Full text : 5.1927-1928 (0005)

Seite 204

Saar⸗Zänger⸗Bund

l Nr. 9

Vergnügungen und die Ausgaben dafür, Taschengeld
(namentlich auch die Privatkasse der französischen Könige),
le menu ist das Kleine, Einzelne, besonders die einzelnen
Teile der Mahlzeit, die Speise-, Tisch-, Tafelkarte. Da⸗s
Menuett hat dieselbe Herkunft; der Tanz wird so genannt
wegen der kleinen Tanzschritte, es war ein ursprünglich
sranzösischer Tanz von langsamer, abgemessener, feierlicher
Bewegung, ein Prunktanz. Das zur Begleitung dieses Tanzes
dienende Tonstück heißt ebenso. Die Vertoner, Tonkünstler,
Tondichter „komponieren“ die Stücke. Natürlich dürfen die
Speisewirte nicht hinter ihnen zurückbleiben. Ist doch ihr
Aenu zuweilen ein Gedicht! Sie stellen also die Speisen
nicht zu einem Menu zusammen, sondern „komponieren“
ein Menu. Die Zeitungen berichten, daß die „Mitropa“ einen
Wirtschaftswagen herausgebracht habe, in dem allerdings
große Menus nicht komponiert werden könnten. Der Mann,
der dem tiefgefühlten Bedürfnis abhalf, wird jedenfalls
den Titel „Komponist“, vielleicht auch „Kompositeur“ er—
halten. Hoffentlich „komponiert“ er kein mixtum compo—
situm, kein gräßliches Durcheinander!
A. P., Deutscher Sprachverein.
Schule und Chor.

Ochs, Prof. Paul Hindemith u. a. Zweck des Kursus ist
nicht etwa nur eine persönliche Weiterbildung der Teil—
iehmer, sondern die durch den Kursus nun weitergebildeten
Chormeister, deren Wohnsitze sich gleichmäßig auf das ganze
Reich verteilen, sollen ihrerseits die gesammelten Er—
'ahrungen in kleineren Lehrgängen, die sie in ihrem Heimats—
zte veranstalten, verwerten. Auf diese Weise, so hofft das
Preußische Ministerium und mit ihm die beteiligten Ver—
»ände, soll die künstlerische und pädagogische Qualität der
Thormeister auf dem Lande gehoben werden. Die Kurse
zaben heute bei der veränderten Lehrerausbildung, die
vie ein drohendes Schreckgespenst vor der Zukunft steht
ezine außerordentliche Bedeutung.

Schubert⸗Ehrung in Wien.

Dasg 10. Deutsche Sängerbundesfest, das im Juli nächsten
NA Jahres in Wien stattfindet, wird unter Teilnahme von
nehr als 100 000 Sängern im Zeichen des großen Meisters
Franz Schubert stehen Ein Jahrhundert ist im nächsten
Jahre verstrichen, seit das größte Genie des deutschen
Liedes allzufrüh sein junges Leben aushauchen mußte. Der
deutsche Männergesang insbesondere verdankt Schubert her—
»orragende Meisterwerke, wie sie bisher noch nicht wieder
rreicht worden sind. Daher war die Wahl Wiens als Fest—
tadt des 10. Deutschen Sängerbundesfestes ein Akt der
Dankbarkeit und Liebe zu Schuübert, dem Unvergänglichen.
Zeit 1890 hat kein Fest des Deutschen Sängerbundes, die
m Abstande von fuͤnf Jahren veranstaltet zu werden
»flegen, in Wien mehr stattgefunden. Damals war die
zahl der Liedbegeisterten, an heutigen Feststellungen ge—
nessen, klein, zählte doch der Sängerbund kaum ein Fünftel
der jetzigen Mitglieder. Im Mittelpunkt des Festes steht
zine Massenchoraufführung in der eigens zu diesem Zwecke
erbauten Festhalle, die von einem bisher noch nicht er—
reichten Fassungsvermögen sein wird. Der Massenchör, in
dem über 30 000 Sänger dem Stabe eines einzigen Diri—
genten folgen, wird eins der imposantesten Erlebnisse des
zestes sein. Es gelangen u. a. zum Vortrag Schüberts
„Hymne“ und „Der Lindenbaum“, beides Gesänge, die die
Popularität des Komponisten haben begründen helfen. Eine
Ansprache des Bundesvorsitzenden Rechtsanwalt Friedrich
rist, Berlin, wird auch in Worten dem unsterblichen
Meister huldigen. Eine weitere große Schubertfeier findet
n Verbindung mit dem großangelegten Festzuge statt, und
war ist hierzu der Platz vor dem äußeren Burgtor vor—
gesehen.

