Full text : 5.1927-1928 (0005)

Nr. 1

Saar⸗Sänger⸗Bund

Seite 17

Hom Biüchertissch.

Neue Musikliteratur.
Alle hier aufgeführten empfehlenswerten Chöre können
in der Bundesbücherei eingesehen werden.
3 Chbre aus dem „Westdeutschen Chorverlag“ Essen
Bruns Stürmer: Ich weiß ein Mädegen (aus Süd—
mähren), Hast dur lust, zum Trutzen (aus Nieder-Oester
reich. Das erste ein herber Satz, der nicht alltägliche
Wiedergabe erfordert; das zweite ein leichtes, frisches Lied
mit heitlerem Einschlag. Waldemar v. Baußnern:
Der Pilger, mit Orgelbegleitung. B.'s Name gewinnt, lang
sam, aber umso fester an Bedeutung, auch auf dem Gebiete
des Männergesanges. Sein „pilger“ stellt eine wertvolle
Bereicherung der mittelschweren Konzertliteratur dar:; zu—
gleich ein neuer Beweis wie „modern sein“ nicht modern
sein um jeden Preis heißt. Sehr empfehlenswert.
Verlag Forberg, Leipzig. Heinrich Platzbecker: op.
96 Schwiegermutter Preislied. Unsere Männergesangvereine
haben ndih ein Recht auf leichtere Kost, auf die
leichtgeschürzte Muse. Scherz und Scherz kann aber zweier—
lei sein. Die Trennungslinie zu ziehen, muß man ja letzten
Endes jedem Einzelnen überlassen. Mir jedenfalls geht das
notwendige Verständnis sür diesen nach Kabareit riechenden
Stoff ab, und als Dirizent würde ich mich weigern, meine
kostbare Zeit mit dem Studium von derartigen Dingen
zu vergeuden. Wer einen Männerchor für eine karnevali—
ftische Abendunterhaltung sucht, mag sich immerhin dafür
interessieren. O. H. S.
Pros. Dr. Richard Kötzschke: Geschichte des Deutschen
Männergesanges. Verlag Limpert, Dresden, Preis 7.59 Mk.
Seit Otto Elbens Werk (1887) über den volkstümlichen
deutschen Männergesang ist das vorliegende Buch die erste
größere zusammenfassende Arbeit über das Werden und
die Entwicklung des Männerchorwesens. Auf über 300
Druckseiten behandelt der Verfsasser die Vorgeschichte des
Männergesanges, spricht von Stoff und den ihn zu den
verschiedenen Zeiten pflegenden Gemeinschaften. Im 2. Teile
finden wir die ältesten Gesangvereine und die bedeutendsten
Vertreter der Männerchorkompositionen, um dann im 3
Teil vom Wesen und der Organisation unseres deutschen
Sängerbundes zu lesen. Aus dem weiteren Inhalt seien
nur die Abschnitte über „Arbeiter-Sängerbund“ und „Leh—
rergesangverein“, über „Wettsingen“, die „jüngeren Chor—
kompositionen“, des Männergesanges im Weltkrieg und dem
des Auslandes genannt. Die Behandlung dieses umfang—
reichen Stoffes geschieht dabei in einer Art, die den Leser
jsedes Bildungsstandes das Buch empfehlenswert macht. 38
Bildbeigaben unterbrechen den Text des mit schönem Lein—
wandrücken versehenen Bandes. Freunden des Männer—
gesanges und Wissensdurstigen sei das Werk wärmstens
empfohlen. O.H.S.
Aus den Tagen der Hansa, Roman in drei Bänden von
Wilhelm Jensen, Verlag M. Feee Leipzig
Der berühmte deutsche Romanschriftsteller vergegenwärtig
uns hier mit der Gestaltungskraft des echten Dichters einen
hHöhepunkt deutscher Geschichte, die ruhmvolle, Zeit der
Hansa. Wir durchmessen großes Geschehen in drei Jahr—
hunderten, dem 14.. 15. ünd 16. Jahrhundert. Nach Ari
Freytags spiegeln sich die Ereignisse wieder in den Lebens—
geschichten von Männern einer Familie, den Ahnen und
Enkeln. Ihr Denken und Handeln zeigt, daß bis zum
letzten aus ihnen die Stimme des Blutes spricht, die köst—
liche Vereinigung ritterlichen und Hanseatengeistes. In die
größe Zeit find Männer großen Formats gestellt. Ein
dietwald Wernerkin, ein Osmund Werneking, ein Dietwald
Werneken. Voll Mißtrauen betrachtet König Waldemar die
erstarkende Vereinigung von „Kaufleuten, Krämern und
dandwerkern, die ihm nicht botmäßig sind, oft seine Wege
treuzen, ihm Gesetze vorschreiben und zwischen den Inseln
seines Reiches die Seeherrschaft ühen, Stolz erhebt als
unbestrittene Pormacht der Hansa die Löwenstadt „Lübeck“
ihr Haupt. Jhr bietet Dietwald fseine ritterliche Dienste
Sie führen ihn in abenteuerlicher Seefahrt nach Venedig.
Ergreifende Szenen malt der Dichter, den Kampf mit den
Piraten, das verwegene Hissen der deutschen Fahne unter
dem flatternden Wimpel der Dogenstadt, die Schwertleite
Dietwalds. Der zweite Band führt in eine der bedeutendsten

