Zeite
SEaar⸗Saäuger⸗Bund lit
—ILIBV
zelter geschrieben
als der erste der
druckt worden ist.
Nr. 169: „Wehmut“, macht wegen der häufig an—
gewandten Chromatik Schwierigkeiten, die nur von
einem erstklassigen Verein überwunden werden können
Die dreiteilige Liedform ist leicht erkenntlich, der dritte
Satz ist die Reprise des ersten und wie dieser völlig
auf den Orgelpunkt auf Fe(erster Baß, Abendglocke) ge—
stellt. Die sorgfältige Bezeichnung der Dynamik und
ihre Beachtung beim Vortrag stellen große Anforde—
cungen seelischer Einfühlung an Dirigent und Sänger
Biel leichter ist schon
Nr. 170: „Die Nacht“ — „Wie schön bist Du“.
Die süße Melodie und prächtige Stimmführung ver—
anlaßten schon immer die Vereine, diesen Chor ihrem
Repertoire einzufügen. Demgegenüber birgt wieder
Nr. 171: „ßrab und Mond“ in seinen zwar fein—
farbigen, aber schwer auszuführenden Modulationen
eine Fülle tonaler Schwierigkeiten, die es mit sich
bringt, daß der Chor so selten gesungen ward. Eine
besonders liebliche Wirkung erzielt Schubert mit der
oon Reger so oft angewendeten alterierten zweiten
Stufe in Moll, der sogenannten neapolitanischen Sexte
im 3. und 6. Takt und an den Parallelstellen im As—
Dur-Satz. Interessant ist auch die Gestaltung bei
„alles stumm“ und die Rückmodulation nach AKMoll
am Schluß.
ein. Kein Wunder, daß der Chor
Schubert'schen MA-cappelta-Chöre ge—
Nr. 343: „Trinklied aus dem 14. Jahrhun
dert“ ist ein Geselligkeitschor nach Art der Berliner
Schule.
Nr. 218: „Der Lindenbaum'“ ist die Bearbei
tung des gleichnamigen Klavierliedes.
Nr. 431: „Läiebe“ ist musikalisch ganz in der Ma—
tier der empfindsamen, zarten Dichtung gehalten:
Feinstes Pianissimo durchweg, nur bei „Seele haucht
ie in das All“, bei der Ausweichung nach A-Moll und
)-Moll, erhebt sich der Stärkegrad etwas über die
iußerst weiche Linie. Die Deklamation muß bei „der
Natur“ ein wenig korrigieren, da das „der“ auf den
»xsten Taktteil fällt. —
Dieser Ueberblick zeigt, daß die Herausgeber der
Peters'schen Volksliederbände mit der Auswahl der
S„chubertchöre nicht besonders glücklich waren. Sie
ießen sich anscheinend von dem Gedanken leiten, jeder
Battung einen Schubertchor beizugeben. Die Bearbei—
ungen hätten wegbleiben müssen, dafür konnten
Driginalchöre aufgenommen werden. Immerhin ent—
zalten die beiden Bände genügend Material zu
Z„chubertfeiern für Männergesangvereine. Die Nr. 1
der Zeitung des Saar-Sänger-Bundes vom April 1924,
4. Jahrgang, bietet Seite 4 eine geordnete Uebersicht
iber Schuberts Schaffen auf dem Männerchorgebiet
oon Dr. A. Raskin.
Fritz Anschütz.
Walther Moldenhauers
5chubert⸗Bearbeitungen.
1928 — Schubertjahr! Schubert ist ja in den Konzert—
F sälen immer heimisch gewesen, kein Neuerer
konnte ihn in den Hintergrund drängen; denn er zwingt
eden Hörer mit fseinen Zaubermelodien in seinen Bann.
Nun aber wird ein Singen und Klingen anheben, wie es
vohl in der Welt musikalischen Geschehens ohnegleichen ist,
und das selbst noch das Beethovenjahr übertreffen wird;
denn der Schubert Franzel steht dem Herzen des Volkes
oiel näher, ist in seiner Ausdruckskraft einfacher und in—
niger, dem Verständnis der großen Masse leichter eingäng—
lich und vertrauter. Auch die deuütschen Männerchöre werden
ifrig rüsten, um in ihren Winterkonzerten — nicht nur
in Wien — durch würdige, künstlerische Leistungen seiner
unsterblichen Musik in der breiten Masse der Konzerthörer
neue Freunde zu werben. Die Chorvereine sind zudem in
der glücklichen Lage, eine reiche Auswahl Schuübertscher
Driginalwerke für Männerchor, wahre Perlen der Männer—
horliteratur, ausschöpsen zu können. Was sollen uns also
Bearbeitungen Schubertscher Klavierlieder für Männer—
chor? Die Zahl der Originalwerke ist groß genug, und
die unendliche Tiefe und Größe seiner gottbegnadeten
stünstlerschaft hat er fürwahr auch hier gezeigt; begnügen
wir uns mit diesen reichen Gaben, sehen wir ab von Exr—
perimenten; denn jede Schubert-Bearbeitung ist ohne Frage
zin künstlerisches Wagnis. So die eine Meinung, der man
oom rein künstlerischen Standpunkt aus beipflichten muß.
