Full text : 5.1927-1928 (0005)

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Saar⸗Sänger-Vund

U Nr.

heitlichem Gesichtspuukt geschaffen — werden auch für die
Zukunft die geistige Bedeutsamkeit Magdeburgs sichern,
Die Ausstellung vermittelt eine Ueberschau über
das Werden des Theaters überhaupt, des deutschen
 Theaters im besonderen. In der historischen
Abteilung begegnen wir einer Rekonstruktion des Dionysos—
theaters in Athen mit einem Szenenbild aus dem Agamem—
non des Aeschylos. In Vitrinen sind eine Reihe von antiken
Originalstücken vereinigt, Vasen mit, Szenenbildern und
Terrakotten, die die Geftalten der antiken Komödie lebendig
machen. Vom vorchristlichen Altertum führt ein großer
zeitlicher Sprung durch fast fünfzehnhundert Jahre in di?
Zeiten des Mittelalters, in denen sich die Free darau
besonnen hat, die theatralischen Kräfts, die im Volke un—
genützt lagen, sich dienstbar zu machen. Originalhandschriften,
Szenenbilder und zahlreiche Modelle führen uns durch die
Zeiten der Mysterienspiele, dann der, Volksspiele zur Zeit
des Hans Sachs zu den Theatern der Renaissanee, des
Barock, des Rokoko. Einen breiten Rahmen beansprucht mi!
Recht die Fen unserer Klassiker. Im Original wird uns der
szenische Aufbau der Erstaufführung von Schillers „Räu
bern“ in Mannheim, ferner der Regiestuhl Goethes au⸗
Weimar vorgeführt. Bis uns dann die Vielgestaltigkeit
deutscher Theaterkultur im 19. Jahrhundert und bis zur
Gegenwart an Modellen, Maschinen, Porträts, Szenen—
bildern, Regievorschriften vergegenwärtigt wird, Meiningen,
Bayreuth, die stilisierte Bühne, Front- und Gefangenen—
theater, Laienspiele und Revue. Eine unübersehbare Fülle
von überaus bedeutsamen Denkwürdigkeiten! Aber auch eine
ungeheure Fülle fruchtbarer Anregungen für Theaterbau,
Regie, Dichtung, Schäuspielkunst, Musik und Tanz!
Der Interessent wird weiterhin über Theater—
hygiene, wie über die soziale Stellung des Schau—
spielers unterrichtet, kurz über alles, was irgendwie mit
dem Theater in Zusammenhang steht. Eine Versuchs—
bühne und eine auf dem Hermann-Mittertag befindliche
schwimmende Bühne ermöglichen Einblicke in die
Bühnenpraxis. Rutholph Laban führte eben mit 80
Schülern und Schülerinnen seine gymnastische Schule vor.
Erwähnt seien noch die Halle der Industrie, die
Kunsthalle, die Brandschutzhalle, sowie endlich
der Festpark mit Gaststätten und Vergnügungsplätzen,
die dem Besucher nach anstrengender Besichtigung Er—
holung gewähren sollen.
Erwünscht wäre die Zusammenfassung des
hier mit soviel Verständnis, Fleiß und
Liebe zusammengetragenen Materials in
einem mit möglichst vielen Illustrationen
versehenen volkstümlichen und wohlfeilen
Werk. Der, Besuch der Magdeburger Deutschen Theater—
Ausstellung sei wärmstens empfohlen! Stein.
Der Bassenhauer.
Der Joachimstaler Pfarrer Johann Mathesius sagt in seinen
*BPredigten über Sirach (J 52) vom Jahre 1586: „Wer aber
mit leichtfertigen Buben und gassenhawern, welche nichts als deß
abends auff der gassen schreyen und plöcken können, umbgehet,
der muß hernach dem Büttel zum Demptze ( Gefängnis)
folgen.“ Sind das Gassenhauer in unserem Sinne, ihrem
Runstwerte nach zumeist tiefstehende Lieder? Nein, es sind
überhaupt keine Lieder, sondern leichtlebige junge Leute, die
auf den Gassen hauen, d. h. — in einer der älteren Bedeutungen
des Wortes — umherlaufen. Das ist die Grundbedeutung des
Ausdrucks. In einer zweiten Bedeutung begegnet uns sodann
der Gassenhauer als Lied, und zwar, wie es scheint, als
Liebeslied, insonderheit als Ständchen, bei dem der Ort der
Handlung ebenfalls die Gasse ist. Sie ist und bleibt das Wesent—
liche im Worte. Allein so niedrig wie heutzutage stand der
Begriff in älterer Zeit nicht. Als Hans Sachs im Jahre 1567
den Vorrat seiner Lieder nachsah, fand er auch
Psalme und ander kirchengsäng,
auch verendert geistliche lieder,
auch gassenhawer hin und wider.
Nichts Verächtliches liegt in dem Worte, das hier lediglich das
weltliche Lied im Gegensatze zum geistlichen zu bezeichnen
scheint. Ja, noch Bürger schreibt im Deutschen Museum (1776):
„Mein Ohr hat öfters in der Abenddämmerung dem Zauber—
schalle der Balladen und Gassenhauer unter den Linden der
Dörier, auf der Bleiche und in den Spinnstuben gelauscht.“
Damit sind auch nicht Gassenhauer in unserem Sinne gemeint,
wohl aher wahrscheinlich weltlich-üppige Lieder. wie fie he—

