Full text : 5.1927-1928 (0005)

Nr. 11

Saar⸗eSänger⸗Bund

Seite 249

stückes zwischen Zinken und Stiel, des Sattels der Gabel,
übergehen. Auch die Seitenflächen des Sattels, die sich
zur Ansatzstelle des Stieles hin verjüngen, sollen sich ohne
Knicke an die der Zinken anschließen. Die Verjüngungs—
flächen sollen symmetrisch zur Achse der Gabel liegen und
so gestaltet sein, daß an keiner Stelle der Abstand zwischen
einem Punkt des Ausschnittes und der äußeren Ver—
jüngungsfläche weniger als die Dicke der Zinken beträgt
Dabei soll der Sattel solche Form erhalten, daß auf jeder
seiner ebenen Begrenzungsflächen ein Quadrat von min—
destens 10 Millimeter Seite zur Aufnahme von Stem
pelungen freibleibt. Die Achse des Stieles soll mit der—
jenigen der Gabel zusammenfallen. Der Stiel kann mit
Gewinde versehen sein.
Die Gabel soll rostfrei, ihre gesamte Oberfläche, auch
die Innenflächen der Zinken und des Ausschnittes sollen
— poliert und frei von Schrammen und Materialrissen
ein.
Bezeichnungen oder Aufschriften, soweit diese nicht etwa
von früheren Stempelungen der Reichsanstalt herrühren,
dürfen sich nicht auf den ebenen Flächen der Gabel vor—
finden. Firmenvermerke usw. sind auf den Seitenflächen
des Sattels oder auf dem Stiel gestattet. Angaben über
Tonhöhe oder Schwingungszahlen sind auch dort unzulässig.
Die Prüfung einer Stimmgabel erfolgt durch Zählung
der Schwebungen mit Differenzgabeln, die aus der Grund—
stimmgabel eingeleitet sind.
Ergibt die Prüfung, daß die Anzahl der Schwingungen
der Gabel um nicht mehr als 0,5 im Mehr oder Weniger
von ihrem Sollwert abweicht, so wird die Gabel be—
glaubigt. Erweist die Prüfung größere Abweichung, so
wird die Gabel vor der Beglaubigung soweit berichtigt,
daß sie die vorgenannte Fehlergrenze einhält. Für diese
Berichtigung wird eine besondere Gebühr von der Reichs—
anstalt erhoben, falls die Schwingungszahl 437 übersteigt
oder 431 noch nicht erreicht hat. Die Zahlungen richten
sich nach der erforderlichen Arbeit. Dderartige Gahbeln
können aber auch ohne Berichtigung zurückgegeben werden,
wenn deren Ausführung der Reichsanstalt nicht unbedenk—
lich erscheint.
Soll eine Stimmgabel mit Schallkasten (Resonanzkasten)
geprüft werden, so wird diese auf den Kasten ausgedehnt
und uüntersucht, ob der Ton der Gabel durch den Kasten
hinreichend verstärkt ist.
Stimmgabeln zum Handgebrauch, deren Zinken eine
Dicke von mindestens 35 und eine Breite von 7 Milli—
meter haben, sowie Stimmgabeln für Orchesterstimmungen
von mindestens 52 10 Millimeter können auf Wunsch
der Beteiligten als Präzisionsgabeln berichtigt und be—

