Feite 1834 Uhn
ul Saar⸗Sänger⸗Vund IIlhbbir
A Nr. 6
Meister Dirigenten.
Der Bundesvorstand des Saar-Sänger-Bundes will mit
seiner Organisations- und Verwaltungstätigkeit im
letzten Grunde nur den Rahmen schaffen für eine deutsche,
echt volkstümliche Kunstpflege. Er weiß durch—
aus, daß das Schicksal des Bundes nicht bei ihm liegt,
sondern bei den Chormeistern, die in unermüdlicher,
zielbewußter Arbeit in den Herzen unserer Sänger Ver—
ständnis und Liebe wecken für das deutsche Lied. Und die so
in bestem Sinne als Volkserzieher ihre Kraft einsetzen
für die Veredelung unseres deutschen Volkes. Alle aber
unter ihnen, die sich behelfen mit Wissen und Können,
das sie einst — vielleicht vor Jahrzehnten — auf irgend
einer Bildungsanstalt erlangten, sind dieses Titels nicht
wert, alle die Längstfertigen, die der Weiterbildung nicht
mehr zu bedürfen vermeinen, die nicht wissen, daß des
i rtrat⸗Büste
Siegfried Ochs. ——— — 2
dernens kein Ende ist, die von der Wahrheit des Dichter—
vortes nicht durchdrungen sind, daß man Besitz täglich
neu erwerben muß. Hohl- und Strohköpfe, die sich mit
dem billigen Lob ihrer eigenen Sänger begnügen und sich
ingstlich an Wertungssingen und Chormeisterkursen vor—
deidrücken, damit der Nimbus ihrer Unfeh Barteit bei den
Sängern nur gar nicht verloren geht! Statt zu hören
und immer wieder zu hören und zu lernen, statt die Sänger,
die ihm ihr Vertrauen schenkten, in jeder Probe tiefer
in der Welt des Großen und Schönen heimisch zu machen.
Allmählig gehen ja unsern Sängern die Augen auf, so
daß sie — zu erkennen vermögen, ob die Bildungs- und
Erziehungsarbeit ihres Chormeisters an ihnen eine bedeut—
'ame, eine heilige Angelegenheit ist.
Es wird verständlich, daß deshalb alle Bemühungen
des Bundes auf Werterhöhung seiner Chor—
meister gerichtet ist und gerichtet sein müssen. Daher die
Fülle belehrender, oft recht instruktiver Aufsätze in unserer
Bundeszeitschrift, daher die Wertungssingen, Chormeister—
urse und Dirigententagungen, daher die Begründung der
Bundesbücherei, die einen Einblick in die gesamte wert—
dolle Männerchorliteratur ermöglicht und die Anschaffung
zon Nichtigkeiten oder gar Minderwertigkeiten hindern
soll! Vereine, deren Chormeister von all diesen Bildungs—
zgelegenheiten Gebrauch machen, werden sicher die törichten
Fwigunbelehrbaren bald meilenweit hinter sich
sassen und durch Beglückung anderer selbst beglückt sein!
Nichts begegnet falscher Selbsteinschätzung besser und ein—
dringlicher als das Wissen von dem, was wirklich groß
Leo Blech.
ist. So hat sich die Schriftleitung unserer Bundeszeitschrift
einmal an eine Reihe deutscher Meisterdirigenten
mit der Bitte gewandt, sie in unseren Spalten einmal im
Bilde vorführen und von ihnen erzählen zu dürfen.
Anläßlich seines 70. Geburtstages gedachten wir jüngst
in einem Festaufsatz des Direktors des Philharmonischen
Chors in Berlin, Professors
Siegfried Ochs.
geboren am 19. April 1858 zu Frankfurt a. M. Nach Auf—
ahe seines Studiums der Chemie an der Universität Heidel—
erg, widmete sich Siegfried Ochs auf der Kgl. Fochschule in
Berlin und privat der Musik. begründete 1882 den Phil—
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