Full text : 5.1927-1928 (0005)

Nr. 9ilh

Znaar⸗Saͤnger⸗Bunde

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Gewohnheit macht, nachdrücklich einreden: es ist keine Zeit, kein
Anlaß zum Feste feiern. Nicht der Vorstand, der jedes Jahr
einen neuen Anlaß zum Festefeiern findet, ist tüchtig, sondern
der, welcher den Mut hat, seinen Mitgliedern zu sagen: es
ist noch nicht an der Zeit, das Fest ginge jetzt über unsere
Kraft, wir können es nicht verantworten; oder: wir haben
erst die und die Veranstaltung gehabt. „Nichts ist schwerer
zu ertragen, als eine Reihe an guten Tagen.“
Ich freue mich über den Sturm der Entrüstung, welchen ich
bei den Vereinsmeiern, den nur sich Verantwortlichen mit dieser
meiner Forderung entfache. Ich weiß, daß ich in ihren mir
sehr unmaßgeblichen Augen kein Verständnis „für einen Verein
habe, der auf sich hält“, und wie die Redensarten mehr heißen.
Ich weiß aber auch, daß mir die Mehrzahl der Sangesbrüder
recht gibt, auch solche, die nicht immer den Mut haben, den
allzu Festfreudigen genügend entgegenzutreten. Denn die meisten
dergleichen automatenhaft aus dem Aermel geschüttelten Feste—
reien sind bloße Vergnügungsangelegenheiten, bald verpufftes
Strohseuer, aber keine Feste, von welchen Licht und Wärme
belebend ausstrahlt.
Wie man Feste vorbereiten soll. Wirkliche Feste
wollen näntlich auch wirklich gefeiert, nicht bloß abgesungen,
abgetrunken und abgeschwoft sein. Zum wirklichen Festefelern
gehört soviel Geist und Witz zur Vorbereitung, gehören soviel
Vorbedingungen finanzieller und künstlerischer Art, daß tüchtige
Durchschnittsmenschen — dazu wollen wir uns mal alle rechnen
— gründlich dabei zu Rate gehen müssen und gar nicht Zeit
und Kraft finden, sie rudelweise vom Stapel zu lassen.
Mir hat einmal ein von mir geschätzter Vereinsvorsitzender
gesagt: Ich will, daß jedes Fest, auch derselben Art, jedes Jahr
seine besondere neue Note hat! Der hatte es erfaßt! Es kauft
sich kaum jemand zweimal denselben Anzug. Also wohlerwogene
Vorbeceitung! Weg mit dem schablonenhaften Nachmachen
irgendeiner Festerei irgendeines Vereins! Eines schickt sich nicht
für alle.
Entbehren auch die oben aufgezählten Anlässe zum Festfeiern
nicht eines gewissen Grundes, so ist es doch selbstverständlich, daß
eine Reihe von ihnen vereinigt werden können, ja müssen, um
einem würdigen Fest Inhalt und Hintergrund zu verleihen.
Es geht doch wahrhaft etwa so zu machen. Jährliches
Stiftungsfest lediglich als Gedenktag im Rahmen des

Lereins, bestehend aus Konzert, Gesang, Ansprachen, Ehrungen,
ind verbunden mit Familienabend und Tanz. Ein besonderes
Bepräge verleiht man der Veranstaltung, indem man einen
Tag im Frühjahr wählt und das Ganze als Frühlingsfest
zestaltet. Oder wo's, z. B. in den ländlichen Orten, der
deuernte oder Kornernte wegen besser geht, mache man ein
Blumenfest daraus. Warum nicht stattdessen ein Erntefest,
in Kinderfest, die sich wunderhübsch zu Volksfesten gestalten
ießen. Der Vereinsgründungstäg kann ja doch kaum einmal
»em Datum nach eingehalten werden.
Kommt dazu noch zu anderer Zeit ein Ausflug mit An—
zehörigen, verbunden mit Gesangvorträgen und einem Tänzchen
»hne große „Musik“, ein Sangesbruder spielt auf dem Klavier,
»enkt man daran, daß soundsoviele Vereine mit größeren Ver—
instaltungen, Konzerten bzw. Festen jedes Jahr möglichst vom
zanzen Verein samt Angehörigen besucht werden sollen, daß
zie jährlichen Gau- und Bundestage, die Gaukonzerte pflichtnäßig
 einen Teil des Vereins in Anspruch nehmen — bis zu
zinem gewissen Grade geht es dabei mindestens so festlich zu
vie bei den üblichen Vereinsfesten — zieht man in Beträcht,
aß der Verein selbst noch ein besonderes künstlerisches Konzert
»eranstaltet, an welches sich meist ein gemütliches Beisammen—
ein schließt, so haben alle Teile des Vereins, Aktive, Inaktive
ind Angebörige meines Erachtens hinreichend Anlaß gehabt,
u fühlen, daß sie einem Verein angehören, der auch auf
geselliges Leben Wert legt.
Wie sollen wir unsere Feste feiern? Bei der Beant—
vortung dieser Frage kann ich nur einiges herausgreifen.
Zunächst das Stiftungsfest. Vergleiche zunächst das oben
krwähnte für den alljährlichen Gedenktag. Berücksichtigt man
das dort Gesagte, d. h. legt man mehrere getrennte Ver—
anstaltungen zusammen, so habe ich Verständnis dafür, daß
nan es alle 5 bis 10 Jahre etwas eindrucksvoller, groß—
ügiger gestaltet. Aber 75, 9—, Ll-æ, 13- 27- 81-, 47- usw.
ähriges Stiftungsfest in großer Aufmachung wirkt lächerlich.
Was ist denn in den 2 Zahren seit dem 25. Gründungstag
Welterschütterndes im Verein vorgefallen? Nichts! In einem
zeilraum von 10 Jahren mögen grundlegende Neuerungen,
Lerbesserungen eingetreten sein; 10 Jahre können ein Stück
Schicksal umspannen, worauf zu besinnen sich verlohnen mag,
und welches zu zeigen, über den Alltag erhebt. (Forts. folgt.)

Nachruf.

In Trauer benachrichtigen wir unsern
Bekannten- und Freundenkreis, daß unser
lieber Sangesbruder
Josenh Schuh
am 15. 11. 1927 tödlich verunglückte. Er
war ein intelligentes Vorstandsmitglied
und ein eifriger Sänger.
Das Andenken an den lieben Heim—
gegangenen werden wir stets in Ehren
halten.
Süngervereinigung
136 „Einigkeit“ Schwalbach.

— V

—1

Das altbehannte speriolhaus
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