Nr. 316
Saar⸗Sänger⸗Bund
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Sonderbare Rechnuug. Einem Bauernjungen soll sauf
Anraten des Rektors Klavierunterricht erteilt werden. Der
Vater fragt den Klavierlehrer: „Was kostet die Stunde?“
— „Fünf Mark.“ — „Nun, ich werde die Hälfte geben,
dann braucht mein Junge nur mit der rechten Hand
spielen zu lernen.“
„Früher hat doch Ihre Frau ständig Klavier gespielt
und viel gesungen. Jetzt hört man sie überhaupt nicht
mehr.“ — „Ja, sie hat jetzt eben keine Zeit mehr, sie
muß doch jetzt ihre beiden Kinder warten.“ — „Nun
also, da sehen Sie die Wahrheit des alten Sprichwortes:
Kinder sind ein Segen!“
„Ueben Sie schon lange das Klavierspiel?“ — „Ja
bereits seit meinem siebenten Lebensjahr.“ — „M, m,
dann werden Sie es aber wohl kaum noch erlernen“ — —!
„Nanu, Karl, deine Gattin spielt ja heute gar nicht
Klavier?“ — „Nein, ich habe eine Maus in den Flügel
gesperrt, so daß sie sich nicht getraut, an das Instrument
heranzugehen.“
„Nun, Ihre Kinder haben ja jetzt wohl auch Musik—
unterricht?“ — „Ja, unser Alfons spielt den Flügel und
unsere Anita singt dazu die Duette!“
„Meine Frau kann weder Klavier spielen noch singen.“
—“,Dann müssen Sie doch aber glücklich sein!“ — „Sie
können lieber unglücklich sagen, denn — — sie tut es
ja trotzdem!“
Alte Dame bei der Besichtigung eines Gefängnisses:
„Für was wurden Sie bestraft, lieber Mann?“ — „Jugend—
licher Gefangener: „Ich hatte einen Flügel gestohlen. Ich
tat es aber in einem Augenblick der Schwäche!“ — Dame:
ae müssen Sie aber da erst in einem Moment der Stärke
eisten!“
eben vorzüglich gespielt.“ — Der Geiger zog ein Gesicht.
zenn er hatte noch keinen Bogenstrich getan. — „Ihr Dank
ommt an die falsche Adresse,“ sagte er, „der Samovar steht
im anderen Zimmer.“
Im Schulhof. Lehrer, zwei Jungen beim Singen des
Liedes „Mariechen, du süßes Viehchen“, überraschend: „Habe
ich Euch nicht streng verboten, solche Lieder zu singen?“ —
Karlchen: „Ich wollte auch nicht, Herr Lehrer, ich hab
Bustaven gleich gesagt, „Puppchen“ ist viel schöner.“
Erfahrung. „Ich dachte nicht, Vater, daß meine Stimme
diesen großen Saal füllen würde.“ — „Ich dachte, sie
vürde ihn leeren.“
Alibi. „Warum gehst du auf den Balkon, wenn ich singe?“
— „Damit die Nachbarn sehen, daß ich dich nicht miß—
handele.“
Die Macht des Liedes. In dunkler Nacht erschallt in
einer Straße der Stadt schauriger Gesang. Und schon ist
das Auge des Gesetzes zur Stelle und herrscht den in
einer Haustürnische zusammengekauerten Sänger ob der
nächtlichen Ruhestörung an: „Wie kommen Sie dazu, hier
mitten in der Stadt durch Ihr Singen derartigen Lärm
zu machen, kommen Sie mit zur Wache!“ „Ach, Herr
Wachtmeister“, stammelt der also Angeredete, „bringen
Sie mich lieber ins Krankenhaus, man hat mich über—
jallen und schwer verletzt!“ „Und da singen Sie noch?!“ —
Ja, wenn ich Hilfe gerufen hätte, wäre doch keiner ge
ommen!“
Endlich daheim. Die Gattin eines unentwegten Barden—
ängers ist in die traurige Lage versetzt, ihren Getreuen zu
Bräbe zu schaffen. Dem Pastor meldet sie den Trauer—
fall und bittet um Festsetzung der Beerdigung. „Liehe
Frau, wann ist denn Ihr Mann gestorben?“ „Jo op'n
Mittwochowend!“ erwidert die Frau. „Dann muß die Be—
erdigung am Samstag stattfinden!“ „Ach laiwe Hiär
Pastaur“, sagte die Frau, „mien Seligen wuor nu twinntig
Johr met mu verhierot un eck häwn auk nicht äänen Sunn—
dag te Huse gehatt, lot jitt mir äm doch bis Muondag
stohn.“ Der Pastor wurde weich und die Beerdigunqg fand
am Montag statt.
