durch die Macht ee Wissens und die Kraft der
Beredsamkeit einen ungeheuren Einfluß auf ihre Mitwelt
aus. Gerade die Höhe, auf der sie stehen, weckt und nährt
n ihnen die unbezwingbare Sehnsucht, ihrem Sein Dauer
zu verleihen, in Ewigkeit so fortleben zu können. Sie sind
beherrscht von der Frage: Bin ich in meinen Werken
unsterblich? Ihr Stolz erleidet Schiffbruch an ihrer
rdischen Natur, die wie die jedes Sterblichen Krankheit,
Unglücksfällen, Alter und Tod verfallen ist. Neben ihnen
steht Athenagoras, der die Hohlheit der heidnischen Götter
und die eigene Unzulänglichkeit erkennt und durch ver—
schiedene Erlebnisse in tiefster Demut den wahren Gott
findet und Christ wird. Eine der sympathischsten Gestalten
des Romans ist die junge Christin Psyche, die Reichtum
und Wert des Christentums durch die Beweise ihrer alle
und alles umfassenden Liebe zeigt. Treffend gezeichnet jst
Peregrin, der Verneiner, prächtvoll ist die wundervolle
Bestalt des Bischofs Polycarp. Anschaulich geschildert sind
die olympischen Spiele, die Pracht der Feste, erschütternd
das fürchtbare Erdbeben, dem Smyrna zum Opfer fällt.
Peter Dörfler offenbart sich auch in seiner Erzählung
Stumme Sünde als feiner Psychologe. Er schildert
uns den furchtbaren inneren Kampf eines Schäfers, der
im Grunde ein guter Mensch ist, sich aber einmal, von
dunklen Maͤchten getrieben, schwer vergangen hat und nun
von seinem anklagenden Gewissen verfolgt wird. Da er,
der Einsame und 3— keinen Menschen hatte, dem
er sich hätte anvertrauen können, trug er seine drückende
Schuld aäallein. Er glaubte in der Ferne, in einer ganz
anderen Umgebung Ruhe zu finden. Darum verließ er
die Heimat und waͤnderté zerknirscht, die Menschen meidend,
in's Unbestimmte — sein quälendes Gewissen mit ihm.
Sein geradezu krankhafter Zustand besserte sich ez dann
etwas, als ihn die Arbeit als Schäfer wieder in Anspruch
nahm. Mit der Zeit begann sich aber seine innere Stimme
vieder lauter zu regen. Er versuchte sie in schlechter Ge—
sellschaft im Alkoholgenuß zu übertönen. Umsonst, in der
Einsamkeit redete sie um so lauter. Er hoffte durch die
Beichte Erleichterung zu finden, aber er ließ das Furcht—
hare unausgesprochen. Ihm graute vor seinen eigenen
Worten, die bas Schmudige über seine, Lippen bringen
oflten. Aus dem gleichen Motiv heraus ließ er die bevor—
ehende Ehe mit einem ehrbaren Weibe, das ihn durch
diesen Schritt vom Abgrunde retten wollte, wieder aus—
einander gehen. Selbst in seiner Sterbestunde konnte er

dem deicswader sein quälendes Geheimnis nicht anver—
crauen. ie Worte erstarben ihm auf den Lippen. Erst
der 83 Tod brachte dem Armen, innerlich zermürbten
Menschen den langersehnten Frieden.
Alte Bauernweisheit „Der ungerechte Heller frißt durch
ieben eiserne Teller“ soll durch den packenden Roman
der ungerechte Heller lebendig werden. Die im
Bau stehende Mühle am Bach ist nicht gesegnet, denn eine
anrechte ene hat I und Unglüuck über die ganze
Familie des Müllers gebracht. Bei einem Hochwasser wird
sie von den reißenden Wogen weggerissen. So verliert
der Müller sein ere und das geliehene Geld der Fa—
nilie Rathgeber. urch sein Unglück fast wahnsinnig ge—
vorden, zundet der Müller sein Anwesen an und macht
sich und seiner Tochter Fränze heimatlos. Aegid Rathgeber,
der Sohn des ebenfalls Betroffenen, will seiner heimlich
zeliebten Fränze wieder eine Heimat geben. So errichtet
er mit den Mitteln seiner mütterlichen in der
fluchbeladenen Wasenmeisterin, eine neue ühle.. Aegid
und erze werden nun die Stammeltern eines neuen,
»om Fluche befreiten Geschlechtes.
In seiner 1923 erschienenen Erzählung Die Papst-—E
 durch Schwaben spiegelt sich des Dichters
morme Begabung in der poetischen Gestaltung großer
Stoffe. Gewaltig rüstet Augsburg zum Empfang des
heiligen Pius, der auf seiner Reise durch Deutschlaud das
Z„chwabenland nicht vergißt. Poeten schmieden Verse, Rhe—
woren Reden, Stecher machen Kupfer und die Architekten
— Die Volksmasse wird getrieben von der
Neugierde, den Papst zu en andere treibt die Sehnsucht
nach den Festlichkeiten und wieder andere wollen erlöst
ein, von körperlichen und seelischen Gebrechen. Anudd
st im Festkleid, uüund die Glocken verkünden die Ankunft
des hetiligen Pius. Das Volk harrt Stunde auf Stunde.
Ddie Gebete kommen nur noch aus kleinmütigen,“ ernüch—
zerten Herzen. Aengstliche Seelen blicken mit Sorge nach
er tiefgeneigten, bereits den Himmel vergoldenden Sonne.
Flötzlich Kanonenschüsse und Fanfarenklänge! Der Papst
ommt im herrlichen — gekleidet in Hermelin
und Purpur! Er segnet die Menschenmenge, deren Blicke
sttaunend und erwartungsvoll an ihm hängen. Sein Herz
st warm und hochgestimmt. In dem Papst gestaltet sich
ein gewaltiges Bild seines Augsburger Besuches, von der
Zchönheit der vom Frühling wie kin alter, Baum mit
ßlüten überstreuten Stadt, dem rührend großartigen An—
drang des Volkes, der ehrfürchtig ergebenen Haltung seiner
Führer und der einträchtigen, durch keinen, Mißton ge—
rten Mitfeier aller Staäͤnde und Bekenntnisse. So singt
der Papft noch einmal sein: Adjutorium nostrum in
romine domini, und sein Segen wurde zur Bewegung
chmerzlich abschtednehmender Hande. Kaspar Bonenberger,
ꝛin Einsiedler aus einem Allgäuer Dörschen, der sich be—
rufen fühlte, wie Prophet Jonas, dem Papste die Wahr—
hseit zu sagen und ihn zu apostolischer Einfachheit zu er—
nahnen, wurde vom brennenden Heimweh ergriffen und
zilte zurück in die Berge. Balthasar, der abenteuerliche
Ztudent, sah den Papst' in seiner Macht und Herrlichkeit
und wurde sogar von dem Gefolge des Papstes eingeladen,
nach Rom zu gehen und dort Pnd Studien fortzusetzen.
And Stanes, der vom bösen Geist, der Trudd, alltäglich
geplagt war, wurde erlöst: der heilige Vater hatt alle
zöfen Geister auf dem Lechfelde gebannt. Köstlich schildert
ins Peter Dörfter eine alamanische Mär „Siegfried
m Aulsgäu“, in der Volksglaube die St. Mang-Legende

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erstens: coffeinfrei
zweitens: ganz vorzuügslienh
            
Waiting...

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