Seite 2741 Saar⸗Eänger⸗Vund su
von Moldenhauer, „Abend, Nacht und Morgen“, vor—⸗
gesehen.
U Nr. 12
veniger wertvollen Zerstreuungen und Amüsements ab—
zuwägen, so bedeutet das für das Verhalten einer künf—
igen Generation sehr viel. Man konnte das gestern im
Saalbau, wo Hunderte von Kindern den Klängen klas⸗-ischer
Musik lauschten, ahnen; man sah die gespannten
Besichter, die leuchtenden Augen, das „wesentlich auf die
Musik eingestellt sein“, ohne alle gesellschaftliche Rücksicht
ruf äußerliche Dinge; man hörte schließlich den tausend—
achen Beifall, der aus innerer Freude kam, jubelnd auf—
teigen — ein Erlebnis, wie man es im Konzertsaal für
kẽrwachsene ach so selten findet. Wenn diese unverbil—
zeten Kinder so von Zeit zu Zeit (nicht zu selten!) bis
zu ihrem Eintritt in die Bahn der vorderen Generation
nit guter Musik vertraut gemacht werden, wie es gestern
zum ersten Male geschah, so werden wir in einer ferneren
zukunft nicht über leere Konzertsäle und Theater zu klagen
zaben: denn wer darum weiß, was er versäumt, der ver—
äumt nur im Notfalle.
In sehr netter und eindringlicher Weise hat General—
nusikdirektor Lederer den Kindèrn vor Beginn des Kon—
zertes die einzelnen Instrumente vorgestellt und sie auf
ihre Eigenarten aufmerksam gemacht. Lederer ist also nicht
nur ein ausgezeichneter Generalmusikdirektor — er ver—
steht auch etwas von Musikpädagogik. Erst eine ständige
Sinrichtung solcher Schülerkonzerte wird es erlauben, die
ungen Menschen langsam mit Form, Wesen und Inhalt
infonischer Musik vertraut zu machen. Der Anfang war
gut Hoffen wir,
aß die Stadtschul⸗
verwaltung alles
daransetzt, aus die—
sem Anfang eine
ständige Einrich⸗
tung zu machen.
Das erste Pro—
zramm umfaßte eine
Sinfonie vonHaydn,
ein Sereichquartett
oon Mozart und die
Freischützouvertüre.
Dr. A. R.“
5000 Fahnen
beim Wiener
Festzug.
In dem in Wien
anläßlich des 10.
Deutschen Särger—
bundesfestes statt—
findenden Festzuge
werden neben zahl—
reichen Fastwagen,
Trachtengruppen usw. allein gegen 5000 Vereinsfahnen
dertreten sein, die aus allen Teilen des Reiches die Ver—
eine begleiten werden. Unter ihnen befinden sichh zahlreiche
vertvolle alte Stücke, die schon seit Jahrzehnten das Symbol
der Vereine bilden. Der Festzug, der über die Ringstraße
ich bewegt, wird im Prater endigen. Ein Teil der Rotunde
vird eigens für die Aufbewahrung der Fahnen hergerichtet.
msassende Sicherheitsmaßnahmen gegen Feuer und Dieb—
tahl find vorgesehen.
Der RKomponist Simon Breu.
Am 15. Januar wurde Simon Breu, einer unserer oft—⸗
genannten deutschen Männerchorkomponisten, in völliger
geistiger und körperlicher Frische 70 Jahre alt. Er wurde
1858 in Simbach am Inn geboren; seit vielen Jahren lebt
er in Würzburg. Lange Jahre leitete er den „Würzburger
Liederverein“ und als Nachfolger V. Ed. Beckers auch den
„Akademischen Gesangverein“. Seit 1894 ist er Lehrer am
Würzburger Konservatorium. 1907 wurde er Professor.
