Eim rheinischer Dichter.
Geatg von dem Gedanken, im Rahmen unserer Bundes—
zeitschrift das gesamte geistige Leben, ganz besonders
aber das geistige Leben der Heimat widerzuspiegeln, ließen
wir in einer der vorigen Nummern den rheinischen Dichter
Jakob Kneip zu Worte kommen. Heute richten wir die
Aufmerksamkeit der deutschen Sängerschaft an der Saar
auf einen überaus erfolgreich aufstrebenden rheinischen
Dichter: Heinz Steguweit. Er spricht in seiner er—
greifenden Beethoven-Novelle selbst zu uns und weckt das
Bedürfnis, sich weiter mit seiner hochgestimmten Kunst zu
beschästigen. Wir müssen unbedingt damit Ernst machen,
statt tote Dichter gelegentlich ihrer Geburts- und Sterbe—
gedenktage zu ehren, die Lebenden zu lesen. Die Werke
unsers Heinz Steguweit — das soll gleich mit aller Deut—
lichkeit ausgesprochen werden — gehören nicht nur in jede
öffentliche Bücherei, sie bilden einen kostbaren Schatz auch
für jede Eigenbücherei.
Nenne ich zuerst die erzählenden Werke: Lanzelot
auf dem Dorfe, eine Erzählung, Verlag Joseph Kösel
und Friedrich Pustet A.“G., München, Preis 2 Mk., Ganz⸗
leinen 3,50 Mk. Es ist der Roman eines Jünglings, des
sechzehnjährigen Sohnes Johannes des Rittmeisters Egon
Natalis, der nach dem Tode der Mutter von seiner dreißig—
jährigen Base Maria Verweyen in die stille Obhut ihrer
Berge nach Heideroth gerufen wird. Und hier erfüllt sich
das tragische Geschick der Ungleichen. Johannes, der naive
Himmelsstürmer zerbricht an seiner Liebe zu der reinge—
glaubten Frau. Die psychologische Entwicklung ist unerbitt—
lich, die Sprache seltsam fein geschliffen, die Handlung
stark und fesselnd. Hier deckt wirklich einmal wieder ein
Berufener die labyrinthischen Gänge der Menschenbrust auf.
Das Laternchen der Unschuld, rheinische Schwänke,
Verlag wie oben, Preis 1 Mk., Ganzleder 2,50 Mk. Ja,
prachtvolle rheinische Schwänke zum Vorlesen an Familien—
abenden, zum stillen Genießen am heimischen Herd, voll
Weinseligkeit, Lebensfroheit und schmunzelndem Verstehen
für alle bunte Torheit der Welt. Wunderbare Typen: Die
regeltreuen Mönche von Johannisberg, der köstliche Pastor
von St. Quirin, der den lebensmüden Witwer wieder ins
Leben hinein überlistet, Eisenbart Dr. Barnabas, der die
Toten wieder auferweckt, Jochem Blasius, der sein Lebens—
glück einer Stecknadel verdankte, die eigentlich für den Sitz
des Lehrerstuhles bestimmt war, und nicht zuletzt Metardus,
ür den die Ehe der beste Augenarzt war. Mehr dar*
ich wirklich nicht verraten ..
Der Soldat Lukas, Erzählung, Verlag des Bühnen—
»olksbundes Berlin SW. 68, Preis 1,25 Mk. Auch hier
entfaltet die fesselnde und oft hinreißende Erzählerkunst
ZSteguweits ihre schönsten Blüten. Sie sind alle mit natur—
vahren, lichtechten Farben gemalt: Der alte Tierarzt Papa
Wolle, die zwanzigsährige Waise Annemarie, Mutter Elis
Bostel und der Soldat Lukas, ihr aus der Hölle Flanderns
»lind heimkehrender Sohn. Aber auch der rasch ent—
chlossene Arzt Dr. Buschmann, dem die schwierige Augen—
»peration gelingt, und der Ingenieur Borsig mit seinen
ühnen Plänen, Ein Stück Neudeutschland, wertvollster
Wiederaufbauarbeit tut sich vor uns auf, und in diesem
Neudeutschland findet sich endlich auch der Soldat Lukas
vieder zurecht. Es ist eine herzergreifende Zeitgeschichte.
