Nr. 3 UHus
Saar⸗GSänger⸗Bunde
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757, wie später sein Sohn Karl der Große, eine Orgel
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Kirche trat die Orgel unter Papst Vitalianus (gest. 671),
der auch den allgemeinen Kirchengesang durch kanonische
Sänger ersetzte.
In Deutschland faßte der Orgelbau in Aachen zuerst
Fuß. Im Auftrage Ludwigs des Frommen wurde dort
die erste Orgel erbaut, und im Jahre 880 schrieb Papst
Johannes VIII. bereits an den Bischof von Freisingen,
er möge ihm eine Orgel anfertigen lassen und samt
einem tüchtigen Spieler schicken. Ein Beweis, wie
schnell deutscher Fleiß und Geschicklichkeit auch auf
diesem Gebiete zur Geltung kamen. In der Folge ver
besserten fast ausschließlich Deutsche die Orgelkonstruk
tion. Die im 13. Jahrhundert auftauchende Wind
orgel verdrängte allmählich die Wasserorgel. 1470 er—
fand der deutsche Hoforganist Bernhard des Dogen von
Venedig das Pedal. Diese Verbesserung war eine
wesentliche, denn mit ihr konnte man nicht nur den
Laut verstärken, sondern konnte auch mit dem Manual—
klavier in höhere Töne nach Belieben übergehen. Die
Scheidung des Pfeifenwerkes in besondere Register
stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Blüte des
deutschen Orgelbaues trat aber im 18. Jahrhundert ein,
vo Bach und Händel ihre herrlichen Orgelkompositionen
ichrieben. Die von einem gewissen Christian Müller
erbaute Orgel der Hauptkirche in Harleem galt mit
hren 64 Registern und 5000 Pfeifen lange Zeit als
die großartigste Orge der Welt. Gegenwärtig ist sie
bon vielen anderen Instrumenten, sowohl was Re—
gister-, als auch Pfeifenzahl betrifft, weit übertroffen.
Der Merkwürdigkeit halber wollen wir noch erwähnen,
daß in Frankreich ein Priester namens Jules eine Orgel
ganz aus Pappe anfertigte, welche in der Klosterkirche
zu Saintes zur Aufstellung kam. In Paris verfiel ein
Orgelliebhaber auf die sonderbare Idee, eine Orgel her—
zustellen, zu deren Pfeifen er Spielkarten benützte. Sie
sollen reinere Töne als zinnerne Röhren gegeben haben
Das alles waren natürlich bloß Spielereien ohne prak—
tischen Wert. Wichtiger ist die jetzige Wandlung, welche
als Antriebsmittel die Elektrizität in den Dienst der
Orgel gestellt hat. Hans Winter.
Aus der Beschichte des Geigenspiels.
IPenꝑ man heutzutage einen Elman oder Felix Berber
das Beethovensche und Brahmsche Violinkonzert, einen
Kreisler oder Vecsey die Paganinischen Kaprizen mit funkelnder
Technik spielen hört, wenn das Klitigerquartett Mozart und
Schübert träumt, so ahnen die wenigsten, welche jahrhunderte—
lange Mühsal, rastlose Strebsamkeit und Erfindergabe dazu nötig
gewesen ist, um solche Zauberdinge den vier armen Saiten des
kleinen hölzernen Instruments abzuringen und der Bogenführung
die atemraubende Schmiegsamkeit zeitgenössischen Virtuosentums
zu erobern. Da kommt eine' „Geschichte des Violinspiels“ just
zur rechten Zeit, um allen Freunden der „Königin der In—
strumente“ den Werdegang der Geigentechnik in anschaulichster
Weise zu erzählen, und der sie schrieb war selbst ein Meister
und ist noch ein berühmter Lehver des Violinspiels, Andreas
Moser, der nächste Freund und Mitarbeiter Joseph Joachims.
Was beide in ihrer gemeinsamen, allverbreiteten Violinschule
als lehrbare Gegebenheit pädagogisch darstellten, das 14ßt nun
der greise Berliner Hochschulprofessor als geschichtliches Werden
durch die Zeiten der Rengissance und des Barock, des Rokoko
und der Romantik in Italien, Frankreich, Deutschland, England
und den slavischen Lindern vor uns aufsteigen. Wir sehen
die ersten italienischen Geigen um 1550 ant Eardasee aus
mittelalterlichem Fiedelgeschlecht edel und zierlich erwachsen und
in den Händen Antonio Stradivaris köstlichste Gestalt gewinnen,
wir sehen den französischen Analphabeten Tourbe das Pernam—
buckholz der Bogenstange zur entscheidenden Schwergewichts—
verlagerung über der Flamme brennen und, wandern an der
Hand eines beispiellosen Kenners durch die Versuchswerkstätten
selbst jüngster Geigenverbesserer oder durch die sonst verschlos—
senen Sammlungen ausländischer Violinenliebhaber.