Aber auch die andere Meinung hat berechtigten Anspruch
auf Geltung: viele Chorvereinigungen wollen nicht immer
ihrem Konzertpublikum dieselben Schubertchöre vorsetzen;:
auch die Sänger möchten gern mal einen „andern Schubert“
jingen, unangetastet aller Liebe, die in ihrer Brust für
diese so oft schon gesungenen Werke fest verankert ist.
Warum sollen solche M.G. V. nicht auch zu Bearbeitungen
greifen dürfen, wenn sie den Zauber Schubertscher Melo—
dien mit dieser oder jener Bearbeitung von neuem ins
Bolk hineinwerfen. Nur eine Voraussetzung muß unbe—
dingt erfüllt sein: die Bearbeitungen müssen kongenial
iachgeschaffen sein, sie dürfen sich nicht in einer Üüeber—
ragung des Klaviersatzes in den Männerchorsatz erschöpfen,
dürfen, dem Duft Schubertscher Melodien kein einzig
Quentlein nehmen und müssen sich mit Ehrfurcht seinem
roßen Goiste unterordnen Oslsein d Maäme Mos Ronr—
eiters der hier zur Besprechung stehenden Schubertchöre:
Valther Moldenhauer») schließt alle küͤnstlerischen
Barantien in sich. Weder die Urform der Lieder ist ange
astet, noch ist die bezaubernde Schönheit des Original—
langes irgendwo beeinträchtigt. Ueberall größte Sorgfalt,
chlichtes, tiefes Versenken, und die reine Freude: ich diene
inem Höheren. Und gerade dieses letzte Moment hat
Noldenhauer wohl trotz der gewollten Fesseln die innere
zchwungkraft verliehen, neben hervorragender Stimmfüh—
ung eine Freiheit in der Satzbehandlung zuwege zu
ringen, die für seine hohe, verantwortungsvolle Künstler—
chaft de nad ablegt. So erwuchsen aus Strophenlie—
»Rern wirkliche Chorwerke für Männerstimmen, die wie
ius einem Guß anmuten. Aus der Liedmelodie ist das Letzte
sergausgeholt, um den Gefühlsinhalt zu vertiefen, so wech—
elnd er auch sei, und doch nirgends Gesuchtheit und
kdünstelei. Der Geist des Schöpfers war ihm unantastbares
Zeiligtum.
Die erste Gruppe der Bearbeitungen ist zu einem Zyklus
zusammengestellt: „ß Lieder und Gesänge von
Franz Schubert für Männerchor, e ine
Zopranstimme, Orgel- und Klavierbeglei—
ung“. (Dem Kasseler LCG.V. und seinem verehrten Diri—
jenten Staatskapellmeister Robert Laugs in Dankbarkeit zu
zeeignet, der auch am 31. Januar die Uraufführung heraus—
rachte. Um im Hörer die notwendige musikalische Emp—
änglichkeit zu schaffen, geht den fünf Liedern als Nr. 1
in Vorspiel für Orgel und Klavier voran, zu dem Schu—
erts op. 65 Nr. 1: Lied eines Schiffers an die Dioskuren
III, S. 32) verwendet ist. z3 den Chören wird Orgel—
und Klavierbegleitung gefordert; jedoch ist der Satz so
ingerichtet, daß auch Orgel oder Klavier als Begleit—
nstrument benuützt werden kann. Sicher ein Vorzug für
»ie Aufführung. Nr. 2: Im Abendrot ist nur für
Nännerchor allein bearbeitet. Die gehaltenen Töne der
‚weiten Tenöre wirken wie ein leuchtendes Gewölbe, unter
dem erste Tenöre und erste Bässe ihre melodischen Linien
n ruhiger Schönheit ziehen. Mit großer Eindringlichkeit
verden die Höhepunkte durch farbige Mehrstimmigkeit auf—
ehnut. Nr. 33 Macht und Träume Die WPoesie de—r
»«VR Grschienon h stein Adolsho