Nr. 1
SEaar⸗-Sänger⸗Bund
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Solostimme ist im Chorsatz in glücklichster Weise fortge
sponnen. Wie durch silbernes Mondlicht traumhaft ver—
chleierte Erde wirkt die Vielstimmigkeit. Außerordentlich
geschickt sind charakteristische Melodiewendungen im Männer—
horsatz wieder verwendet, wodurch eine künstlerische Ver—
schmelzung mit der Solostimme zu vollendeter Einheit her—
beigeführt wird. Nr. 4. Romanze aus „Rosa—
muünnde“. Durch das Heranziehen des Männerchors hat
das Romantische des Liedes eine bedeutende Förderung
erfahren, weil dem Chor eine stark ausmalende Rolle zu—
gewiesen ist. Dabei ist die künstlerische Wirkung eines
Zwiegesprächs erreicht. Die chorische Untermalung erweckt
den Anschein, als ob der tote Geliebte auf die innige Liebes—
klage der Lebenden noch einmal tröstend antwortete. Bei
der Stelle „Sie trat herein —“ wird der melodieführende
erste Baß wundervoll von den „himmelwärts“ steigenden
zarten Tenören eingesponnen. Von besonderem Kläang—
zauber beseelt ist das mit verklärtem Ausdruck vorgetragene
Soprausolo: Im Tode dein. Moldenhauer läßt hier den
Schlußfon nahezu zwei volle Takte aushalten, die Treue
bis über den Tod hinaus illustrierend, während der Männer—
hor tiefergriffen von solcher Liebesgewalt die Tatsache
kündet, daß Herz an Herz brach. Nr. 5: Der Tod und
das Mädchen. Die inbrünstig bittende Abwehr des
Mädchens ist selbstverständlich der Solostimme vorbehalten
geblieben. Die Worte des Todes mit ihrer milden Zart—
heit sind dem Männerchor anvertraut. So wird das dich—
terische Erlebnis vergrößert, das schicksalhafte Moment um
ein Bedeutendes gesteigert. Ne. 66 Dem Unendlichen.
Die hymnenartigen Lob- und Dankworte wirken wie die
Verzückungen eines geistlichen Vorbeters, eines Psalmisten,
der für die ganze Menschheit spricht. Später erst setzt die
nitgerissene Gemeinde — der Männerchor — ein, ganz
entflammt von der jubelnden Stimme, die über ihr schwingt.
Thor und Solodstimme begeistern sich gegenseitig. Immer
nbrünstiger wird der Eifer, von dem die einander drän—
genden Einsätze Zeugnis geben, und der in einer gewal—
igen Steigerung gipfelt, die ihren Höhepunkt in dem mit
bereinter brausender Kraft herausgeschleuderten Jubelruf
indet: Gott ist es, den ihr preist. Die Verbindung der
Finzelstimme mit der choriftischen Einkleidung vertieft hier
den dythirambischen Jubel zu einer Angelegenheit, die die
zanze Menschheit aufrührt und mit allgewaltiger Macht
umspannt, dem Cyklus einen glänzenden Abschluß gebend.
Die zweite Gruppe sind A-cappella-Chöre, deren Titel
lautet: „zZ Lieder von Franz Schubert für un—
degleiteten Männerchor gesetzt von Walther
Moldenhauer.“
„. Wehmut. (GDem Männerchor ehemaliger Schüler
des Domchores Berlin und A. Preuß zugeeignet.) Düster,
nit großer Einheitlichkeit baut M. den Chor auf. Der
eheimnisvoll raunende Mittelsatz mit seinen polyphonen
kinsätzen führt zu prächtigen Steigerungen. Glanzvoll
ie Imitation des ersten Basses durch den Tenor. Sehr
jut die Verwertung der Klavierschlußtakte zur musikalischen
Jusmalung der rsne en 2. Trost. (M.G.B.
stheingold-Euterpe 1877 Berlin und G. Müller zugeeignet.)
dier kommt der Klaviersatz einer Chorbegleitung wie selten
intgegen; es ergibt sich ein farbiges polyphonisches Gewebe,
»as die Ausdruckskraft der Melodie wesentlich vertieft.
Zeine große stilistische Einfühlung in Schubertschem Geist
zeigt M. bei der letzten Strophe, (die dritte bleibt weg)—
vo er die charakteristischen Klaviereinwürfe einem kleinen
Lhor wirkungssicher überträgt. 3. An den Mond.
zelbständig geführte Mittelstimmen erhöhen den Zauber—
lang der schwelgerischen Melodie. Geradezu erstaunlich,
vie M. mit den madrigalartig verflochtenen Stimmen den
„Fluß, der wütend überschwillt“ und „die Frühlingspracht
unger Knospen“ malt. Diese grandiose Stelle allein würde
eꝛine Aufführung dieses Chores rechtfertigen.
„An Franz Schubert“, von M. selbst noch dem
„Wiener Schubertbund und Prof. Keldorfer zum 100.
Todestage Fr. Sch. gewidmet“. Die Anregung zu diesem
zuldigungschor, dessen Text G. Kokegey verfaßt hat, ist
n dem großen Anklang zu suchen, den s. Zt. der Hul—
digungschor an Beethoven bei vielen M.G.V. gefunden hat.
Zie traten mit der Bitte an M. heran, etwas AMehnliches
ür das Schubertjahr zu schaffen. Selbstverständliche Pietüt
jebot es, die müsikalische Grundlage in einem Schubert—
verk zu suchen; die Wahl fiel auf den großen Trauer—
narsch op. 55 ,„Auf den Tod Alexander J.“ In der Be—
irbeitkung findet außer dem Männerchor auch ein Kinder—
»der Frauenchor Verwendung, der das Trio allein be—
serrscht, während sich im Schlußteil beide Chöre zwu schöner
—„chlußwirkung vereinen. Die Verwendungsmöglichkeit ist
urch leichten Chorsatz und durch die Begleitung (zwei- und
awide Klavier- oder Orchesterbeqleitungs wesentlich
zrhöht.
Diese Schubert-Bearbeitungen Walther Moldenhauers
assen erneut erkennen, wie schmerzlich groß der Verlust
st, den die gesamte Musikwelt, vornehmlich aber die
Männerchorkrise mit dem plötzlichen Tode dieses begna—
deten Künstlers erlitten hat. Gerade die Nähe Schuberts
zeigt am besten Moldenhauers gebietende Größe. Wir
takten ihm unsern Dank äb und huldigen gleichzeitig dem
dRiederfürsten Franz Schubert, wenn wir diese Bearbei
ungen zu klingendem Leben erwecken.
Studienrat Walter Schmidt.
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