58 der ersten Oktoberwoche fand in Dresden die 6. Reichs—
Bschulmusikwoche statt, die wie stets starken Bezug auf
den Chorgesang nahm. Die Wichtigkeit der Schulmusik—
pflege für den Chor — gemischten wie Männerchor — iäist
groß, bildet doch die Ausbildung der Jugendlichen in der
Schule und das wachgerufene Interesse am Gesang die
Grundlage für den späteren Einktritt in einen Chorveéerein.
Es ist daher auf das wärmste zu begrüßen, daß auch die
Schulbehörde sich dieser Erkenntnis nicht verschließt und
dem Schulchor eine warme Pflege angedeihen läßt. Leider
ist das Schulwesen in Deutschland nicht einheitlich geregelt,
so daß, wie die Ausführungen verschiedener Redner zeigten,
erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern bestehen. Die
Erweiterung der Stundenzahl für das Musikfach im Ver—
gleich zu früheren Jahren hat die Gefahr einer Zurücksetzung
des Chorsingens zugunsten anderer Gebiete der Musik, zum
Beispiel Gedichte, mit sich gebracht, die nun wieder nach
Möglichkeit auszuschalten ist. Der Deutsche Sängerbund,
der den schwebenden Fragen der Schulmusikpflege mit
größtem Interesse folgt, wird seinen Einfluß geltend machen,
um unter allen Umständen die Pflege des Chorgesangs als
Mittelpunkt der Schulmusik zu erhalten. Für April nächsten
Jahres ist in Berlin ein „Kongreß für Chormusik“ geplant
auf dem die brennenden Fragen Erledigung finden sollen.
Auch der Deutsche Sängerbund wird auf der Tagung mit
Referaten vertreten sein.

Ein deutsches Süngerfest in Afrika!
Der MGV. Windhuk im Deutschen Sängerbunde hat vor
venigen Wochen die Feier seines zwanzigjährigen Bestehens
abgehalten, mit der ein südwestafrikanischer Sängertag ver—
dunden war. Aeußerer Rahmen und Geist der Veran—
taltung erheben sich so über den Durchschnitt sonstiger
Zängerveranstaltungen, daß wir unseren Lesern ein kurzes
Bild dieser Festtage nicht vorenthalten dürfen.
Die „Allgemeine Zeitung für die Interessen aller Be—
ufsstände in Südwestafrika“ widmet den Festtagen des
MGV. Windhuk die ganze erste Seite ihres Blattes und
ührt u. a. aus:
Der Sang ist verschollen, die Festlichkeiten sind ver—
auscht, aber noch steht in frischer Erinnerung, was die
»ergangene Woche in festlichen Stunden dem Jubelverein
ind seinen zahlreichen Gästen an Schönem und Erhebendem
zebracht hat. Oder ist es etwa nicht erhebend, wenn weit
ibers Meer aus allen Teilen der Heimat deutsche Sänger—
zrüße kamen, wenn die Swakopmunder Sänger die weite
Keise nicht scheuten, um gemeinsam mit den Windhuker
Ldandsleuten ein deutsches Sängerfest zu begehen, im Zeichen
des deutschen Liedes ein Beispiel der Einigkeit auch hier
auf fremder Erde zu geben?
Die Festlichkeiten begannen mit einem Begrüßungsabend
den der Vorstand den auswärtigen Gästen“? am Dienstag,
den 14. Juni, im Vereinslokal veranstaltete. Der nächfie
Vormittag war strenger Arbeit gewidmet, galt es doch,
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