Zeite 74
JSaar⸗Saänger-VPBunden
„h Nr.
leisen, schlaftrunkenen Zwit—
schern verklingt .. . Der
Wald ist dunkel worden,
und wir wandern den
freundlich winkenden Lich—
tern des Sängerheims zu.
Die Tische im Freien sind
fast alle besetzt, phantastisch
schimmern die hellen Kleider
der Damen im Schein der
vielfarbigen Fackeln, die in
langen Reihen von Baum
zu Baum sich spannen.
Das flackernde Licht zaubert
hin- und hergleitende, ge—
staltlose Gespenster in den
Bäumen und zuckt in un—
ruhigem Spiel auf den
bunten Blumenbeeten und
den grünen Rasenflächen,
die den großen freien
Platz vor dem Heim zieren.
Ringsum hält der Wald
dunkel und schweigend
Wacht, daß die Menschen ungestört ihrer Fröhlichkeit
sich hingeben können . . . . . Aus dem Pavillon tönt
Musik, eine lockende Walzermelodie . . .. Da zuckt es
in den Füßen des jungen Volks, die Augen strahlen,
und die Lippen summen die Weise mit. Selbst die
„Alten“ werden munter, trinken sich fröhlich zu und
lassen die Gläser aneinanderklingen . . . Begeistert
schallen nach kurzer Pause deutsche Lieder aus frischen
Männerkehlen . . . Der Wald horcht auf, ein stau—
nendes Raunen geht durch die ragenden Riesen, die
Vöalein lauschen traummüde in ihren Nestern. und
Phot. Wenß.
die Blumen halten den Atem an .. . .. Lied auf Lied
erklingt, die Musik spielt in prickelndem Rhythmus be—
kannte Tänze und Märsche, und die Menschen ver—
gessen den müden Tag, vergessen alle Sorgen, und
neue Lebensfreude durchströmt sie und gibt ihnen
Kraft für den kommenden Morgen .. .. Ueber dem
dunkeln Wald steigt neugierig der Mond empor und
schaut mit mildem Lächeln dem bunten Treiben zu.
Mählich verlöschen die Fackeln, ... phantastischer
huschen die Schatten, bis sie mit dem Verglimmen des
letzten Lichtes in das Nachtdunkel zurückgleiten .. . Die
Musik ist verstummt, laut
wogt das fröhliche Stimmen—
gewirr der aufbrechender
Gäste, die nun selig und
müde durch die mond—
hellen Straßen heimwärts
vandern
Einsam und verlassen liegt
die Stätte der Freude in—
mitten des heimlich flüstern
den Waldes, vom Silber—
leuchten des Mondes über—
gossen. Die Stille der Nacht
umfängt uns, und die un—
zähligen Sternenaugen, die
vom Himmel hernieder—
blitzen, senken ihren uner—
gründlichen Blick bis in die
Tiefe unserer Seele und
lösen sie von aller Erden
schwere und schenken ihr die
schönsten, seligsten Träume
Hi. Bongard.
Bundeszimmer des Saar-Sänger-Heims Ludwiasbera.
Phot. Wenk.
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IAHM
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