Full text : 6.1928-1929 (0006)

Nr. 5 11NMhhen

Saar⸗Sänger⸗Bund

P Seite 109

politiker läßt das Gesamtbild nur um so heller leuch— Deutsche Frauen und deutsche Männer, in unserer
ten — war und ist das Saarvolk ein Wille, eine vosgelöstheit mit all ihrer Sorge und all ihrem Druck
Ztimme: Wir warten auf den deutschen Tag, auf den haben wir Saarländer tiefer noch als in den unge—
Tag der Freiheit und des Rechtes! Wir fordern die heuren Erschütterungen des Krieges erlebt, daß Volf
Rückgabe der Völkergrundrechte der Selbstbestimmung und Vaterland mehr sind als blasse Abstraktion, daß
und Selbstregierung, wir fordern die Beseitigung alles sie zu den größten ethischen Gütern und Mächten ge—
dessen, was mit diesen Grundrechten nicht in Ein- hören. Und wenn wir Deutsche aus dem Brodeln und
klang zu bringen ist: die Beseitigung vor allem der Beben des letzten Jahrzehnts auch immer noch nicht
verkappten Besatzung, der vertragswidrigen franzö als Nation im tiefsten Sinne geboren wurden, wie
sischen Schul- und Kulturpolitik mit ihrem Gewissens unsere Zerrissenheit traurig genug beweist, — wenn
druck auf unsere Bergleute, die Beseitigung der Aus wir Saarländer oft genug auch vor dem innerpoli—
beutung unseres Bodens unter Verachtung der ver tischen Streit doktrinärer Verbissenheit und Klein—
traglichen Grenzen und nach Grundsätzen und mit zeistigkeit ohne Verständnis und mit bangem Herzen
MNitteln, die eine Entsittlichung jedes Wirtschaftslebens standen — wir hoffen auf den deutschen Tag! Denn
bedeuten. Wir fordern Aufgabe des unnatürlichen gerade wir wissen aus dem kampfreichen und leid—
Bedankens, einem Volke seinen Boden, auf dem und vollen Erleben der letzten Jahre, daß niemand ein
zurch den es Jahrhunderte lang lebt und blüht, wirt- Vaterlandfinder ist, der nicht vorher ein Vaterland—
schaftlich entreißen zu wollen, eines Gedankens, der sucher war, daß nur dem sich das Vaterland gibt, der
in seiner verächtlichen Beiseiteschiebung aller geschicht— sich selbst Lämpfend dem Vaterland darbringt. Wer
lichen, wirtschaftlichen und völkerpsychologischen Be- 8 als seelische Aufgabe erfaßt, den hebt es über die
dingtheiten geradezu frivol erscheint. Zwingt dieser lonfessionelle, parteipolitische und soziale Enge und
Plan nicht zum lauten Hinweis auf die mahnenden Selbstsucht hinaus, dem weitet es Blick und Herz für
Börresworte am neuen Koblenzer Denkmal? „Lernet das Wesentliche, für die große Synthese der duldenden,
Berechtigkeit! Ihr seid gewarnt, und nicht versuchet verstehenden, volkumfassenden Liebe, für den ist es
die Gottheit!“ — Wir sind zu gesund, um uns lang- die lebensnotwendige Einheit aller Volksgenossen. Wer
sam erdrosseln zu lassen, und wir kämpfen und wir so das Vaterland durch das Leid der Trennung wesen—
werden kämpfen — das soll die ganze Welt wissen haft erkannt und wahrhaft gefunden hat, der vermehrt
— mit Einsatz der letzten Kraft, bis zum Tage der nicht das Heer der unfruchtbaren Ewiggestrigen, der
Freiheit unseres Volkes und seines Bodens. Und ein- dält die Unfähigkeit und Weigerung zum Umlernen
nal wird der Sieg, — und sei er noch so schwer — nicht für Konsequenz oder gar Charakterstärke, der
unser sein, weil unser das Recht ist! wächst vielmehr gläubig und tätig in die neue deutsche
Wir warten auf die Wiedervereinigung mit Deutsch— Entwicklung mit all ihren Aufgaben hinein, eingedenk
and, das sich als ein Land des völkerversöhnenden des tiefen Goethewortes:
Zchaffens in diesen Tagen selbst bezeugt durch das Und so lang' du das nicht hast
dankbare Gedenken an den Gräbern großer Söhne Dieses: Stirb und Werde!
eines Beethoven, eines Dürer, eines subert Wir Bist du nur ein trüber Gast
warten auf den deutschen Tag der Freiheit, die diese
Worte, die wir so oft im umkämpften Grenzstrich ge— Auf der dunkeln Erde.
fuhlt, gedacht, gefagt haben, heute darf ich es aͤls stönnten wir doch aus unserer Abtrennung heraus
Sprecher meiner Brüder von der Saar hier laut aus. Aallen deutschen Schwestern und allen deutschen Brü.
ufen in diefer ruhmvollen Burg und Stadt, wo so dern die Ueberzeugung bringen, daß das mutige Ab—
hiel deutsches Schickfal abgeklungen ist, hter, wo Goethe toßen des Unwesentlichen, des Ueberlebten, des Tren—
der bruͤtal'vernichtenden Schwerteroberung Melacs die enden die stärkste Betonung und, Entwicklung des
Froberung der Welt durch die Völkerberbundenheis Wesentlichen, des Sebendigen des Einigenden ist daß
n göttlühen Geist entgegensehte: unsere Einigkeit am Ende die einzige politische Wirk—⸗
53 lichkeit darstellt und daß diese starke Wirklichkeit wieder
Gottes ist der OQrient, Oottes ist der Otzident! vertiefen und vermehren muß unsere Einigkeit. Auch
Nord- und südliches Gelände ruht im Frieden d in diesem Sinne warten wir auf den deutschen Tag,
seiner Hände der uns als freie Deutsche mit den deutschen Brüdern
Aus der Unruhe unserer unhaltbaren Gegenwart. Fieder vereint, der uns in dem Sirom der gleichen
aus den Kämpfen um unser natürlichstes Recht mitten — ————
m sogenannten Frieden flüchten wir Saardeutschen zu J —* *0
inserem Volke, rufen sie tief durchdrungen mit ihren „Und so trägt er seine Brüder, seine Schätze, seine Ninder,
ZSängern: „Mutter bleibst du deinen Kindern, ewig Dem erwartenden Erzeuger freudebrausend an das Herz.
herrlich, ewig groß!“ Vaterland, Saardeutschland grüßt dich mit dem
Herrlich und groß für uns, weil wir Söhne und Treuschwur seiner Sänger! Vaterland, Saardeutsch—
Töchter sind, — auch im Unglück. land ruft dich!

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Pascagt- Haustiaus I. G. u 3αν.
            
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