RNr. 26.
Saar⸗Sänger⸗-Bund
l Seite 3)
Amerikanische Beethoven⸗Ehrung. In einer kleineren
nordamerikanischen Stadt wurde kürzlich eine Beethoven—
Büste enthüllt. In seiner Weiherede führte u. a. das Stadtoberhaupt
folgendes aus (vorausgegangen ist die 5. Sym—
phonie): ... „Wir leben hier gewiß in einer musikalischen
Stadt, aber ich darf die Behauptung wagen, ohne Wider—
spruch befürchten zu müssen, daß wir kaum 5—6 Einwohner
umnserer Stadt nennen könnten, die heute imstande wären,
ein solches Werk zu verfertigen.“
Die Stadt Trier hat den dortigen Gesangvereinen 1500
Reichsmark zur Veranstaltung größerer Konzerte zur Ver—
fügung gestellt.
Der Unterbund Bergisch-Land des Rheinischen Sänger—
bundes bereitet eine große Kundgebung vor. Die Stadt
Remscheid hat einen Garantiefonds von 5000 RM. ge—
zeichnet.
Das Protektorat der Bonner⸗-Beethoven-Feier hat Reichs—
präsident von Hindenburg übernommen.
In dem Rahmen der Donaueschinger⸗-Kammermusikfeste
wird in diesem Jahre das erste Mal die Jugendmusikpflege
einbezogen werden.
Vom 11. Juni bis 28. August findet in Frankfurt a. M.
die Internationale Ausstellung „Musik im Leben der
Bölker“ statt. Neben reichlichen Ausstellungen in 6 Ab—
teilungen (Musikhistorische, Ethnographische, Musikpflege und
musikalische Erziehung, Instrumentenbau, mechanische musi—
kalische Instrumente und Radio und Musikalienverlag)
werden vor allen Dingen die musikalischen Veranstaltungen
interessieren. Das vorläufige Programm nennt Konzerte
einheimischer und fremdländischer Orchester (Holland, Ita—
lien, China, Spanien, Frankreich), Opernfestaufführungen,
Chorkonzerte deutscher und ausländischer Vereinigungen und
ein Internationales Arbeiter-Musikfest. Auch die Jugend—
musikbewegung wird gesondert vertreten sein.
In großzügiger Weéise feiert Berlin Beethovens 100
Todestag. Folgendes Programm ist für die Feier, die sich
über drei Tage erstreckt, aufgestelltt Am 26. und 28.
März finden Chöre von Beethoven unter Mitwirkung der
beiden großen Berliner Sängerbünde ihre Aufführung, die
ührerseits eine Darstellung von „Fidelid“ in der Städtischen
Oper am 27. März einrahmen. Die Preise zu diesen Ver—
anstaltungen werden so gehalten sein, daß es jedermann er—
möglicht wird, sie zu besuchen. Darüber hinaus ist die
Schaffung einer Beethvven-Stiftung über 10000 Mk. in
Aussicht gestellt. Fernerhin sollen jeder städtischen Lehran—
stalt zwei leichte Tonwerke des Meisters zugestellt werden
um die heranwachsende Jugend in die Kunst Beethovens
einzuführen. Statt des in Berlin geplanten Beethoven—
Denkmals soll nun ein Beethoven-Konzerthaus entstehen.
Auf besondere Weise will der Welt-Musik⸗- und Sanges⸗
bund den Großmeister deutscher Musik L. van Beethoven
im seinem 100. Todesjahr ehren. Dieser Bund plant die
Errichtung einer riesigen Tonhalle in Wien. Es soll Raum
geschaffen werden für 10000 Zuhörer und bis 4000 Mit—
wirkende. In Verbindung damit soll ein Musiker- und
Sängerheim für Bedürftige geschaffen werden. Ohne Zweifel
wäre durch das Gelingen dieses Planes der ganzen musika—
lischen Welt eine Zentrale geschaffen. Es wäre zu begrüßen,
wenn der Bitte um Zuwendung von Mitteln an den Welt—
Musifkk- und Sangesbund, die Errichtung dieses gewaltigsten
Denkmals zu ermöalichen, reichlich Rattgegeben werden
würde.
Auch Frankreich will, auf Vorschlag des Unterrichtsmimnisters
Herriot, den Todestag Beethpvens durch offizielle
Feiern ehren.
Die Allianz-Filmproduktion hat es unternommen, einen
Beethoven-Film „Der große Einsame“ herzustellen. Es ist
damit zu rechnen, daß der Film am Todestag des Meisters
der Töne bereits an vielen Stellen zu sehen sein wird.
