Atzuunn Nr.
anlagen, Balustraden und Springbrunnen reizvoll Gala⸗Equipage auffuhr mit dem Sechser⸗Isabellen⸗
unterbrochen wurde. Unter der Bauleitung von gespann, zwei silberbedreßten Läufern vorauf und den
Stengels zweitältestem Sohne, dem Kammerrat Balthasar beiden riesigen Heiducken in silberverschnürter Ae
Wilhelm Stengel, wurde später noch eine hervorragend Uniform auf dem Rückstand des Staatswagens; Leib⸗
schöne Orangerie aufgeführt, die ebenfalls von einer jäger, Lakaien und Offiziere zu Diensten Ihrer Hoch⸗
ornamentalen Balustrade bekrönt wurde. An der fürstlichen Exzellenzen. Wie Ihre Hochfürstliche Durch
Ausgestaltung des gärtnerischen Schmuckes war mit laucht Prinz Montbary auf einsamem Parkweg nach
dem jüngeren Stengel zugleich der fürstliche Garten— dem Knauf des Degens griff und dem Herrn Geheimen
direktor Friedrich Köllner beteiligt. Verschlungene Kabinettspräsidenten Hammerer die Untreue gegen
Wege und heimliche Pfade, die seinen fürstlichen Herrn und
den weiten Park durchzogen, Gebieter zusagten. Wie in dem
standen im Gegensatz zu der Rauschen des Laubgebreites so
bisher gewohnten geraden Linie manches Stück Staats⸗ und Her—
der Barockgärten. Die Spazier— zensgeheimnis verklang: von
gänge schienen daher, wie Knigge dem Satyrspiel geschworener
schreibt, von der Natur selbst Liebe und gebrochener Treue,
eingerichtet zu sein, so daß man oon Wilhelmine, der edlen
selten die ängstliche Hand der Fürstin auf Schloß Mon plaisir,
Kunst gewahr wurde. Die mit die das Leid ihrer Seele in die
größter Unauffälligkeit in das Einsamkeit des Parkes hinaus—
Parkbild eingefügten kleinen weinte, und von Katharina, der
Kavalierhäuser waren mehr in kühlen und berechnenden Frau
Spielereien, wenn nicht gar in von Ludwigsberg, Gräfin von
völlige Geschmacklosigkeiten aus— Ottweiler, nachmals rechtmäßiger
geartet. So war in Gemahlin Ludwigs und
einem Wäldchen ein letzter Fürstin von
großer Holzstoß zu Saarbrücken. Von jener
sehen, der in Wirklich— Fürstin, der das Volk
keit die hübsch einge— trotz ihres abenteuer—
richtete Wohnung des lichen Aufstiegs von der
Hofmarschalls barg. Auf Gänsemagd (Gänsegretel
einer nahen Wiese stand von Fechingen) zur Zofe
ein schwerbeladener Heu der Frau von Dorsberg,
wagen, der aber mittels ihrer Erhebung zur
einer kleinen Treppeé Frau von Ludwigsberg
leicht bestiegen und ge und der nachfolgenden
öffnet werden konnte kaiserlichen Ernennung
und einen recht vor zur Reichsgräfin von
nehmen Speisesaal ent— Ottweiler nicht nur nicht
hielt. Weiter war eine gram, sondern sogar
Eremitage zu sehen recht zugetan war. Von
eine kleine Einsiedler— alledem mögen sich die
kapelle, die von einem Bäume und Sträucher
Friedhof umgeben war. zuraunen, die sich stärker
Die Inschriften auf den und langlebiger erwiesen
scheinbar längst be— als die armseligen Men—
moosten Leichensteinen schen, die unter ihrem
bezogen sich alle mit Schatten weilten und
mehr oder weniger dem Glücke nachjagten.
humorvollen Anspielun—⸗ Mögen den einsam
gen auf die Herren und sinnierenden Spazier—
Damen der lebenden gänger in das Reich der
Hofgesellschaft. Solche Erinnerungen versetzen
und ähnliche Dinge das ihn der Gegenwart
entsprachen eben den entrückt und ihm das
vaunen der verklingenden Rokokozeit, einer gewissen ganze fürstlich bunte Leben mit seiner lachenden und
Uebersättigung und einem sich bereits bemerkbar machen- liebenden, mit seinen vornehm gemessenen und intri
den Mangel schöpferischen Geistes. Sie bildeten indes gierenden Menschenkindern eindrücklich vor Augen stellt
nur eine Nebensächlichkeit zu dem wirklich reizvollen Die Szene im Schloß zum Beispiel, die Louise von
und entzückenden Lustschloß Ludwigsberg. Ottweiler, eine Tochter des Fürften und der Reichs
Die alten Bäume des Parkes scheinen sich noch gräfin Katharina, erzählt:
heute einer besonders stolzen Haltung und eines ge⸗ „Die Erbprinzessin war stolz und benahm sich wirklich
wissen Selbstbewußtseins zu befleißen, raunen sie sich ungezogen gegen meine Mutter, in der sie doch immer
selber einmal in stiller, trauter Einsamkeit Erinne: die Gemahlin des Fürsten hätte ehren müssen. Ge—
rungen an jene feudale Fürstenzeit zu. Wie die Hof- wöhnlich speisten sie alle Sountage auf dem Schlosse
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Saar⸗Sanger-Bund
Anlaagen auf dem Ludwigsberg zur Fürstenzeit, nach gemalten Knöpfen, die sich im Besißt
der GHräfin Katharina bon Stumeiser beinngen