Full text : 6.1928-1929 (0006)

Nr. 6

Saar⸗Sänger⸗Bund sIsunnen

Seite 135

harmonischen Chor, der heute mit 400 Sängern an der Spitze
zer Berliner Musikvereine steht und pflegte neben Bach,
Beethoven, Bruckner, Hugo Wolff, Liszt ünd Brahms in
fortschrittlichem Geiste auch neue Kunst durch zahlreiche Erst—
rufführungen, die unter seinem Stabe zu Ereignissen wurden.
Als Komponist ist er mit der komischen Oper Im Namen
des Gesetzes“, vielen Liedern, Duetten, Kanons und Klavier—
stücken hervorgetreten, als Schriftsteller mit einer auch
bon uns besprochenen, bei Grethlein & Co. in Leipzig
erschienenen, überaus interessanten Selbstbiographie. Wir
sind dem Meister außerordentlich dankbar für nachfolgendes,
an unsere Schriftleitung gerichtetes Schreiben:
„Daß ich geboren bin, scheint mir festzustehen, das Datum
st ziemlich gleichgültig; ich will nur bemerken, daß ich
den Tag 70 Jahre nach dem Ereignis meines Erscheinens
n der Welt kürzlich gefeiert habe. Im übrigen geht es
mir ganz gut, und die Beschäftigungen, denen ich mich
'ast seit einem halben Jahrhundert hingegeben habe, sind

iberhaupt, nicht gibt. Die besten Werke der Musikliteratur
zringen die Gemischten Chöre; diese aber fangen an, durch
elbstgefällige Energielosigkeit mehr und mehr herunter—
‚zukommen. Sind die Männerchöre zum Teil in ihrer Lite—
ratur erstarrt, so werden die Gemischten Chöre, wenn es
o weitergeht, das gleiche erleben, weil sie sich nicht genug
inspannen. Hier liegt der Fehler hauptsächlich daran, daß
vir keine eigentlichen Chordirigenten besitzen. Die meisten
derren, die das Amt eines Chorleiters übernommen haben,
ind verkrachte Sänger, Pianisten, Geiger usw., die nun
neinen, für das Eindrillen der vier Chorstimmen genüge
hr geringes Können immer noch. Es gibt in Deutschland
eine zehn Gemischten Chöre, in denen annähernd so stu—
diert wird, wie z. B. in Bayreuth für jede Vorstellung
»der bei Mengelberg in Amsterdam für seine Konzerte.
Von mir selbst erzählen, macht mir keinen Spaß. Ich
iüberlasse es gern bestimmten Kollegen, daß sie nach jedem
Hrer auswärtigen Konzerte Jubeldepeschen senden, auch

Wilhelm Furtwängler.

Felix Weingartner.

nir gar nicht übel bekommen. Diese bestehen vor allem
in der Durchführung einer strengen künstlerischen Disziplin
in Chor, in der Sorge für die Aufführung Bach'scher und
auch ganz neuzeitlicher Werke und schließlich in einem
teten Kampf gegen die sogenannte Tradition, die ich mit
dem von mir dafür eingeführten Wort „Schlamperei“ be—
zeichne. Mein Standpunkt in chorischer Beziehung hat
nir“ viel Feinde geschaffen, was mir großes Vergnügen
nacht, Er kennzelchnet sich in wenigen Worten damit:
Am besten studiert wird, wenn wir die Zahl der Vereine
ns Auge fafsen, im allgemeinen in den Männerchören.
Aber was sie singen, ist meistens minderwertig und das
rüs dem Grunde weil es eine Literatur ersten Ranges

venn die Aufführung ein deier Mißerfolg gewesen ist.
A die Leute von mir sa ten und denken, was sie
wolnlen. Ich kann nur nach bestem Können arbeiten und
„sterbe als Soldat und bräav“.
Mit den bdesten Wünschen für Sie alle dort an der so
gefährdeten Grenze!“

Ceo Blech.

Der berühmte Kapellmeister am Staatlichen Opernhaus
n Berlin, Musikdirektor Leo Blech, hatte die Liebens—
vürdigkeit, der Schriftleitung unserer Bundeszeitschrift sein
ier wiedergegebenes Bild zur Verfügung zu stellen. Ge—
Zren am 21 Aprilt 1871 zu Aachen, war Leo Blech erst
            
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