Außenstellungen der Hansa nach Bergen und macht uns
mit dem Seeräuberwesen in nordischen Meeren bekannt
vährend der letzte Band die niedergehende Macht, den Ver—
fall der Hansa wiederspiegelt. Jensens spannender Roman
ist ein Hoheslied auf deutsche Machtfülle, deutsche Bürger.
rüchtigkeit, deutsche Scegeltung. Es sollte in jeder Büchere
einen Ehrenplatz haben. St.
Unter dem Titel Stunden der Andacht brahten wir in
unserer ersten Beethoven-Nummer Hinweise auf empfehlens—
verte Bee hovenliteratur. Nachdrücklich wiesen wir dabei
auch auf das ausgezeichnete Werk hin Beethoven von Gustav
Ernest, Verlag Georg Bondi, Berlin. Irrtümlich gaben
wir aber den Preis auf 20 Mark an.Wir berichtigen
gern, daß das treffliche Werk broschiert 9,30 Mk., in Leinen
zgebunden 12,50 Mk. kostet. In diesem Zusamenhang sei
heute ein billiges Werkchen nachgetragen: Beethoven von
Max Steinitzer, 2. Band der Musiler Biographien, Verlag
von Phil. Reeclam jun., Leipzig, Heft 80 Pfg., Band
1,20 Mk. Wenn der sach- und sachkundige Verfasser den
Leser bittet, nicht zuviel zu erwarten und zu bedenken,
daß auch die sorgfältigst vorbereitete und abgefaßte Schrift
iber einen der Großen sich zur Größe seiner Werke nicht
inders verhalten kann als das einfältige Gebet eines einzel—
ien zur Allmacht Gottes, so entspricht diese Bescheidenheit
richt dem Werte dieses gediegenen Werkes, das weniger den
iußeren Lebenslinien des Meisters folgt und nicht „die
Beschichte, die jeder weiß“ wiederholt, sondern das Ver—
tändnis für die menschliche und musikalische Geistigkeit
Beethovens erschließen und den Genius uns wirklich zum
„Erlebnis“ machen will. Er schildert: Vorspiel in Bonn,
glückverheißender Beginn in Wien, So pocht das Schicksal
an die Pforte, ein Blick in die Werkstatt des Genius,
zie Heldensymphonie, das musikdramatische Intermezzo, das
„Neue Testament“ und sonstige Werke, Verklärung und Tod.
Endlich verweise ich auf die prachtvolle Beethoven-Nummer
der „Neuen Musik Zeitung“, Verlag Carl Grüninger Nachf.
Ernst Klett, Stuttgart, die soeben in erheblich erweitertem
Imfang erschienen mit an 50 Bildern, Schriftproben und
Notenbeispielen erlesene Aufsätze berufener Federn um Beet—
zoven-Jubiläum darbietet. Ich erinnere nur an: Beethoven
aund die Gegenwart von Dr. Karl Grunsky, Wenig beachtete
Beethovenstätten ron Dr. Theodor Frimmel, Beethovens
Menschentum von Dr. Otto zur Nedden, Fidelio oder
deonore? von Rudolf Hartmann, Beethovens Handschrift
»on Dr. Theodor Haas, Weltanschauung in Beethovens
Musik von Dr. Otto Schilling, Zeitfragen der Beethoven
orschung von Dr. Ernst Bücken u. a.
Grete Masse, Sona?e pathetique. Ein Beethoven⸗Romau
Banzleinen 5559 Mk. Leipzig 1927, Koehler K Amelang. —
Insern zahlreichen Hinweisen auf gute Beethovenliteratur
ügen wir heute die wärmste Empfehlung dieses fesselnden
Beethovenromans hinzu. Neben den zahslreichen Beethoven—
Biographien und Ausdeutungen seiner musikalischen Werke
zehduptet sich Grete Masse's Beethoven-Roman als dich—
erische und künstlerische Schöpfung von besonderer Art
Aus kurzen lebensvollen Skizzen ersteht die menschliche
Persönlichkeit des Mannes, den die Welt ihren größten Ton—
zichter nennt. Einsam, umdüstert, kämpfend, irrend und
iegend sieht man den Meister durch seine Zeit wandeln,
nuf der Höhe des Ruhmes und doch zwiefach vom Schicksal
zeschlagen, mit Taubheit und mit dem Undank, den er von
seinem abgöttisch geliebten Neffen und Adoptivsohn zu
»òrdulden hat. Dieses Buch, das den feinsten Seelenregungen
ezines Großen im Reiche der Kunst nachgeht, wird jeder
Musikfreund mit Freude begrüßen. In seiner vornehmen
Ausstattung ziert es jeden Bücherschrant.
Schillers Gedichte und Dramen, im Auftrage des Schwäbi—
schen Schiller-Vereins herausgegeben von Otto Günther,
Stuttgart, Verlag von Karl Grüninger, Nachfolger Ernst
Klett. Preis 480 Mk. — In trefflicher, als Geschenkwerk
für Jugend und Volk vortrefflich geeigneter Ausstattung
erscheinen hier Schillers Gedichte und Tramen im 210.
Tausend! Wahrlich, ein buchhändlerischer Erfolg, der hier
einer würdigen Erscheinung zuteil geworden ist. Geschmückt
mit dem berühmten Pastellbild des Dichters von Ludovike
Simanowiz dgus dem Marbacher Schiller-National-Museum
            
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