Seit 1924 lebt Breu im Ruhestand. Seine Stärke besteht
in einer ihm eigenen volkstümlichen Frische, die ihm eine
große Popularität gesichert hat. Sein Haupterfolg war
„Frühling am Rhein“, ein Männerchor, der zur Zeit seines
Erscheinens eine fast beispiellose Verbreitung gefunden
hat. Nicht weniger als dreimal wurde auf den großen
Sängerbundesfesten diese Komposition vom Massenchor ge—
sungen, in Graz 1902, in Nürnberg 1912 und in Han—
nover 1924. Auch eine Reihe anderer Chöre sind weit—
hin bekannt geworden.
Sinfoniekonzerte für Volksschulen.
Wir entnehmen der „Saarbrücker Zeitung“ folgenden, für
uns aus musikpäd—
agogischen Gründen
überaus bedeutsa—
men Bericht:
„Am gestrigen
Vormittag spielte
das städtische Or⸗
chester unter Lei—
tung des General⸗
musikdirektors Felix
Lederer zum ersten
Male vor Volks—
schülern. Der Ge—
danke, eines unserer
besten Kulturinsti—
tute in dieser Weise
der Volksbildung
dienstbar zu machen
ist so außerordent⸗
lich wertvoll, daß
wir an diesen ersten
Versuch einige Be—
merkungen knüpfen
möchten. Es wird
allenthalben dar—
über geklagt, daß
der Wert der öffent—
lichen Kunstinstitute im umgekehrten Verhältnis zu der
Nächfrage nach starken künstlerischen Leistungen steht. Theater
und Orchester können nur durch jährliche Zuschüsse erhalten
bleiben. Trotz der gesellschaftlichen Umwälzung nach dem
Kriege werden zum Beispiel die Sinfoniekonzerte immer
noch viel zu stark als gesellschaftliche Zusammenkünfte, als
Gelegenheiten, schöne Kleider und noch schönere Schmuck—
sachen zu zeigen, angesehen. Der eigentliche Zweck der
Sinfoniekonzerte bleibt für allzu viele nur ein Mittel, um
ihre Eitelkeit zu befriedigen. Ganz langsam vollzieht sich
eine Wandlung in diesen Dingen. Warum langsam? Nun
wir wissen ja selbst, wie schwer es ist, einer erwachsenen
— um nicht zu sagen alten — Generation traditionelle Vor—
urteile zu nehmen. Ein neues Lebensgefühl kann nur von
einzelnen emporgetragen werden, und diese einzelnen sind
stets auf die Mitwirkung der Jugend der kommenden Ge—
neration, angewiesen. Die Jugend macht das zur Selbst-—
verständlichkest, was eine alte Generation als Verstoß gegen
re und Tradition ablehnt. So ist es auch mit dem
Musikbedürfnis der Masse. Nur Arbeit auf weite Sicht
wird daran etwas bessern und ändern können. Wenn die
Stadtschulverwaltung heute ihre Schüler in die gute Musik
— das Schmerzenskind der Schule — im großen einführt,
wenn heute schon den Schülern Gelegenheit gegeben wird,
uch von der Schonheit und dem inneren Reichtum guter
Musik überzeugen zu lassen und man ihnen dadurch die
Möglichkeit gibt, ernsthafte Kunst gegenüber anderen
Berta Pahlke. Andacht.
Männergesang im Gerichtssaaul.
Wir lesen in den „Bremer Nachrichten“ vom 8. 5
Ein sehr interessantes Urteil für alle Sängerkreise fällte
ürzlich ein Bremer Gericht unter Vorsitz des Richters
dr. Steengrafe in einer Berufungsverhandlung gegen vier
Mitglieder der Quartettvereinigung „Unterweser“ und einen
Wirt aus der westlichen Vorstadt.
Im Sommer vergangenen Jahres hatten die vier Sanges—
zrüder nach Beendigung der montäglichen Uebungsstunde
hren Freund, den beklagten Wirt, in seiner Restauration
nufgesucht, einesteils, um die trockenen Kehlen anzufeuchten,
andernteils, dem Freunde einen Besuch abzustatten. Wie
das meistens bei Sängerbesuchen der Fall ist, fand die
begrüßung in Form des Gesanges statt, und zwar erklang
»as Niedersachsenhoch „Belecanto“. Leider stand dabei die
Lußentür der Wirtschaft offen, und es war inzwischen 23.30