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Rund 300 Bereine mit faft 360000 Mitgliedern. Heraus⸗ Druck und Berlag der Buch⸗ und Kunstdruckerei
gegeben im Auftr. des Bundes von Stadtschulrat Hans Gebr. Hofer A.⸗G., Saarbrücken⸗Völklingen. Bezugs⸗
Bongard u. Rektor Walther Stein, Saarbrücken. preis Ir. 5.— vierteljährlich. Einzelnummer Fr. 2.—
Januar 16,0
Ar. 10
7. Jahrgang
Dieewig Bestrigen.
O er Vorsitzende der Berliner Liedertafel, deren Be—
such im Saargebiet in dankbarem Gedenken bleibt,
Sangesbruder Hönig, spricht im Eingang des Neu—
jahrsheftes allen Bundesmitgliedern den treffendsten
Glückwunsch aus. Als echter Dichters- und Sängersmann
kennt er den Wert und die
Kraft des deutschen Liedes:
„So sing dich frei im
neuen Jahr
Und laß den Gram im
alten.“
Einen bessern Neujahrswunsch
kann auch ich namens des
Bundes keinem Sangesbruder
zurufen. — Von persönlichem
Leid und Gram sollen und
wollen wir uns freisingen,
aber auch vom Gram alles
Engen, Schwächlichen und Un—
freien. Unser Lied soll
uns zu innerlich freien
Menschen machen, deren
Augen und Geist weit offen
stehen für die gesunden For—
derungen der Gegenwart und
Zukunft. Unser befreiendes
Lied soll uns im neuen Jahre
bewahren vor der Impotenz
des sentimentalen Getues um
das überlebte Vergangene, vor
dem schwächenden Glauben an
das fromme Märchen von der
guten alten Zeit, von der Un—
fruchtbarkeit und Schwäche der
Unfähigkeit und Weigerung
zum Umlernen. Stärke und
Größeliegen geradein
der Belehrbarkeit, in
der Anerkennungeiner
neuen Zeit und im tätigen Hineinwachsen
in ihre Verhältnisse, in der freudigen Be—
tjahung des ewigen Gesetzes der Entwick—
lung, das allein zeigt, was echte und was
unechte Tradition ist, was des Erhaltens
und der Ehrfurcht wert ist und was nicht.
Wäre die unselige Zersplitterung unseres Volkes auf
allen Lebensgebieten möglich, wenn diese Erkenntnis es
endlich beherrschte, wäre sie in unsern eigenen Reihen
möglich? So lange noch ein Wirt, ein Dirigent, ein Vor—
tandsmitglied, so lange noch wirtschaftliche und persön—
liche Gründe, Gründe einer Sippe oder Partei einen Ver—
ein in Gegensätzlichkeit und Spaltung bringen können, ist
das deutsche Lied uns noch nicht
Befreiung, sondern nur noch
Phrase und Selbst äuschung.
So lange sich Vereine des—
selben Ortes, Gaues und Bun—
des scheel ansehen und offen
oder versteckt bekämpfen, haben
sie das Wesenhafte unserer
Bundesarbeit noch nicht er—
faßt. Denn unser Weg
und unser Ziel ist im
Interessedes deutschen
Liedes und seiner be—
freienden Wirkung die
unbedingteste und rück—
sichtsloseste Sachlich—
keit, die alles Unwe—
sentliche bewußt und
freudigein-undunter—
drdnet in den Gemein—
schaftsgeist. Ueber der
Personal-, der Ver—
eins- und Gaupolitik
steht deshalb unbe⸗
dingt die Bundespoli—
tik,die alle Kräfte rich—
tunggebend zusammen—
raßt zu einer Einheit.
Wollen weite Kreise unserer
Sänger auch im neuen Jahre
noch ein Abbild der Unfähig—
keit unseres Volkes zum großen
praktischen Gedanken der Ein—
heit bieten, der traurigen,
kraftzermürbenden Eigenbrötelei, der Ueberschätzung der
eigenen kleinen Person, des eigenen Vereins und seiner
Leistung, und der unklugen und schädlichen Unterschätzung
anderer, der Abdrosselung jedes großen Lebens durch
die Kirchturmpolitik der Vereine und Vereinchen?
Wollen wir diese Zersplitterung aus dem einzigen
Brunde, weil sie früher war und leider auch heute
dielfach noch herrscht, in Permanenz erklären?
Zum neuen Jahr.
Nus Jicht und Dunkel ward ein Tag,
Fin Takr aus Dust und Sorgen.
Nun quäl Dick nichf, wie's kommen mag,
Dein Schicksal ruhf im Vendelscklag
Der Zukunff wohlgeboxgen.
Wie lang Dein Weg bemessen ilt,
Du wirst es nie enlsckleiern.
Drum sorg, daß Du gerxüstek bist
Zu jedem Tag und jeder Frilst,
Dein leßtes Fest zu feiern.
Dock soll Dich bis zum fremden Ziel
Sin gules Jied geleifen.
Das ist ein rechles Weg-Gespiel
Wnd schafff Dir Mul und Fxrohgefüll
In allen Dunkelshreilen.
Ein gules Jied, das ist füär walir
Wie betend Händefalken
Vor unsres Herzens Hausallar.
Ho sing Dick frei im Neuen Jaler
Mndð laß den Gram im allken!
Dr. Hönig.