sonders in den Spinustuben bgliebt waren. Dieselbe Bedeutung
hat das Wort in den maucherlei alten Sammlungen von
Gassenhauern und Reuterliedern“. Zu dritt erscheint das Wort
in der dem Liede nahe verwandten Bedeutung Tanz, der nach
altertümticher Sitte ebenfalls häufig auf der Straße (Gasse)
stattiand. So wird im Simplicissimus (1669) ein „trollichter
vassenhauer aufgetacht“. Allein auch in dieser Bedeutung liegt
von Haus aus noch nicht der verächtliche Sinn, den das
Wort heute hat: sonst würde Pamphilus in des Herzogs Heinrich
Julius Drama von „Buhler und Buhlerin“ bei dem seiner
Heliebten zu bringenden Ständchen (II. 1) den Spielleuten
icht zurusen: „O gut Gesellen, seid lustig und macht einen
vübschen Gassenhauer!“ Daß es auch besondere Arten von
Bassenhauern gab, bekundet Christian Reuters Schelmuffsky
1696), der sich von den Spielleuten den „Leipziger Gassenhauer
rufstreichen“ lißt. In der Folgezeit überwog das Niedrig-Ver—
ichtliche immer mehr in dem Worte: es war trotz Bürger
hereits allgemein herrschend, als Wietand in seinem Agathon
10,7) schrieb: „Während die politischen Müßiggänger sich darüber
zanken werden — —, wird der Pöbel ein paar Flüche zwischen
den Zähnen murmeln, seine Gassenhauer anstimmen und
hbezahlen:“ Deutscher Sprachverein
Preissingen und Werlungssingen.
In der neuesten Nummer der eden ded deuns schreibt
S. Sparmann in einem trefflichen Auf'atz über Ge—
sangwettstreit und Wertungssingen u.a. fol—
gendes: „Man sucht den Gesangwettstreiten immer noch
das Mäntelchen des künstlerischen Wertes, der hohen Bedeu—
tung für die Entwicklung des Männergesangrereins um—
zuhängen. Auch beruft man sich darauf, daß führende
Chorleiter und Komponisten sich gern in den Tienst dieser
Sache stellen, ihren Wert und ihre Bedeutung also doch
anerkennen mässen. Zu ersterm glauben wir mit Reacht
sagen zu dürfen, daß sich der Männergesang auf der Höhe
rziner Entwicklung befindet, die der Belebung durch Wettsingen
 nicht mehr so sehr bedarf. Und die Chormeister,
denen es ernst ist um die Erfüllung ihrer Aufgaben, werden
sich ohnehin bemühen, mit ihren Vereinen im Rahmen
der Möglichkeit das Beste zu bieten. Sie werden es
daher auch nicht unterlassen, an sich selbst zu arbeiten, zu
mmer höherer Vollkommenheit. Wer Anregung sucht,
findet sie zum Beispiel in Chormeisterkursen oder meister—
haft geleiteten großen Chören. — Zu dem zweiten Einwand
äßt sich leider nicht viel sagen. Es ist allerdings nichst
mmer rerständlich, daß Musikter und Männerchordirigenten
con höchstem Ruf sich Veranstaltungen oben geschilderter
Art als Preisrichter zur Verfügung stellen. Von den
Bundesmeistern aber, deren Bünde die Einrichtung von
sogenannten „wilden Gesangwettstreiten“ verbieten, muß
nan erwarten, daß sie diesen ihre Unterstützung versagen.
Vielleicht ist hiermit der Austritt mehrerer Herren aus
der Kölner Preisrichterrereinigung in Zusammenhang zu
hringen.) Man hat geglaubt, dem vielen Sängern inne—
vohnenden und in vielen Vereinen festgewurzelten Drange
gach einem gelegentlichen Ausmessen der Kräfte auf irgend—
zine Weise gerecht werden zu müssen, und so ist man dazu
ibergegangen, einen Wettstreit-Ersatz zu schaffen, in Form
on Wertungssingen, die man auch als Vergleichs-, Prü—
ungs-, Beurteilungs- oder Leiftungssingen bezeichnet
Dahei lehnt man sich oft noch so start“ an die alten Wett—
streitbedingungen, daß es zutrifft, was im Jahrbuch des
D. S. B. 1926 gesagt wird: „Es sind in nicht wenigen Fällen
erblümte Wettstreite.“ So wertet man zum Beispiel in
den meisten Fällen noch nach Punkten aus und schäfft für
die beteiligten Vereine eine Rangliste. Gerade dadurch aber
legt man oft den Grund zu den häßlichen Ausklängen, die
ziese Veranstaltungen vielfach finden. Man nährt falschen
Ehrgeiz und zerseßenden Neid. Das ganze Streben ist äuf
Llaß und Sieg gerichtet, wobei der hühere Zweck dieser
Zingen kaum noch im Auge gehalten wird. Ta geschieht
s dann zu leicht, daß die Sanges- und Bundesbrüderlichkeit
einen argen Stoß bekommt. Besonders bedenklich werden
diese Erscheinungen innerhalb eines Unterbundes oder
Saues. Bei Gesangwettstreiten treten sich Vereine und
Chorleiter gegenüber, die sich vielleicht kaum dem Namen
nach kennen. Hier aber stoßen sich die Dinge im
ngsten Raume, und die Wirkung ist daher um so empfind
licher. Ta kämpfen zum Beispiel mehrere Vereine des—
elben Ortes, die sonst wie Brüder einträchtig beieinander
vpohnten. um die höchste Vunktzaähl. Man hält sie im
            
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