Nr. 9 r Saar⸗Sänger⸗Bundv
wir zeigen es offen und ohne Heimlichkeit. Verständi—
gungswille hat nichts mit Selbstverleugnung zu tun.
Als positiver „Erfsolg“ unsers Schicksals ist die Inten—
sivierung des geistigen Lebens zuerst zu nennen. Gerade die
geistigen Werte der nationalen Kultur dienen der Erhaltung
des Grenzdeutschtums mehr als ein Heer von Soldaten.
Man hat nicht immer Bedacht auf diese Tatsache genommen.
Dae Ersahrungen der Nachkriegsjahre erst haben uns die
Augen ganz geöffnet: und wer darum weiß, was es heißt,
teilzuhaben am deutschen Kulturgut, Mitglied zu sein einer
Volksgemeinschaft, der solches Gut zu wahren aufgegeben
wurde, der kann das Schwerste tragen, ohne zu verzagen.
Wer Deutschland liebt, der kann es nur lieben, gg er
seinen Wert kennt. Sich auf den starken schützenden Arm
zu verlassen, ist kein Verdienst. Tie Treue muß im Be—
kenntnis zur Volks- und Kulturgemeinschaft eines Volkes
wurzeln. Bekennen kann man sich aber nur zu einer
Sache, von deren innerem Wert man überzeugt ist.
Geben wir kurz einen Ueberblick über die letzten Ereig—
nisse, die in diesem Sinne als Aufbauarbeit gewertet werden
dürfen. Saarbrücken hat ein bodenständiges, hochwertiges
Theater. Es hat weiterhin ein ganz vorzügliches Sin—
fonieorchester. Saarbrücken besitzt seit einem Jahr eine
wesentlich eingestellte Volkshochschule. Das Saargebiet dar'
s auf die beste deutsche Sängerorganisation Deutsch—
kands hinweisen. (Ter Saar-Sängerbund umfaßt weit über
30 000 Mitglieder, deren Willen zu echter musikalischer Volks—
erziehung durch Taten und Erjolge hinreichend bewiesen
wuürde. Alles dies ist eigentlich erst nach dem Kriege ge—
schaffen worden. Dahinter verbergen sich ungezählte Einzel—
heiten, die nur der Beobachter kennt, und die ihm die Ueber—
zeugung geben müssen, daß im Saargebiet wesentlich ge—
arbeitet wird.
Ter letzte Monat brachte im Schauspiel die Zweig-John—
sonsche Komödie Volpone, Romain Rollands Spiel von
Tod und Liebe, Schnitzlers Tapfern Kassian und eine
meisterliche Erstausführung von Bernard Shaws Helden.
Zu erwähnen wäre ein erfolgreiches Gastspiel der Haaß—
Berckow⸗Gruppe. In der Oper gab es bisher Goldmaris
Königin von Saba, Nicolais Lustige Weiber, Lortzings Zar
und Zimmermann und Verdis Ochello. Tas Sgarbrücker
Stadttheater hat sich außerdem eine eigene Tanzgruppe
zugelegt, wie wohl wenige große Theater sie aufzuweisen
haben. Bereits der erste Tanzabend hat bewiesen, daß der
ernsthafte künstlerische Tanz in Saarbrücken eine Psflege—
stätte von Bedeutung gefunden hat. Die Sinfoniekonzerte
begannen mit der Erstaufführung des Violinkonzerts von
Respighi, das der Amsterdamer Prosessor Alexander Schmul—
ler meisterhaft gestaltete. Im selben Konzert gab General—
musikdirektor Felix Lederer mit seinem Orchester einen
neuen Beweis seiner Tüchtigkeit durch stilvolle Wieder—
gabe der ersten Sinfonie von Brahms und der D-Dur—
Orchestersuite von J. S. Bach. Der Kammermusik widmet
sich mit dankenswertem Erfolg der Musikoerein Harmonie
der bereits in zwei Konzerten Werke von Brahms, Tvorak
Mahler, Strauß, Cesar Frank und Dohnanyi zu Gehör
brachte. Täe Zahl der guten Pianisten (Griem, Kämpfer
Konz, Dessauer) hat sich mit dem Berliner Martin Schulze
um einen vielversprechenden Künstler vergrößert. Unter den
Gästen fanden wir den Partner Carusos, Georges Baklanow,
der einen Arien- und Liederabend in vier Sprachen veran—
baet Ein interner Philologentag brachte bedeutsame
orträge der Universitätsprofessoren Tr. Sieburg (Kob—
lenz), Tr. Spranger (Berlin) und Dr. Litt (Leipzig).
Soweit der Auftakt: die Hochflut wird erst für die
nächsten Monate erwartet. Nicht alles ist erquicklich, aber
die unerquicklichen Tͤnge werden auch in Zukunft keinen
Einfluß gewinnen. Es ging darum, den Willen zu zeigen.
