Nr. 1211.
Saar⸗Sänger⸗Bund
Seite 275
Uhr geworden. Im Begriff, die Tür zu schließen, deren
Oeffnung durch die laus Sommernacht hervorgerufen war,
trat der Wirtin ein rondierender blauer Polizeiwachtmeister
entgegen, der die Sache als ruhestörenden Lärm auffaßte
uund in seiner Ansicht noch durch verschiedene Nachbarn
unterstützt wurde, die behaupteten, es wäre „gegrölt“ worden.
Nachdem die Personalien der Beteiligten festgestellt worden
waren, war der 1. Akt beendet.
Dann wurde der Wirt als Erfolg der erstatteten Anzeige
zu 100 Mek. Geldstrafe verurteilt, der dagegen Berufung
einlegte, so daß die ganze Angelegenheit vor Gericht zum
Austrag kam.
Nachdem der Richter die Belastungszeugen vernommen
hatte, kamen die Entlastungszeugen zu Wort, zu denen
auch die vier Sangesbrüder gehörten. Nach erstattetem
Bericht über die damaligen Vorgänge wurden die vier
Sänger fast am Schluß der Verhandlung vom Richter
aufgesordert, das Niedersachsenhoch noch einmal so vorzu—
tragen wie damals.
Die Sänger traten auf das erhöhte Richterpodium, und
durch den nüchternen Gerichtssaal klang von den geschulten
und prächtigen Männerstimmen gesungen das „Belcanto“:
„Wo die Weser rauscht,
wo die Heide blüht,
vom Harz bis zum Nordmeer:
Heil dir, du deutsches Lied.“
Zum erstenmal machhte sich dabei die vorzügliche Akustik
des Raumes auch für Gesangsvorträge bemerkbar. Richter,
Staatsanwalt, Zeugen und Verteidiger nahmen die Dar—
hietung mit großem Beifall auf. Der Richter dankte den
Sängern für das Lied und erklärte dem Ankläger gegen—
über, daß die Ueberzeugung wohl allgemein jetzt vorhanden
sei, daß dieser Gesang nicht unter den Begriff „Grölen“
falle. Fr wünschte, daß in allen deutschen Landen das
deutsche Lied so zum Vortrag und Ausdruck kommen möge,
wie es hier geschehen sei.
Dann beantragte der Staatsanwalt Dr. Brüning Frei—
prechung, die das Gericht nach kurzer Beratung verkünderte.
Möge dieses Beispiel moderner Rechtsprechung auch auf
indere Arten Gelegenheiten Anwendung sinden. Für die
Zänger und ihren Verein wird dieser schlagende Beweis
eine gerechte Anerkennung sein und von allen Sänger—
kreisen freudig aufgenommen werden.
FKleine Vachrichten.
Der Magistrat von Potsdam bewilligte der „Vercinigung
zer konzertierenden Chöre Potsdams“ zur Beschaffung von
Noten 2000 Mark. — Allmählich scheinen sich die Stadt—
»ehörden von der Notwendigkeit einer finanziellen För—
zerung der Gesangvereine zu überzeugen. Hoffentlich folgen
zald andere Städte nach.
Blättermeldungen zufolge ist Dr. Kurt Singer, ein
Berliner Arzt und Bürgerdeputierter, in der städtischen
stunstdeputation zum stellvertretenden Intendanten der Ber—
liner städtischen Oper ernannt worden. Dr. Singer ist
Dirigent dez Berliner Aerztechors; er ist auch muskischrift—
tellerisch tätig gewesen.
Richard Strauß. Richard Strauß veröffentlicht dem—
rzächst im Verlag von F. E. C. Leuckart in Leiyzig einen
Zzyklus sür Männerchor und Orchester auf Dichtungen von
J. von Eichendorff: „Die Tageszeiten“ (Morgen — Mittag
— Abend — Nacht). Dieses Werk wird anläßlich de—
10. Deutschen Sängerbundesfestes in Wien im Juli dieses
Jahres durch den Wiener Schubertbund unter Leitung von
Professor Viktor Keldorfer seine Uraufführung erleben und
adurch dem Fest ein ganz besonders künstlerisches Gepräge
»erleihen. Der Meister hat den Chorsatz so gestaltet, daß er
den Vereinen keine besonderen Schwierigkeiten bereitet
benso geht die Besetzung des Orchesters über den gewöhn—
ichen Rahmen nicht hinaus, so daß damit die Voraus
eßungen für weiteste Verbreitung des Werkes gegeben sind
LEIhqcu a ein 6. m. h. R.
Eisenbahnstrahe 400/ Breitestrabße 65
* Spezialhaus für bessere
ferren- und nahen-Gleidums
Ioo Iren Q ri
x Gaarbrücken, Friedrich⸗Ebertstraße 10*
— s
—A
——— ——
—13
— — ⏑
2
—
kigene Werkstõtte
für Maß- und Konfekftions-Schneiderei.
Unierricu
Damen u. Herren
in Schonschreiben, Rechnen, Rechischreiben, Kurzschrift verschiedener
Systeme, Maschinenschreiben, Buchführung, Korrespondenz,
Handelekunde mit Schriftverkehr einschl. Wechsellcunde,
fFormuiariente und Banicyversehr, Rundschrift, Französisch usw.
Prospekt frei / Teélephon 2428
Tages- und Abendkurse. 378
Anmelduunsen werden fasl. 2u zeder Zeit entgegengenommen
Kaufmãannische Privats chule von
E. LANGHEINRICE,
Saarbrücken 3 3: Kaiserstraße 33.
SXNGER-TRINXI HOLKURI