Full text : 5.1927-1928 (0005)

Seite 290 hru

Saar⸗Säuger⸗Bund

An Nr. 12

Ernst Wasmuth unter dem Gesamttitel Orbisterrarum eine
großangelegte Kosmographie, die in erlesenen Ausschnitten
die Länder der Erde im Bilde vorführen will. Die be—
reits erschienenen Bände über China, Mexiko, Palästina
und Arabien, Canada, Spanien, Italien, Jugoslawien,
Griechenland, Nordafrika und Tripolis, Tunis, Algier und
Marokko, Skandinavien mit Dänemark, Schweden, Nor—
wegen und Finnland führen uns nach kurzem, aber treff—
sicherem, sachkundigem Geleitwort in einer Fülle meister—
lich aufgenommener Bilder Eigenart und Schönheit fremder
Kunstschöpfungen und landschaftlicher Stätten vor Augen.
Wir wiesen an dieser Stelle schon einmal mit wärmster
Empfehlung auf den entzückenden Deutschlandband hin.
Heute liegt uns der Italien gewidmete Band vor — für
den, der einmal selbst Romfahrer und Italienpilger war,
ein unvergleichlicher Genuß! Aber zugleich ein Buch zum
Lust- und Planmaächen für Ferien und Sommerreisen! Der
geniale Schöpfer des Werkes bringt natürlich Ausschnitte
äus all den italienischen See- und Weltstädten, auf die
sich der Fremdenstrom richtet, aber er ist mit seiner Kamera
auch die seltenen, verborgenen Pfade gewandelt und kündet
nun von heimlicher Schönheit! Das Werk hebt mit Venedig
und der blauen Adria an, geleitet dann über Padug,
Verona, Bologna, Breseia zum Zauber der norditalienischen
Seen. Er bringt Mailand, die italienischen Alpen, Genua
und die Riviera, dann Pisa und Florenz. Siena, Assisi,
Perugia, Spoleto, Urbino, Ravenna, San Marino, Narni,
Viterbo, Orvieto sind nicht vergessen. Und nun kommt
Rom, das ewige Rom! Und so führt uns das Werk in
wunderbaren Bildausschnitten durch Süd-Italien bis nach
Sieilien — in überwältigender Fülle große Vergangenheit,
landschaftliche Schönheit, Meisterwerke der Architektonik
wiederspiegelnd! Glücklich, wer die Welt mit den Augen
des Verfassers sieht! Hier ist Goethes Wort bewährt: zum
Schauen bestellt. Wir wünschen dem Buch und der ganzen
Sammlung einen bevorzugten Platz in jeder Volks- und
Eigenbücherei! St.

deutsche Treue! Hunderte von Exemplaren habe ich in meinen
Zchulen verbreitet. Im Interesse unserer deutschen Brüder
m Ausland bitte ich dringend, in Schule und Verein
diesem billigen Heftchen den Weg zu ebnen. Wir sind den
Pionieren deutscher Art diese kleine Hilfe schuldig!
J. Babel, Budjonnis Reiterarmee, Malik-Verlag, Berlin.
Preis 2,50 Mtk. Halbleinen, 4,50 Mk. Ganzleinen. —
Zier spricht ein begabter junger russischer Dichter zu uns,
zer sebbst in den Tagen des Umsturzes und des Bürger—
rieges in der Reiterarmee Budjonnis als roter Soldat
zekämpft hat. Alles, was er mit andern Abenteurern
uind wilden Bauernsöhnen im Felde, im Biwack, in Schenken
ind im Feuer der Schlachten gegen die weiße Armee erlitten
ind erlebt hat, das läßt dieser romanhafte Bericht
nfarbenreichen, plastischen Bildern an unserm Blick vorüber—
ziiehen. Nur ein solcher Selbstbericht ermöglicht, sich von
den unsagbaren Schrecken dieser Zeit ein Bild zu machen,
»iin Bild des Grauens ... Die gleiche Zeit spiegelt
in in gleichem Verlage erschienener Roman wieder: Michael
ykow von Ilja Ehrenburg, ein Helden- und Schieber—
koman aus Sowjetrußland. — Mit kühnen Strichen wird
hier der Weg eines jungen haltlosen Mannes gezeichnet,
den der Taumel der Zeit von Stufe zu Stufe sinken
und schließlich verderben läßt. Die Darstellung des Helden,
»ie Schilderung seiner Bildungswege, seiner politischen
Irrungen, seiner skrupellosen kaufmännischen Unterneh—
nungen, seiner Ausschweifungen, zeigt Ilja Ehrenburg so—
vohl als Meister phychologischer Charakterisierungskunst wie
ils Meister packender Milieugestaltung. Der rasche, oft
'atastrophale Fortschritt der Handlung läßt den Leser nicht
rus der Spannung herauskommen. Auf der letzten Seite
aingelangt, scheint ihm alles ein wüster Traum gewesen.
dier ist vortreffliche Gelegenheit geboten, sich Einblick in
die zeitgenössische russische Literatur und ihre Probleme
zu verschaffen.

Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke
 von J. M. Forkel, nach der Originalausgabe von 1802
neu herausgegeben mit Einbleitung und ausführlichem Nach—
wort von Joseph M. Müller-Blattau, Bärenreiter-Verlag
Augsburg. Preis 4 Mk., Leinen 5 Mk. — Der rührige
Verlag darf es als ein außerordentliches Verdienst buchen,
das reizvolle Werk Forkels durch diesen trefflichen Neu—
druck der Vergessenheit entrissen und den Bachverehrern
wieder zugänglich gemacht zu haben. Aus dem Werke
Forkels spricht neben der großen Sach- und Faächkenntnis
die Erkenntnis von der Ueberzeitlichkeit des Bach'schen
Genius, das Bewußtsein, daß uns in seinen Werken das
„unschätzbare nationale Erbgut“ hinterlassen ist, das wir
in Hausmusik, Kirche und Konzert in lbebendigem herz—
erhebendem Klingen zu erhalten haben. Seine fesselnden
Lebensberichte über das Bachsche Geschlecht, über Bachs
Leben, über den Klavierspieler, den Orgelspieler, den Kom—
ponisten, den Lehrer und nicht zuletzt den Menschen Bach
durften noch anknüpfen an die lebendige Tradition der
damals noch lebenden beiden ältesten Söhne des Meisters.
Die Bachfreunde sollten an diesem köstlichen Werk nicht
vorübergehen, es bereitet ihnen manche Stunde hoher Freude
und reinen Kunstgenusses!

Musikalisch Hausgärtlein, für die deutsche Jugend und
die Singgemeinde angelegt von Walter Hensel. Heft 2
Halali, altdeutsche Jagdmadigal Heft 8 Der Rosenstrauch
on Adolf Seifert. Im Bärenreiter-Verlag zu Augsburg.
Preis je 0,80 RM. Bei der außerordentlichen Pflege, die
insere Bundesvereine mit Recht dem deutschen Volks—
ied zuteil werden lassen, mußte ihnen jede Befruchtung
villkommen sein. Hier wäre sie in den entzückendsten Volks—
iedsätzen der Singgemeinde gegeben, die zugleich geordnet
ind nach bestimmten Leitgedanken. So das Jägerheft: Mit
Lust tät ich ausreiten, Es wollte ein Jäger jagen, Es jagt
in Jäger geschwinde, Ich schell mein Horn und Es jagt
in Jäger wohlgemut oder im Rosenstrauch: Es steht ein
Lind in jenem Tal, Ach Elslein liebes Elselein, Mir ist
in rot Goldfingerlein, Es wollt ein Mägdlein tamzen
gehn, Sie gleicht wohl einem Rosenstock, Weiß mir ein
ßlümli blaue usw. Ein Teil der Lieder ist für Männer—
hor gesetzt. Ueber allen Liedern liegt der Zauber herber,
iefinnerlicher Schönheit. Musikalisch sind sie von hoher
kindrucksfähigkeit. Sie stellen eine unvergleichlich wert—
olle Bereicherung jedes Volksliedkonzertprogramms dar
das auf eine hohe künstlerische Linie hält.

Das Käthe Kollwitz⸗Werk, 186 Bildtafeln mit einer Ein—
ührung von Arthur Bonus, Dresden, Carl Reißners Ver—
ag, Preis 11 Mk., gebd. 14 Mk. Verlag und Herausgeber
haben ein unbestreitbares Verdienst, durch die vorliegende
nit fast 200 Illustrationen versehene wohlfeile Volksaus—
zjabe auch den weniger Bemittelten eine Ueberschau des
debenswerkes dieser seltenen Frau ermöglicht zu haben.
die Auswahl ist mit großer Saächkenntnis und feinem Ge—
ühl geschehen und stellt nahezu lückenlos das Werden der
Meisterin deutscher Gegenwartskunst ins Licht. Zahlreiche
Zelbstbildnisse aus verschiedenen Lebensepochen, Skizzen
iller Art aus dem rauhen Leben der Wirklichkeit, und
dann Ausschnitte aus ihren großen Cyklen: Die Weber,
der Bauernkrieg, Der Krieg, Das Proletariat — alles
durchweht von dem Geiste einer waäahrhaft religiösen Liebe
zu den Armen, Schwachen, Gebeugten, Verelendeten! Man
ann sich nicht genug wundern über die gewaltige Formen—
prache, in dem diese Frau zu unsern Kindern des In—
»ustrievolks in ihren geistvollen Blättern spricht. Sie ist
vahrhaft eine Königin, eine Prophetin der Menschenver—
»rüderung. Und deshalb sollten alle Deutschen jhrer Pre
zigt von der sozialen Liebe lauschen. Möchte diese treff

Der Deutsche im Auslande, Verlag Julius Beltz, Langen—⸗
salza. Das Zentral-Institut für Erziehung und Unter—
richt in Berlin, der geniale Direktor seiner Auslands—
abteilung, nicht zuletzt aber auch der Verlag hat sich ein
bleibendes Verdienst erworben durch diesfe instruktiven
Schriften über die Deutschen im Ausland. Er—
schienen sind bis jetzt die Bände Chile von
Robert Krautmacher, Direktor der deutschen Real—
schule in Concepeion, Siebenbürgen von Schulrat
Friedrich Müller-Langenthal in Hermannstadt, Trans—
kaukadien von Oberlehrer Jakob Hummel in Helenen—
dorf, Aserbeidschan, Wolgalkand von Peter Sinner,
Dozent an der Deutschen Normalschule in Saratow, und
Banat von Professor Joseph Nischbach, Direktor der
Katholischen Lehrerbildungsanstält in Temesvar. Alle Hefte,
trefflich ausgestattet, mit gutem Bildschmuck versehen, ent—
halten in Poesie und Prosa Ausschnitte aus dem Leben
und der Kulturarbeit deutscher Ansiedler in fremden Lan—
den. Sie sind ein hohes Lied auf deutsche Tüchtigkeit und
            
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