der Tornister, lauter Geschichten, Verlag wie oben,
Lreis 2,40 Mk. Hier grüßen uns 37 Novellen — es
ind lauter Kabinettstücke von hohem künstlerischem Reiz,
»oll Lebensweisheit und Lebensklugheit, durchweht von der
vlut tiefster Gefühle. Was soll ich herausgreifen? Den
Brautgeiger, den greisen Invaliden, der „einen Sessel
vollte“, Monsieur camerade, den Printenmann, den Buckel—
nüller und seine arme Seele, den prachtvollen frideri—
zianischen Kürassier mit seinem „preußischen Kniff“. Diese
urzen Geschichten, oft tragisch und komisch zugleich, voll
Tränen und Lachen, voll Romantik und volkstümlicher
derbheit spinnen Hörer und Leser in magischen Bann. Mit
chnen kann man einem Familien- oder Unterhaltungsabend
»ine wertvolle Note geben, zumal einem „Rheinischen Abend“
Weise ich nun noch auf zwei dramatische Arbeiten hin:
Ddie fröhlichen Dreikönige, ein Spiel in der Weih—
nacht, auf das wir demnächst noch einmal zurückkommen,
und das an anderer Stelle besprochene 4vaktige Schau—
piel Schwärmer, die beide im Bühnenvolksbundverlag
v8. m. b. H., Berlin SW. 68 erschienen sind. Es würde mich
ufrichtig freuen, wenn diese Nummer unserer Bundeszeit—
chrift dazu dienen dürfte, die Gemeinde eines wert
obhben jungen rheinischen Dichters ver
größert zu haben! Walther Stein.
An die deutschen Säͤnger.
8 deutsche Sang ist ein Kraftquell ohnegleichen. Durch
trübe Jahrzehnte der Schwäche und Ohnmacht hat
er im deutschen Volke die Sehnsucht wach erhalten näch
dem großen einigen Vaterlande; wenn die Deutschen in
aller Welt ihr Volksftum bewahren — dem deutschen Sange
kommt daran das Hauptverdienst zu; und, ein friedlichér
Welteroberer, zieht das deutsche Lied auf den Schwingen
der Töne zu fremden Völkern und kündet ihnen von
deutscher Art und Sitte. Aber was wäre der deutsche
Sang ohne das deutsche Wort? Eine Scheide ohne Schwert,
ein Kelch ohne Wein; erst das Beieinander beider schafft
etwas Bleibendes von unvergänglichem Wert. Die Sprache
ist das Metall, aus dem der Dichter seine unsterblichen
Werke sormt, die Weise, der Ton, den das Metall er—
klingen läßt, wenn es Meisterhand berührt. So muß auch
die Sprache etwas Gewaltiges sein, und kein Sänger —
wenn anders ihm das Lied mehr ist als bloße Unterhal—
tung —, dem nicht die Herrlichkeit des deutschen Wortes
in seinen besten Stunden ihr Wunder erschlossen hätte,
unbewußt gewiß oft, aber doch empfunden, beglückend und
erhebend, begeisternd und anspornend empfunden. Was
die schönsten Blüten deutscher Musik hat aufsprossen lassen
im Innersten gottbeseelter Tondichter, das deutsche Woͤrt
var es, die Sprache, die kein anderes Volk mit einem
zleich köstlichen Namen zu bezeichnen weiß wie das deutsche:
die Muttersprache! Und wie der Gedanke an die Mutter
uinsere Seelen schwingen, unsere Herzen höher schlagen
nacht, so hat auch der volle Goldklang der Muttersprache
zie Seelen unserer Musiker in Schwingungen versetzt, sie
Tondichtungen von unvergänglichem Wert schaffen lassen.
IAnd weil das so ist, so gilt dem deutschen Sänger das
Wort mehr als das, was es der dumpfen Masse ist, die
in der Sprache nichts weiter sieht als ein Verkehrsmittel,
ꝛine Summe von Wortmünzen, die man gedankenlos an—
timmt und ausgibt: eins der Heiligtümer unseres Volkes,
»in hohes Erbe der Väter, das wir ehren und lieben
nüssen und vor Schaden und Mißbrauch bewahren, um
w mit reinen Händen kommenden Geschlechtern weiter—
geben zu können.
Freilich, wir alle sind Lernende, denn noch ist kein
Meister vom Himmel gefallen. Wie wir in die Welt der
Töne immer tiefer eindringen müssen, wenn wir nicht im
handwerksmäßigen der Kunst stecken bleiben wollen, so
nüssen wir auch in die Sprache immer mehr hineinwachsen,
in die uns Geburt und Volkstum gestellt haben. Das
können wir nicht ohne Führung. Sage niemand, dazu
BEMIT ist der inbesrift eines zeitgemenen und
2zvuekentsprechenden Waschmittels