Full text : 5.1927-1928 (0005)

—A

sn Saar⸗Sänger⸗Bund s

j Seite 2738

lautet: Ar meitner Besprechung der städt. Sinfoniekonzerte
unter Felix Lederer habe ich bereits auf die hohe Kultur—
mission der deutschen Kunst an der leidenschaftlich umstrit—
tenen Saar hingewiesen. Als Träger des deutschen Ge—
dankens erwiesen sich auch in der hinter uns liegenden
Konzertzeit die dreihundert im Saar-Sänger-Bund zu—
sammengeschlossenen Männergesangvereine und führenden
gemischten Chöre dest
Saargebiets. Sie stehen
in der deutschen Sänger—
schaft an erster Stelle in
der bewußten und ent—
schiedenen Abkehr von den
aus der Liedertafelei über—
nommenen Preis- und
Wettsingen, und sie för—
dern sichtbar ihren Auf—
stieg aus dem Handwerk—
lichen zu echter Kunst
durch Pleg der auf
idealer Grundlage er—
wachsenen Wertungssin—
gen Seit Hans Bongard
mit seinem Mitarbeiter—
stab an der Spitze steht
und mit dem Bundes—
chormeister Otto Schrimpf
diese Entwickelung leitet,
haben zahlreiche Vereine
ihr volksbildendes und
volkserzieherisches Schaf—
fen in wertvollen Kon—
zerten — Musiklieder—
abenden — vielfach be—
zeugt. Unter den ge—
mischten ren ragen
hervor: Musikverein Har⸗
monie“, der unter Prof. Skohoutil erfolgreich große Orchester⸗
werke herausbringt und dazu in letzter Zeit sich auch die
Pflege der Kammermusik angelegen sein ließ, die Gesell—
schaft der Musikfreunde, die im Vorjahre unter Musik—
direktor Viktor Cormann u. a. trefflich „Jephta“ und die
O-Dur-Messe Beethovens zur Aufführung brachte, und
der ev. Kirchenchor St. Arnual, der unter Fritz Grebe
Oratorien und wertvolle
Chorkompositionen darbie—
tet, wie endlich der Gesang⸗
verein Saarlouis, der un—
ter dem Stabe von Dr
Dadder recht gut Haydns
„Jahreszeiten“ heraus⸗
brachte. Nachdrücklichste Er—
wähnung verdienen der
neugegründete Lehrer-Ge—
sangverein und der städt
Frauenchor, die beide unter
der Leitung des musik—
adagegigh außerordent⸗
ich erfolgreich tätsgen akad.
Musiklehrers O. Schrimpf
stehen und neben eigenen
Konzerten die großen Auf—
führungen des städt. Sin—
fonieorchesters unter GMD.
— betreiben. dV.
ehrergesangverein erwar!
9 weitere Verdienste
durch Kammermusikabende
deren inneren Wert er
durch einführende Vor—
träge (Anschütz, Bongard,
Dr. Raskin) erhöhte. Stun—
den stiller künstlerischer Be
sinnung bereiten die regel—
mäßigen Orgelkonzerte des Meisterorganisten der Ludwigs—
kirche Karl Rahner, sowie Klavierabende der Pianisten
Walther Kaempfer, Joseph Contz und Hermann Griem,
der übrigens soeben von einer sehr erfolgveichen Konzert⸗
reise aus Skandinavien zurückgekehrt ist. Inzwischen hat
das Stadttheater in Eugen Felber aus Beuthen einen neuen
Intendanten von trefflichem Ruf erhalten, so daß wir

ꝛiner weiteren günstigen Entwicklung des künstlerischen
debens an der deutschen Saar mit guten Hoffnungen ent—
gegensehen dürfen.

Professor Hugo Rüdel.
Am 7. Februar wurde Prof. Hugo Rüdel, der Leiter des
Berliner Staats- und
Opernchores und Chor—⸗
meister des Berliner
Lehrergesangvereins, 60
Jahre alt. 1868 in
Havelberg (Mark) geboren
als Sproß einer altein—
gesessenen Musikerfami—
lie, war er zunächst Wald—
hornist und als solcher
1894 Mitglied des Kölner
Gürzenichorchesters. Spä—
ter gehörte er u. a. in
Berlin dem berühmten
Bläserquintett der Kgl.
Kapelle an. Sein Ruf
als hervorragender Wald—
hornist drang weit über
die Grenzen Deutschlands
hinaus. 1896 berief man
ihn als Professor für
Waldhorn an die Ber—
liner Hochschule für Mu—
sik. Fast gleichzeitig wurde
er Leiter des Opernchores,
den er mit solchem Er—
folg führte, daß er we—
nige Jahre später Direk—
tor der Bayreuthischen
Chöre wurde. Die außer—
ordentliche Leistung in der „Lohengrin“Aufführung 1908
und 1909 trug ihm Weltruhm ein und gab den Anstoß,
daß er die Leitung des Berliner Domchors übertragen er—
jielt. In dieser Stellung ist er nicht nur ein behutsamer
uind treuer Pfleger der großen Tradition des bedeutenden
Lhores gewesen, sondern hat in nie ermüdender Arbeit
Wesentliches für dessen Weiterentwicklung ian Auf zahl⸗
reichen onzertreisen des
Domchores im In- und
Auslande haben Tausende
und aber Tausende reli—
giöse Erbauung und künst—
lerische Erhebung erfahren.
Seine Erfolge mit dem
Domchor auf der ersten
Auslandsreise nach Ruß—
bland trugen Rüdel im
März und April 1914 eine
Einladung nach Moskau
und Petersburg ein, wo
er mit großen russischen
Chören und einem vorzüg—
lichen russischen Orchester
sechs Aufführungen der H⸗
Moll-Messe von Bach so—
wie von Kantaten und
Motetten einstudierte und
dirigierte. Mit fast allen
Zweigen des musikalischen
Jebens vertraut, vereinigt
Rüdel in seiner Person
das Musik-Erleben der
Epoche von den achtziger
und neunziger Jahren an
bis heute. 1917 übernahm
er die Leitung des Ber—
liner Lehrergesangvereins
als Nachfolger von Professor Felix Schmidt.
Durch sein Bestreben, der modernen Männerchorlitera—
tur Geltung zu verschaffen — er führte zuerst „Hymne
an das Leben“ von Baußnern und „Edward“ von Molden—
zauer auf —, leistet er dem Männergesang unschätzbare
dienste. Auch für das Jubiläumskonzert, das Anfang
März stattfindet, ist ein nachgelassenes 16stimmiges Werk

Berta Pahlke. Sehnsucht.

Berta Pahlke. Siegfried.
            
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