jlaubigt werden. Die Berichtigung wird dann soweit ge—
ührt, daß die Anzahl ihrer ganzen Schwingungen uͤm
ucht mehr als 0, in Mehr oder Weniger von ihrem
Zollwert abweicht. Die Prüfung solcher Gabeln wird auch
uuf die Veränderung ausgedehnt, welche die Schwingungs—
sadhddureh Erhöhung oder Erniedrigung der Temperatur
ꝛrleidet:
Die Beglaubigung der Stimmgabel erfolgt durch Blau—
inlassen und Stempelung. Diese geschieht durch Einprä—
jung und umfaßt:
1. Das Aufbringen des internationalen Stempelzeichens
(die Zahl 870 in einem Opval) auf eine der ebenen
Flächen des Sattels.
Das Aufbringen der Bezeichnung der Tonhöhe in
Notenschrift und die andere ebene Fläche des Sattels.
Das Aufbringen einer laufenden Nummer und des
Reichsadlers mit Jahreszahl auf die Breitseite einer
der Zinken nahe am obern Ende.
Das Anbringen je eines kleinen Bildes des Reichs—
adlers auf die weißpolierten Endflächen der Zinken.
Bei Beglaubigung von Präzisionsgabeln tritt hinzu:
Das Aufbringen eines fünfstrahligen Sterns uͤnter—
halb der Jahreszahl.
Auf, Schallkästen wird die Nummer der zugehörigen Gabel
und ein Reichsadler mit Jahreszahl aufgebracht.
Bei wiederholter Beglaubigung einer mit einer Stem—
delung der Reichsanstalt versehenen Stimmgabel beschränkt
ich die Abstempelung auf das Anbringen des Reichs—
adlers mit Jahreszahl.
Ueber die Prüfung jeder beglaubigten Stimmgabel wird
»ine Bescheinigung ausgestellt. Diese bekundet, daß die
Zahl der ganzen Schwingungen für die Temperatur von
150 Celsius um nicht mehr als die vorhin angegebene
Fehlergrenze von 435 abweicht. Die Bescheinigung für
Senauigkeits-Stimmgabeln gibt auch die Art der Auf—
tellung und Befestigung an, in der die Prüfung erfolgt
st und nennt die Veränderung der Schwingungszahl für
ine Temperaturerhöhung“ von 10 Grad sowie diejenige
auf ganze Grade abgerundete Temperatur, bei der die
Schwingungszahl der Gabel 435 am nächsten kommt.
Stimmgabeln, die anderen Zwecken als zum Angeben
des internationalen Stimmtons dienen, können nach Er—
nessen der Reichsanstalt auch dann gewrüft werden, wenn
ie vorstehenden Vorschriften nicht genügen.
Die Einführung dieser Prüfungen und Beglaubigungen
ür Normal- und Präzisionsstimmgabeln hat für Wissen—
chaft und Praxis sehr günstige Wirkungen gehabt.
Ingenieur B. Mar Grembpe, Berlin-Friedenau.

5.

Aus der Musikwehlt.
Das 10. Drtse nngrbuddesfen

„Hüben und drüben“ zu schlagen und mitzuhelfen, der
Welt den eisernen Willen zur Vereinigung zu zeigen.
„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern!“ In diesem
Sinne ist auch das zweite große Festkonzert, an dem ein
Massenchor von vielen tausend Sängern auftreten wird,
n seiner Vortragsfolge ganz dem vaterländischen Einigungs—
gedanken gewidmet. Im Mittelpunkte des Festes steht ein
mposanter Festzug, der über den Ring zum Prater sich
zewegen wird. Man rechnet mit 100000 Teilnehmern.

Die Vorbereitungen zum 10. Deutschen Sängerbundesfest,
das Mitte Juli dieses Jahres in Wien stattfinden soll,
sind in vollem Gange. Die Anziehungskraft Wiens, der
alten Kaiserstadt mit ihrer Jahrhunderte alten Tradition,
ist eine ungeheuere; von den 550 000 singenden Mitgliedern,
die die Organisation des Deutschen Sängerbundes umfaßt
haben sich bereits über 125 000 für Wien angemeldet.
Somit dürfte das Fest alles bisher Dagewesene bei weitem
übertreffen. Aus allen Gauen Deutschlands werden Vereine
teils geschlossen, teils gruppenweise nach Wien fahren, um
an der großen Ovation für das deutsche Lied teilzunehmen.
Das Fest selbst, dessen Protektorat Reichspräsident Hinden—
burg und der österreichische Bundespräsident Hainisch über—
nommen haben, wird unter zwei führenden Gesichtspunkten
stehen: Zunächst gilt es den größten Meister des deutschen
diedes, Franz Schubert, zu feiern, dessen Todestag sich
1928 zum huündertsten Male jährt. Meister Schubert ver—
dankt die Männerchorbewegung die hervorragendsten Perlen
ihrer Literatur, die heute noch den eisernen Bestand der
Konzertfolgen bilden; daneben soll das Fest im Anschluß—
gedanken stehen; es soll eine machtvolle Kundgebung des
Willens zur Vereinigung Oesterreichs mit Deutschland
werden. Das deutsche Sied ist berufen, die Brücke zwischen

Bad Vöslau.

Das Jahr 1928 wird viele Tausend Sänger nach
Wien zum R. Deutschen Sängerbundesfest bringen, die zur
Feier des 100. Todestages Schuberts und zur Verherr—
sichung des deutschen Liedes nach der schönen Stadt an
der Donau ziehen. Nicht allein die Stadt Wien wird
»en Anziehungspunkt unserer Sänger bilden, die Um—
gebung, ja ganz Oesterreich soll von den Teilnehmern des
Festes besucht werden. Der Wiener Wald, der Prater, der
Zemmering, werden den Sängern Eindrücke vermitteln,
die fie zu den tiefsten ihres Lebens zählen. Zu den
mpfehlenswerten Ausflugsorten, die gewiß tausende
eutsche Landsleute anziehen, gehören auch die weltbe—
ühmten Bäder der Umgebung Wiens, unter denen Vöslau
vegen seiner modernen Anlaäge eine Sonderstellung ein—
timmt.
            
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