Dann beobachten wir den urtümlichen Tanzgeiger der Minne—
singerzeit, so gut wie den skandinavischen Hardangerfiedler,
aus rätfelhaften Zeichenschriften des germanischen Museums
in Nürnberg tönen Tänze Hans Leo Haßlers mit lustigen
Läuferchen und Trillerver ierungen hervor, während des dreißig—
jährigen Krieges schlägt der Hamburger Ratsmusikus Schob
Sextentriller, wie sie sonst nur noch Zigeuner zu zaubern ver—
stehen, und wir folgen während der Wiener Türkenbelagerung
dem berühmten Dresdener Hexenmeister Strungk zum Wett—
spiel nach Rom, wo der edle Abt Corelli seine Bockssprünge
mit ebenso reißendem Kompliment quittiert, wie er sich vom
ungeduldigen Jüngling Händel die Geige aus der Hand reißen
läßt. Wir beobachten den großen Sälzburger Geiger Biber,
wie er für seine Marienleben-Sonaten das Instrument seltsam
in andere Akkorde umstimmt, sehen Lully seine Pariser „Vier—
undzwanzig des Königs“ lakaienhaft zu neuer Orchesterdisziplin
drillen und sernen Seb. Bachs Wunderwerke für Violine allein
von der —V Marion Marais' aus neu verstehen,
der Ludwiads XIV Kieblind war
Unerschöpflich ist der Reichtum von Andreas Mosers grund—
egendem Buch: schnurrpfeiferische Tierimitationen eines Tor—
zauer Kammerpvirtuosen um 1620 veredelt hundert Jahre darauf
zer Venezianer Priester Vivaldi zu Geigensonaten über Jahres
eitensonette, die schon an Hahdns Tonmalereien erinnern;
docatelly klettert kühn in die höchsten Lagen, Tartini erfinder
einen „Teufelstriller“ und wird erstmals als erstaunlich wage—
nutiger Konzertkomponist gewürdigt. Moser ist ebenso in dem
Londoner Geigenidyll des Kohlenhändlers Britton (um 1720)
zu Hause wie bei den Flageolettstudien des Pariser Intendanten
Mondonville oder den phantastischen Griffbrettkrabbeleien des
Florentiner Kaprizenmeisters Nardini, wir erleben die Impro
zisationen Franz Bendas und eine Geigenstunde Reichardts
reisen mit Viodi und Rode durch die halbe Welt und erleben
im Ende des 18. Jahrhunderts eine bisher fast ungeahnte
Blüte der Bratschenlitkeratur. Würdige Gestalten wie Lolli, bis—
jser von einem Wust entstellender und unmöglicher Anekdoten
zedeckt, werden durch sorgsamste Forscherarbeit gereinigt und
endlich ihrem wahren Wert entsprechend eingestellt. Paganinis
taunenerregende Kunst in Wurzeln und Vorläufern bloßgelegt
iberraschende Schulzusammenhänge des 19. Jahrhunderts au'
ßrund reichster persönlicher Erinnerungen entwirrt und be
viesen. Nirgends verliert sich die Darstellung in gelehrte Neben
ächlichkeiten, in biographisches Einzelwerk, sondern die Hauptinien
der entwicklungsgeschichtlichen Exoberung des Instrumentes
reten in fast romanhafter Spannung allenthalben klar hervor
Man erlebt all die unendlich verschiedenartigen Künstlerper—
önlichkeiten der neueren Zeit wie gute Bekannte, lernt die
dammermusikwerke der Wiener Großmeister vom geigentechnischen
Standpunkt an neu verstehen und streitet mit Spohr oder
Berios um die Grundsätze des Violinunterrichts. Schließlich stellt
ruch noch ein kulturgeschichtlich zusammenfassender Ueberblick
die Eigentümlichkeiten des neuesten Virtuosenschlags als not—
vendig gewachsen fest, und persönliche Wärme verklärt die
Bestalk Altmeifter Joachims, die natürlich im Mittelpunkt des
9. Jahrhunderts steht. Stammbäume der wichtigsten Geiger—
chulen beschließen den über 600 Seiten starken Band Gerlag
Max Hesse, Berlin), mit dem eine einzigartige Lebensarbeit
»or uns liegt. Niemand anders als der Biograph Joachims
»er Herausgeber der Bachschen Solosonaten und Schubertschen
Ztreichquartette, konnte die große Aufgabe in solcher Weise
ösen, der Dank aller gebildeten Violinbeflissenen wird ihm auf
ange hinaus gewiß sein, und die Musikwissenschaft ist durch
diese Arbeit in erheblichster Weise gefördert worden, da in
offenbar jahrzehntelanger Mühewaltung zahllose seltene Werke
auch heute uns verschlossener ausländischer Büchereien für das
Mosaik der historischen Vorarbeiten zusammengetragen worden
sind. Wieder eine deutsche Gelehrten- und Künstlerleistung, auf
die wir stolz sein dürfen, und die auch das Ausland lebhaft
deachten wird Prof. Dr Hermann VWfundwirt