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Saar⸗Sänuger⸗Vund il Seite 229
teqguweit.
MN och früh im Schaffen, noch an sich selber arbeitend,
D hat dieser Rheinländer doch schon viele Freunde ge—
fünden, zuerst, da deutsche Zeitschriften (Westermanns
Monatshefte, die Woche, Orplid, Bergstadt usw.) seine
Prosa verbreiteten, zum andern, da Franz Herwig,
der Dichter der viel umstrittenen „Eingeengte,n“, der
Novelleñnkunst Steguweits in der Torbücherei (Kösel &
Pustet, München) Raum gab. Steguweit wollte Kaufmann
werden, lernte auch, nach abgeschlossener, humanistischer Gym⸗
nasialbildung, dieses „Handwerk“, zog dann in den Krieg,
wurde zweimal schwer verwundet
(1917 sogar vorübergehende Er—
blindung an der Sommeh, kam
zurück, wurde Bankbeamter, brachte
es hier „sogar“ bis zum Kas—
sierer, bis er die Hemmungen dieser
Atmosphäre erkannte, bis er 27—
jährig, freier Schriftsteller wurde
Er schuf das Landschaftsdrama
Sooneck als offizie les Jahr—
tausendfestspiel der Rheinlande,
schrieb (bei Kösel, München) den
Jünglingsroman Lanzelot auf
dem Dorfe, die Geschichte
eines reinen Toren, der, eine
weltfremde Parzival-Natur, am
ersten Eros verblutete. Dieser
Roman beglückt durch seine schlichte
Diktion, ergreift durch sein starkes,
inneres Erlebnis. Nicht zuletzt be—
stimmte die Figur des Johannes
Natalis den Dichter, sein effekt—
volles, wohlgerundetes Drama
Schwärmer, eine Napoleon—
Stapß-Tragödie zu schreiben. Lei—
der ist die historische Fabel dieses
Bühnenwerks nur wenig bekannt:
Im Oktober 1809 machte sich der
18jährige Predigersohn Friedrich
Stapß von Naumburg nach Wien
auf den Weg, um den großen
Korsen mit dem Küchenmesser der
Mutter zu ermorden. Dieser
Knabe weigerte sich hartnäckig, als
geistig minderwertig und nervös
überreizt großmütig abgetan zu
werden, er wollte ein deuticher
Brutus sein, ein Harmodius und
Skävola. Mit sokratischer Größe
ließ er sich für seine Ueberzeu—
gung zwischen den Obelisken von
Schönbrunn füsilieren. Tatsäch—
lich minderte Napoleon die Bedingungen des Wiener
Friedens um die Hälfte seiner ersten Forderungen,
auf den Jüngling weisend rief er: „dort steht Preußen
auf“, und bereitete dann die Unterwerfung Tirols vor.
Das Drama wurde im bergischen Schauspielhaus zu
Remscheid und im Stadttheater zu Schwerin mit großem
Erfolg aufgeführt, fast die gesamte deutsche Presse
anerkannte die Einmaligkeit dieser jugendlichen, dichte—
risch wertvollen Leistung. Maßgebliche Kritik beschäftigte
sich auch positiv (Frankfurter Zeitung, Berliner Lokal-An—
zeiger, Berliner Tageblatt, Kölnische Zeitung, das Theater
ete) mit den „Pistolen“ (Uraufführung im Stadttheater
Saarbrücken, Mitte November im Stadttheater Magde—
burg), weil sie ehrlich versuchten, die Wohltat des einzelnen
als die erste, notwendige Lösung des im Ganzen nie völlig
zu lösenden sozialen Problems darzustellen. Der Bühnen
volksbund gab Steguweits Novelle „Der Soldat
Lukas“ heraus, eine subtil geformte Geschichte, das Schick⸗
al eines Kriegsblinden, der als Blinder das Zeitalter der
kechnik (ihr werdet reicher, aber nicht glücklicher in ihm)
derneint, um später, wieder sehend geworden, die Vorzüge
es erfindungsreichen Säkulums zu bejahen, denn nur so
vurde seine Erlössung aus der Nacht möglich. „Der Tor⸗—
nister“ (Bühnenvolksbundverlag Berlin SWess8) ver—
einigt eine Fülle geschickt pointier—
ter Nove Ien und Anekdoten. „Rhei—
nischer Gottfried Keller“ schrieb
der bekannte, Dresdner Literatur—
historiker Prof. Dr. Friedrich
Kummer an den Dichter. Die
Deutschen Monatshefte für Chile
stellen ihn „in die vorderste Reihe
jener, die durch wirkliches Können
und wahre Meisterschaft erhoben
zu werden verdienen“. Und heute
künden die Zeitungen sein neuestes
Drama an: „Lyonels Kin—
der“, eine Moritat, die Steguweit
zusammen mit seinem Freunde
Dito Brües schrieb, eine tragi—
omische Jahrmarktsgeschichte, deren
Uraufführung Ende Dktober in
den Stadttheatern Kreseld, Trier
und Remscheid stattfindet (Mitte
November auch in Köln). Endlich
legt der Bühnenvolksbund
oeben — neben den beiden Rüpel—
spielen für die Jugend „Die
Bans“ und „Jha, der Esel“
— Steguweits Spiel „Die fröh—
bichen drei Könige“ vor, ein
entzückendes, in Holzschnittmanier
zebautes Weihnach!sspiel, das die
Christgeburt in die Gegenwart des
Berliner Weddings verlegt, das
aus den gebefreudigen Königen
einen Schornsteinfeger (der Mohr
aus Nubien), einen Schupo und
ꝛinen Bäckermeister macht. Dieses
Bühnenwerk wurde der bisher
größte dramatische Erfolg des
Dichters: Heute schon künden Köln,
Breslau, Franksurt, Hannover,
Remscheid und Trier die Urauf—
führung für Anfang Dezember an.
Trotz so vieler Erfolge steht
Steguweit immer noch im Anfaug seiner Laufbahn. Jene
Worte, die er mir geftern sagte, mögen diesen Aufsatz be—
schließen: Ich muß mit den Kräften haushalten; der Be—
griff des Schöpferischen scheint mir so groß, daß die Un—
zulänglichkeit allen Vollbringens mich von Tag zu Tag
tiefer schmerzt! — Johannes Cramer, Reuschenberg.
Heinz Steguweit
Anmerkung: Die zur Zeit in der Deutschen Presse
aufenden Romane „Soldaten und Wölfe“ und „Der kleine
Prometheus“ liegen noch nicht in Buchfsorm vor. Im
Frühjahr 1928 erscheinen jedoch im Bühnenvolkshund-—
Verlag Berlin SWebss die neuen Novellen in dem Bande
„Der Schellenhaum“.
—
SAALBAU-RESFAVORANT SAARBROCREN
inh. E. ERNST A Als vorzrudlich hekannt in Sneisen und 6Getränken. Telephon Nr. 621