Nr. 4n
Saar-Sauger-Bund Il
il Seite 73
Nun begann für den Ludwigspark eine neue Blüte
zeit. Täglich war er das Ziel zahlreicher Spazier—
gänger, die im Schatten der grünbelaubten Bäume Er
holung von deér Arbeit des Tages suchten. Zweimal
in der Woche fanden Militärkonzerte statt — Eintritt
25 Pfennig! —, die Tausende aus den drei Städten
hinauslockten. Soll ich die alten Sänger erinnern an
die Darbietungen der Kapelle der 70er unter dem
alten Ströbe, der 30er unter Reckzeh, der 7. Dragoner
unter Peschke, und der 7. Ulanen unter Rühle? Ganz
besonders die Sonntagabend-Konzerte übten eine starke
Anziehungskraft auf die heranwachsende Jugend aus
Eine durchgreifende Aenderung und Vergrößerung
der ganzen Anlage war nach den Erfahrungen der
ersten Jahre bald notwendig. 1901 wurde sie in An—
griff genommen. Das Haus wurde nach beiden Seiten
vergrößert, nach der einen wurden Saal und Veranda
um ein beträchtliches Stück erweitert, nach der andern
wurden Garderobe und Schankstelle verlegt und ver—
größert, zwei Zimmer angebaut und daran die Küche,
die vorher im Kellergeschoß lag, angeschlossen. Der
große Platz wurde erweitert, und der Musikpavillon
erhielt doppelte Größe. Die bei der ersten Anlage ge—
pflanzten Bäume, die sich durch das Ausbreiten der Aeste
Glasveranda des Saar-Sänger-Heims Ludwiasberag.
Phot Wentz.
Wie wandelte es sich so schön selbzweit auf den ver—
schwiegenen Waldwegen rings um den hellerleuchteten
Garten, wenn aus der Ferne die fröhlichen Klänge
bekannter Melodien und Tänze herüberschallten!
Seufzerallee, hast du diesen Namen wirklich verdient?
Höhepunkte in dem fröhlichen Leben des Ludwigsparks
waren die vaterländischen Feste, wenn 2oder 3 Militär—
kapellen zusammen spielten und an den warmen
Sommerabenden manch Feuerwerk abgebrannt wurde.
Dann konnte der Park die Menge der Besucher oft
nicht fassen
gegenseitig das Licht wegnahmen, wurden stark durch—
lichtet. Die heute noch stehenden Platanen bilden etwa
den vierten Teil der ursprünglich vorhandenen Bäume.
Nach der durchgeführten Vergrößerung gab es im
Garten 280 Tische mit 2000 Stühlen, während 75
Bänke im ganzen Park verstreut standen.
Heute bietet die ganze Anlage 3500 Personen Platz,
davon entfallen 2600 Plätze auf den Garten und 900
auf die Innenräume: Saal, Veranda und Gesellschafts
zimmer. Kreisschulrat Fr. Hellwig,
Präsident des M.G.-V. Liederkranz, Saarbrücken
Aus dem Ludwigspark.
Hoyibe brütet über der Großstadt, ein schwüler Wind
N wirbelt den Staub auf den Straßen auf, der
heiße Sonnenatem treibt die müden Menschen in die
Häuser oder hinaus ins Grüne. Die meisten aber
hält die Arbeit eingespannt bis zum Abend ..... Die
Sonne senkt sich zum Westen, selbst müde des Tags,
ihr Leuchten wird matter, ihr Atem brennt nicht mehr,
streichelt nur sachte die welken Rosenblätter, löst die
Dumpfheit der Seele und die Schwere der Glieder und
lockt hinaus in den sinkenden Abhend Ehen umfänagt
uns noch der Lärm der Stadt, — und schon wölbt sich
ein hohes Laubdach über uns, köstlich in seiner schattigen
Kühle und wohltuend den lichtmüden Augen. Das
lbetzte Sonnenleuchten zittert gedämpft durch das Grün,
— ein letztes Erglühen in purpurner Glut küßt das
dichte Laubgewirr, daß es erbebt, und das feine, sin—
gende Rauschen bringt unsere Seele zum Mitschwingen
und entlockt den Vögeln, die in den sanft wiegenden
Wipfeln ihr Leben verträumen, ein vielstimmiges
Abendlied.. Wir lauschen dem Sana, bis er in einem