Full text : 5.1927-1928 (0005)

Nr. 115

Saaur⸗Saͤnger⸗Bund

Seite 265

leben wollen. Die Augen werden uns darüber geöffnet,
daß wir von dem Volke sind, das „eingeschnürt sitzt zwischen
Wasgen- und Böhmerwald, zwischen einer kurzen Ecke
Nordsee und zwischen einer Ostseelänge und Rußland. Wir
sind von dem Volke, das den vierten Sohn in das fremde
Ausland verschwenden mußte und das von drei Bauern—
jungen zweie vom Felde und aus den Wäldern und Heiden
in die Fabriken weisen muß und in die Städte, damit
sie nur leben können, und das von drei Mädchen immer
eines ohne Mann gehen läßt vor lauter Gedrängtheit, und
wo jeder dem andern zornig und zankend auf den Teller
sieht, und wo reinliche Abenteurer Schurken wurden, weil
sie keine Gelegenheit fanden für ihre eigentümlichen un—
ruhigen Kräfte“. Wir danken dem Dichter dieses große
Werk, das in seiner reisen, gehobenen Sprache und mit
seinem fesselnden Romangehalt wertvollstes Literaturgut
bleiben wird. Darüber hinaus aber wird Hans Grimm
mit seinem hohen nationalen Ethos zum Sprecher Deutschlands.
 Endlich taucht aus dem Stimmengewirr, ruhig und
klar, die Stimme auf, der sich keiner wird verschließen
können. Der Deutsche nicht, denn welcher Partei er auch
sei, es wird ihm dünken, als begänne in diesem Buche sein
eigenes Herz hörbar zu sprechen, der Ausländer nicht,
weil er, betroffen und gepackt, auf einmal einen Ton ver—
nehmen wird, der noch nie erklang, und bei dem er emp—
finden wird, daß er von nun an nie mehr verklingen kann.
Hans Grimm, bekannt durch seine „Südafrikanischen No—
bellen“, durch den „Gang durch den Sand“, durch die
unerhört plastisch erzählte Olewageen Saga“, Hans Grimm
schuf nun das deutsche Buch, die Bibel vom Deutschtum ...
Einen Roman könnte man sie nennen, diese Geschichte von
Cornelius Friebott, dem Weserländer Bauernjungen, dem
Burenkämpfer, Jammer- und Wanderredner von der deut⸗
schen Not, aber sie ist viel mehr als ein Roman. Dieses
Buch enthält die keuscheste, süßeste deutsche Liebesgeschichte
seit Hartmann von der Aue — dieses Werk enthält das
Bitterste an Selbsterkenntnis und an Erkenntnis der Un—
geheuerlichkeit des deutschen Schicksals, was je empfunden
und herausgeschrieen worden ist. Man kann auch lautlos
schreien — — Mit bezwungener, männlich herber Stimme
spricht Hans Grimm uns endlich aus, was gesprochen
werden mußte, wenn wir Deutsche nicht ersticken sollten
im eigenen Blute. An diesem Buche kann keiner vorüber—
gehen, kein Mann und keine Frau. An diesem Buche kann
kein Kalter mehr kalt bleiben, kein Lauer mehr lau, kein
Einzelner mehr einzeln. Wie er, wie sein Sonderschicksal
mit Deutschlands Schicksal verknotet ist, worauf es hinaus—
läuft und wie es zu wenden ist — die Zusammenhänge,
das wird eingehämmert und kann nie wieder vergessen
werden. Durch deutsche Wälder und Steinbrüche, durch
Ruhr-Bergwerke, Werkstätten und Kasernen, über afrika—
nische Wüsten und Schlachtfelder, über Edelsteinminen und
durch deutsche Farmerhäuser, durch sternflammende afrika—
nische Nächte und durch englisch-afrikanische Zuchthäuser
führt der Weg und mündet, in der Gegenwart, wieder im
Weserwalde — das Leid der Auslandsdeutschen im Kriege
und nach dem Kriege schreit auf; auf des kranken Deutsch—
lands tiefste Wunde legt Hans Grimm die Hand und