Der Wille zum Guten aber ist und bleibt stark.
Dr. A. Roskin.
(j Seite 203
Geschichte der Musik.
In der Novembernummer und der vorliegenden Weih—
Nnachtsnummer unserer Bundeszeitschrift veröffentlichten
vir bedeutsame Aufsätze aus der Feder des bekannten kürz—
lich verstorbenen Musikhistorikers und Musikkritikers Dr.
Karl Storck, der sich durch seine feinen, tiefgründigen
stritiken und Schriften um die Aufwärtsentwicklung der
deutschen Kunst in den letzten Jahrzehnten große Ver—
dienste erworben hat. In den weitesten Kreisen ist längst
eine zweibändige Musikgeschichte bekannt und geschäht.
der rührige Verlag J. B. Metzlersche Verlagsbuchhändlung
in Stuttgart prine nun Karl Storck's Geschichte der
Musitk in 6. Auflage rechtzeitig vor Weihnachten auf
den Markt, ergänzt und herdusgegeben von Dr. Julius
Maurer. Diese Musikgeschichte koͤmmt gerade den Bedürf—
nissen unserer Kreise nach vertiefter musikalischer Bildung
aufs trefflichste entgegen. In meisterhafter Sprachgestal—
ung — schlicht und fesselnd — und gewonnen aus um—
angreichster und abgeklärter Sachkenntnis entrollen sich
»or unsern Augen in prachtvoll geschauten Einzelbildern
»ie Höhepunkte musikgeschichtlichen Werdens. Der musik—
hilosophischen Einführung über die „Anfänge der Musik“
olgen zunächst Abhandlungen über exotische Musik, die
»er Chinesen, Japaner, Inder und Araber, sypwie die der
dulturvölker des Altertums, der Aegypter, Hebräer,
vriechen und Römer. Nun werden wir in den germanischen
dulturkreis geführt: Die Periode der Einstimmigkeit, die
ontrapunktische Mehrstimmigkeit, die Erneuerung der
Musik im weltlichen Geiste, kirchliche und geistliche Musik.
Es erscheinen Händel, Bach, Glück. Diesem gewaltigen
Auftakt folgt im zweiten Band der Weg „Ins Sonnen—
and der Schönheit“, zu Haydn und Mozart, zu Beethoven,
Schubert, Schumann, Mendelssohn, Wagner, Liszt, Bruckner
und Brahms bis zur Gegenwart: Pfitzner, Wolf, Reger,
Mahler und dem Neuimpressionismus, der Exotik, der
„Neuen Musik“. Dabei treten alle musikalischen Erschei—
iungsformen ins Licht: Madrigal, Choral, Volkslied, Ora—
orium, Symphonie, Messe, Musikdrama, Oper, Operette,
Tanz; keine Frage bleibt unbeantwortet. Dem Kenner
»er ersten Auflagen muß die vornehme Zurückhaltung des
etzigen Herausgebers Prof. Dr. Maurer angenehm auf—
allen, mit der er die Ursprünglichkeit des Storck'schen
Verkes gewahrt hat. Seiner Sachkunde verdanken wir
»ie Hineinarbeitung der inzwischen erfolgten gesicherten
Ergebnisse neurer Musikforschung und die feinsinnige kon—
geniale Fortführung des Werkes bis auf die Gegenwart.
Insern Chormeistern, Kunstfreunden und der gesamten
Zängerschaft wünschen wir dieses wertvolle Werk als köst—
liche Weihnachtsgabe. Vielleicht erfreuen dankbace Vereine
damit ihre Dirigenten! St.
Menuektt.
Hpeisekarte — Menu — Menuett. In manchen D-Zügen
9 gibt es einen Speisewagen. Darin liegen auch Speise—
rten aus. Doch nein! Speisekarten schreibt man heute. Die
Wirte wollen damit die Mehrzahl ausdrücken, denn auf
der Karte stehe doch nicht nur eine Speise. In Speisekarte
ist aber die erste Hälfte gar nicht durch das Hauptwort
„Speise“ gebildet, sondern durch den Stamm des Zeitworts
peisen. Wie man nach der Tanzkarte — nicht Tänzekarte —
anzt, nach der Spielregel spielt, so speist man nach der
Speisekarte. Man sieht in Speise- (nicht Speisen- Häusern
uind ⸗-Sälen auch Karten, die mit „AMenu“ überschrieben
sind und die Gänge eines bestimmten Mahls, eine Speisen—
folge, eine Gangfolge enthalten. Das Fremdwort gilt aber
hei den „Traiteuren“ „selbstredend“ als feiner. Alenu kommt
zer vom lateinischen minutus — klein (minuere — ver—
nindern); daher auch die Minute — kleiner Zeitteil. Menue
lepense ist eine kleine Ausgabe, menus plaisirs sfind kleine
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