In der Schriftleitung.
Sangaedgude Kunz faltet erst einmal vergnugt die
Haͤnde über sein wohlgerundetes Bäuchlein, streckt sich
dann Jang in den bequemen Sessel, den ihm Tante Eulalia
bereit geschoben hat, tut einen seelentiefen Zug aus seiner
langen Pfeife und liest nun die neueste Nummer unserer
Bundeszeitschrift, die er gestern nacht, sagen wir einmal
gestern abend, aus der Probe mit nach Hause ge—
bracht hat. Das heißt, er liest sie nicht gleich, son—
dern er blättert erst einmal darin herum ... er
schnüffelt, ob nicht ein Bereinsbericht vom
letzten Bierabend zu Ehren des in Ruhestand ver—
setzten Notenwartes darin enthalten sei, nicht wahr.
des Bierabends, auf dem Sangesbruder Kunz doch
eine so gemütvolle Rede auf Notenwarte und deren
Vertreter gehalten hat. Skandal! Nichts zu finden
... lauter Aufsätze über allerlei gelehrte Sachen,
von denen kein Mensch etwas wissen will, Aufsätze
über den ollen ehrlichen Schuster Hans Sachs, über
die seligen „Meistersinger von Nuͤrnberg“ — von
Kl. B. Wer ist Kl. B.ꝰ Der gute Professor hätte
auch wohl seinen Namen ganz hineindrucken können,
denn es steht nichts Ehrenrühriges in dem Auf—
satz. Sangesbruder Kunz hat ihn daraufhin noch
einmal genau durchgesehen. Und dann, o großer
Gott, cin Rufsat über ein illustriertes Nusiklexikon!
Man höre: ein illustriertes Musiklexikon! Für wen
das wohl gut ist! Nach einer eite alter Fratzen
von sogenannten Geigenvirtuosen kommt endlich
etwas Vernünftiges: Posaunen und Trompeten!
Wenn die loslegen, dann gibt es doch wenigstens
Musike!
Und nun folgen „Mitteilungen aus der
Musikwelt“, zum Beispiel von Wertungssingen
und Wettsingen. Das war doch eine schöne Zeit,
wenn man abends schwer geladen vom Preiskegeln,
ich meine Preissingen, mit einer unglaublichen
suppenterrinenförmigen Vase heimkehren konnte ins
Heimatdorf. Ach, die Zeit kommt nicht wieder! Da
ist endlich mal was Schönes: der Gymnasialdirektor
Schriftleitung unserer Bundeszeitfchrift.
von Brilon bedankt sich für ein Beethovenkonzert, bei dem
seinen Primanern so goöttlose Liederterte, wie Beethoven sie
nun mal liebte, vorgesetzt werden sollen. Ganz recht! Für
die höheren Klassen eines Gymnasiums eignen sich weit
besser etwa: Alle meine Enten schwimmen auf dem See,
Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh!, oder
Hänschen klein, zieht allein, in die weite Welt kinein,
oder das männliche: Fuchs, du hast die Gans gestohlen.
Nun folgen wieder endlose Berichte von Kon—
zerten und wieder Konzerten! Ich weiß garnicht, wozu
hie Gesangvereine eigentlich noch da sind. Immer Konzerte
und abermals Konzerte! Man kann noch nicht einmal in
Frieden seinen Schoppen trinken. Und was geht das Sanges—
zruder Kunz aus Klein-Lahmenlungendorf denn überhaäupt
Schriftleitung unserer Bundeszeitschrift.
an, wie laut die Wadgasser oder die Saarlouiser
singen können! Der Lokalpatriotismus fordert, daß
Gutes nur auf dem eigenen Mist wächst. Und nun
empfiehlt uns die Bundeszeitschrift auch noch Bücher.
Als ob nicht jeder Centime seinen Beruf verfehlt
hätte, der nicht verflüssigt wird! Und außerdem hält
Sangesbruder Kunz aus Klein-Lahmenlungendorf
doch zu seiner Weiterbildung das Klein-Lahmen—
lungendorfer Wochenhalbblatt. Es reicht wöllig aus,
um ein Wurstbutterbrot darin einzuwickeln—! Die
Rätselecke hat wenigstens noch Sinn, da können
sich unsere Kinder einmal den Kopf anstrengen. San—
zesbruder Kunz tut es nicht gern ...
Die Lustige musikalische Ecke, die gefällt
ihm aber gut. Es hat doch was für sich, einmal
über die andern so recht aus vollem Herzen zu
lachen. Woher nur alle die Witze kommen? Die meisten
verden sicher nur einfach so gemacht. Aber manche
machen sich auch ganz von selbst. Kommt da eine
Zolinger Taschenmesserfabrik auf den blühenden Ge—
danken:; Sängermesser mit den Partiturnoten
des deutschen Sängerspruches auf dem blanken Leibe
zu vertreiben. Antwortet ihr flugs der Schrift-⸗
führer der „Concordia“ Bous: „Nit großer Be—
friedigung habe ich Ihrem Prospekt entnommen, daß
man endlich dazu kommt, die Sänger zu bewaffnen.
Ein großer Mangel, der sich ganz besonders bei
Sänger-Wettstreiten bemerkbar maächt, wird hierdurch
behoben. Die Folge wird sein, daß künftig die Preis—
ichter angesichts der bewaffneten Sänger jeden Chor mit
er höchstmöglichen Punktenzahl bewerten, so daß alle Ver—
ine hochbefriedigt mit dem ersten Preis näch Hause
ziehen können. Hoffentlich wird auch eine Waffensabrik
ie gute Idee aufgreifen und sich mit der Herstellung eines
Sänger-Revolvers befassen. Nur eins befürchte ich: Es
st bei uns alter Brauch, unsere Konzerte mit dem deuͤtschen
Zängergruß zu eröffnen. Wenn auf einen Wink unseres