Full text : 5.1927-1928 (0005)

Seite 46 II. Saar⸗SEãnger⸗Bund UIIPltluu rlüneh, Nr.“
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Carlo Dolhei: Die heilige Cäcilia.
E⸗ muß ein frommes, inniges Lied sein, das die fällt auf die ganze liebliche Gestalt, während ein
ausdrucksvollen Hände der heiligen Cäcilia dunkler Hintergrund gleichsam die Lauscher fern
auf Dolcis Bild der hält und die Heilige
Orgel entlocken .. mit ihrem Instrument
So versunken sitzt die ganz eintaucht in das
Heilige vor dem hohen Reich der Musik, das
Instrument, das feine in seinem innerlich—
Köpfchen horchend ge⸗ sten Ziel emporhebt
neigt, den Blick nach zu Andacht und Ver—
innen gerichtet. In klärung.
dem reinen, fast herben Weltenfern ist die
Profil, dem nur der Seele der Spielerin,
leicht geschwungene ganz hingegeben den
Mund eine weiche Tönen, in die sie ihre
Linie gibt, offenbart Gebete ausströmt.
sich innerste Ergriffen— Carlo Dolci (gest.
heit und Andacht. 1686 in FSlorenz)
Die schwere, kostbare gehört nicht zu den be—
Kleidung hebt die deutendsten Malern,
Zartheit des Kopfes aber sein Bild der
und die rhythmische Cäcilia ist volkstüm—
Beseeltheit der Hände lich geworden durch
noch mehr hervor. die zwingende Innig—
Es bedurfte kaum keit des Ausdrucks.
der Lilien und des Heiligenscheins, um die die in dem Beschauer ein Ahnen aufsteigen läßt
Heiligkeit der Spielerin anzudeuten. Helles Licht von der tiefsten Seele der Musik. Kl. Bongard.

Die O
X rgel.
denen jede wieder zehn Löcher hatte, und jedes Loch
gab einen bestimmten Ton. König Salomo soll ein
besonders kostbares Instrument dieser Beschaffenheit be—
fessen haben.
Griechen und Römer kannten die sogenannten Wasser—
orgeln, die bei ihnen beliebte Zimmerinstrumente bil
deten. Tertullian schreibt ihre Erfindung dem Archi—
medes zu. Ob er Recht hat, wissen wir nicht, denn
Plinius behauptet das gleiche von Ktesibius von
Alexandrien, der um 120 v. Chr. lebte. Wahrschein
lich gebührt diesen bloß das Verdienst, Verbesserungen
beim Orgelbau eingeführt zu haben. Auch die Byzan—
tiner waren frühzeitig Freunde des Orgelspieles. Kaiser
Julian soll eine Orgel besessen haben, bei deren Be—
schreibung die Klavictur erstmalig erwähnt wurde
Ueberhaupt genoß Byzanz den Ruf großer Kunstfertig—
keit im Orgelbau. Pipin der Kleine ließ sich im Jahre

Pehr häufig hören wir die Orgel die Königin der
Musikinstrumente nennen. Da sie in der Tat ge—
eignet ist, die schwierigsten musikalischen Komposi—
tionen zum vollkommensten Ausdruck zu bringen, wozu
sonst mehrere Instrumente vereint sein müßten, so
steht ihr dieser Ehrentitel mit vollem Rechte zu. Von
der Majestät ihrer Klänge überwältigt, ist gewiß auch
schon mancher Glaubensschwache in die Knie gefunken,
wenn ihre mächtigen Akkorde durch das Schiff der Kircheé
brausten. Ihre Geschichte reicht bis ins ferne Altertum
zurück. In der Bibel ist wiederholt von Musikinstru—
menten die Rede, in denen wir unschwer die Vorläufer
unserer heutigen Orgel erkennen. Die alten Hebräer
nannten sie Megrapha, und im Talmud finden wir
die ziemlich genaue Beschreibung eines solchen Pfeifen—
werkes. Dieses wird als ein Kasten mit zehn Löchern
geschildert, worin ebensoviele Pfeifen standen. von
            
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