pricht: Steh auf und wandle! Wieil aber Schicksalskraft
in diesem Dichter und Seher zu walten scheint, meint man,
d0ä Erbeben schon zu spüren, in dem der Kranke stch
trecken und aufrichten wird.
D'ie Mode, Menschen und Moden im Mittelalter, vom
Untergang der alten Welt bis zur Renaissanee, nach Bildern
und Kunstwerken der Zeit ausgewählt und geschildert von
Max von Boehn, München, Verlag F. Bruckmann A.G.
Preis 6.,.50 RM. Der durch seine kulturgeschichtlichen Werke
über Mode und Trachten berühmte Verfasser Mar von
Boehn legt hier ein hochinteressantes Werk vor, das erst—
nalig den Versuch macht, die Entwicklung der Mode an
der Hand der gleichzeitigen Kunstdenkmäler aufzuzeigen.
Zo blättern wir denn in dem prachtvollen Werke wie in
ziner Kunstgeschichte: Fresken, Elfenbeinschnitzereien, Mo—
ai?en, Miniaturen, Wandgemälde, Federzeichnungen, Grab⸗
teinplatten, Evangelien, Pfseilerfiguren, Skulpturen, Per—
zamentmalereien, Wirkteppiche, Altarpredellen, Sdielkarten,
Truhenbretter, Holzschnitte, Bildnisse und Gemälde aller
Art geben das Veranschaulichungsmaterial ab für die
darstellung der Mode in den oberen Ständen bis in die
zeiten Dürers hinein. Das Zurückgreifen quf die zeit—
jenössischen Kunstdarstellungen sichert den Ausführungen
iußerordentliche Beweiskraft und Lebendigkeit. Man ver—
tieft sich immer wieder ern in dieses entzückende Werk, das
vahrlich mehr bietet als eins sachlich-gelehrte Darstellung
rus der Trachtenkunde, das vielmehr eine Quelle des
venusses und der Freude ist! Es wendet sich an alle Ge—
zildeten und sollte deshalb unverzüglich den Weg in ihre
zäuser finden, besonders aber dürften Frauen und Mädchen
Rieses köstliche Werk mit besonderem Interesse ansprechen.
Beftens sei es empfohlen!
Hundertfünfzig Jahre Burgtheater, 1776—- 1926. Eine
Festschrift, herausgegeben von der Direktion des Burg—
heaters, Krystall-Verlag in Wien. Preis 4 RM.
Inter Darbietung einer Fülle von Illustrationen des
Baues, der Inneüräume, von Szenenbildern und Porträts
der Großen, die über die Bretter des berühmten Wiener
Burgtheaters geschritten sind, ermöglicht uns die'ses inter—
essante Werkchen, an der Ueberschau über eineinhalb Jahr—
zundert schöpferischer Bühnenkunst teilzunehmen. Bundes—
neister Dr. Emil Schneider leitet mit einem Festaufsatz
ein, Carl Glossy berichtet über die Gründungszeit des
Burgtheaters, Hermann Bahr bespricht die Direktoren,
Felix Salten die Schauspieler, Franz Herterich die szenische
xkͤntwicklung. Auch wird der Autoren gedacht und der zahl⸗
eichen Uraufführungen. Die Thegatergeschichte erfährt durch
diesen Beitrag eine wesentliche Bereicherung.
Deutschlands Knechtschaft und Befreiung, das Zeitalter
der Befreiungskriege im Lichte der Gegenwart von Oskar
Fritsch, mit 1 Titelbild, 16 Tiefdruckbildern auf Tafeln,
74 Textabbildungen und 7. Kärtchen. J. F. Lehmann⸗
Verlag, München. Preis kart. 5 RM. geb. 6 RM. —
In herzerhebender, begeisternder Sprache vergegenwärtigt
ins der bekannte Gelehrte die große Zeit. Deutlich wird,
vas das deutsche Volk vermag, wenn es einig ist. Diesen
prachtvoll gestaltete Ausschnitt aus deutscher Geschichte ist

0
BPPionohcous
*
Socrbrcten, Iαναν-äEberteta.
Deut᷑sche Pionos aller
ewter Marsen gu den
neuerdings bedeutend
4 ermssioten Preisen.
b A Verlaongen Sie bitte genouestes Angebot.

—

Zum Volkstrauertag

am 4. März.
Deutsches Liederblatt 21 Schubert
Sanctus““ und Zum ELingang“
a. d. Deutschen Messe.
Notenmaterial sofort von der Geschaͤftsstelle des
Saar-Sänger-Bundes beziehbar.
            
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