Das ist etwas anderes. In einer kleinen Stadt L., in
deren Nähe ich früher amtierte, stritten die Stadtväter
darüber, ob dem Verein „Fauna“, der eine Geflügelaus—
stellung veranstalten wollte, städtischerseits eine Prämi—
von 100 Mark zu gewähren sei. Nachdem die Gegner der
Forderung darauf hingewiesen hatten, daß man keinen
Präzedenzfall schaffen dürfe, da sonst der Gesangverein
mit ähnlichen Anliegen kommen könne, brach einer der
Bäter der Stadt in die denkwürdigen Worte aus: Ach was,
Singen kann jeder, aber Eier legen nicht! Stürmische Heiter—
i ote dem Ausbruch, und die 100 Mark wurden be—
willigt.
Den Kopf ihm ab! Ernst Ritter von Possart, damals
noch Ernst Possart, gastierte in seinen Glanzrollen in
Amsterdam, und zwar als Franz in Schillers „Räubern“
und als Richard III. Als weitere Gäste waren von der
Leitung des Theaters Wilhelm Arndt als Karl und Paul
Berthold als Kosinskti herangeholt. Sie wohnen alle im
selben Hotel, Tür an Tür. Längst ist die Vorstellung
hborbei, aͤlles liegt bereits in den Betten, da hört Berthold
im Nebenzimmer Possart seinen „Richard den Dritten“
für den nächsten Tag memorieren. „Den Kopf ihm ab,
den Kopf ihm ab“, so geht es eine Viertelstunde lang. —
Wenn man aus dem schönsten Schlaf geweckt wird, ist man
sowieso nicht allzu friedfertig, wenn man aber viertel—
ftundenlang nichts weiter hört, als „den Kopf ihm ab“,
dann werden auch Lämmer zu Hyänen. Berthold beugt
sich aus dem Bett, nimmt seinen Stiefelknecht, feuert ihn
gegen die Verbindungstür und brüllt mit der ganzen Stärke
seines Heldenorgans? „Ist denn die verdammte Kohlrübe
noch nicht runter?“
Zweiunddreißig Stimmen. Ein junger Grazer Kapell—
meister besuchte Richard Strauß und legte ihm eine umfang—
reiche Partitur vor. Strauß blättert in dem Heft und sagt:
„Wie? Zweiunddreißigstimmig? Mir scheint, Sie haben mich
zum Muͤster genommen!“ — Der Komponist lächelt. „Ich bin
aber bein gutes Beispiel, lieber Freund“, setzt, Strauß hinzu
„Den Papa Haydn müssen Sie studieren! Streichersatz
pier Stimmen, das ist viel schwerer als aweiunddreißiq!“
Unnachgiebig. Richard Strauß studiert an der Wiener
Staatsoper ein Wagnersches Werk ein. Die Darstellerin der
Hauptrocle zeichnet sich durch unbekümmertes Rubatosingen
aus. — Endlich klopft Strauß ab und ruft auf die Bühne:
„Gnädige Frau! Ich bin kein routinierter Kapellmeister
kann nicht nachgeben! Sie müssen schon nach meinem
akt singen!“
Das starke ritardando. Richard Strauß und Ferdinand
Löwe waäaren zusammen in Pest, und Strauß dirigierte in
dem Konzert eine Beethovensche Sinfonie. Nachher fragt
Löwe: „Herr Doktor, warum häben Sie das ritardando im
letzten Satz so auffallend langsam genommen?“ — dJa
lieber Direttor, das muß man. Wenn man's nicht auffallend
macht, dann merkt es ja das Publikum nicht?“
Irrtum. Bei dem musikalischen Tee, den der Herr Bürger⸗
meister gab, war auch der schwerhörige Goldin. — Er
pendefte“ auf den berühmten Geiger Iuös — „Sie haben
Das arme Klavier.
Ein gutes Tier
Ist das Klavier,
Ln friedlich und bescheiden,
Und muß dabei
Doch vielerlei
Erdulden und erleiden.
Der Virtuos
Stürzt darauf los
Mit hochgesträubter Mähne,
Er öffnet ihm
Voll Ungestüm
Den Leib gleich der Hyäne.
Und rasendwild,
Das Herz erfüllt
Von mörderlicher Freude
Durchwühlt er dann,
Soweit er kann,
Des Opfers Eingeweide.
Wie e da schrie,
Das arme Vieh,
Und unter Angstgewimmer
Bald hoch, bald tief
Um Hilfe rief,
Vergeß ich nie und nimmer.
Wilhelm Busch.