Zu Beethvvens Gedächtnis fanden in Düsseldorf im
Kansersaal der Tonhalle der Chor der Gefangenen aus
„Fidelio“ und Beethovens 5. Symphonie under Alfred
Zillessen eine glänzende Aufführung.
Im Jahre 1928 haben wir das Andenken Franz
Schuberis zu ehren. Der Wiener Schubertbund plant die
Errichtung eines „Schubert-Brunnens“ in der Nähe von
Schuberts Geburtshaus. Den Sängern deutscher Zunge, die
sich im Jahre 1928 in Wiens Mauern treffen sollen, wird
dieser Brunnen bereits ein Sinnbild der unversiegbaren
Schöpferkraft Schuberts sein, wenn es gelingt, die nötigen
Mittel aufzutreiben. Der Wiener Schubertbund bittet alle.
zu dem Gelingen des Werkes beitragen zu wollen.
In Frankfurt a. M. wird vom 26.-30. April das 5.
Regerfest veranstaltet werden. Die Max-Reger-Gesellschaft
und die Stadt Frankfurt haben in gemeinüsamer Arbeit
Darbietungen und Darbietende von hoher Warte ausge—
vählt, so daß das Gelingen des Festes schon jetzt gewähr
eistet ist.
Die Vorbereitungen zur Nürnberger Sängerwoche, die
om 2.-4. Juli stattfindet, sind in vollem Gange. Allem
Anschein nach verspricht die Veranstaltung ein Fest von
ungewöhnlicher Bedeutung zu werden. In Nr. 11 der
Deutschen Sängerbundeszeitung, die als — unter
dem Titel „Nürnberger Sängerwoche“ erschienen ist, sind
ämtliche Werke, die zur Aufführung in Aussicht genommen
ünd, veröffentlicht, ebenso die Vereine, deren Mitwirkung
eststeht. Erfreulich ist, daß man neben Namen wie Kaun,
Kämpf, Lendvai, auch weniger bekannte Tonsetzer findet,
die noch keine oder nur durch einen engen Rahmen begrenzte
Belegenheit hatten, ihre Arbeiten der Oeffentlichkeit zu
zeigen. Die Stadt Nürnberg ist dem DSB. auf das weiteste
mit ihrer Unterstützung entgegengekommen. Insbesondere
hat Oberbürgermeister Dr. Luppe sich persönlich für das
Fest eingesetzt.
Die zur Nürnberger Sängerwoche eingereichten Komposi—
tionen erreichen die phantastische Höhe von 1835 Stück. In—
olge dieser Hochflut von Anmeldungen hat Geheimrat
Prof. Dr. Zilcher sein Amt im Prüfungsausschuß nieder—
gelegt, da er den dadurch gestellten Anforderungen nicht
erecht werden kann. An seine Stelle trat Prof. K. Thiel—
Bæoerlin.
In Nr. 15 der DSBZ. schneidet der Geschäftsführer des
DeB., Johannes Poppe, die wichtige Frage des Nach-—
vuchses in den Männergesangvereinen an und empfiehlt
die bereits vielerorts eingeführten Jugendgruppen. Dieser
Mahnung kann nicht nachdrücklich genug zugestimmt werden,
möge sie auf fruchtbaren Boden fallen. Jeder Verein
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des Nachwuchses zu sorgen.
Am 3. und 4. April tagte in Wien der Hauptausschuß
des DSB., um sich über den Fortgang der Vorbereitungen
zu der geplanten Riesenveranstaltung durch den Festaus—
schuß des Deutschen Sängerbundes zu unterrichten. In
ꝛiner am Sonntag stattgefundenen gemeinsamen Besprechung
Jab einleitend der Vorsitzende des Wiener Hauptausschusses
Schulrat Jacksch, einen kurzen Ueberblick über die bis—
yerigen Arbeiten, worauf die Obmänner der einzelnen Aus—
chüsse ein Bild ihrer bisherigen Tätigkeit aufzeigten. Vor—
itzender List sprach allen Referenten und dem Wiener
auptausschuß namens des Hauptausschusses des DeB. den
dank für diese wichtige Informationen aus und gab der
doffnung Ausdruck, daß es den vereinten Bemuͤhungen
gelingen werde, dieses gigantische Werk — das 10.
deutsche Sängerbundesfest in Wien 1928 — zu einem un—
umgänglichen Markstein in der Geschichte des Deutschen
Sängerbundes zu gestalten.
(Forfseßung auf Seite 34)
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