Full text : 5.1927-1928 (0005)

Zeite 180
Die

erliner Liedeekafel im zarland.

Der festliche Empfang der „Berliner Liedertafel“ bei
Eintreffen des Sonderzuges zuerst in Homburg, dann
aim Bahnhof in Saarbrücken, die Einholung des berühmten
Brudervereins durch die Bundesvereine des Gaues Saar—
drücken unter flatternden Fahnen und mit klingendem Spiel
durch die von Tausenden von Jubelnden umsäumten Straßen
zum Rathaus, der zum Festsaal emporrauschende vater—
ländische Massenchor der Saarbrücker Sängerschaft und dann
die überaus warmherzige Begrüßung durch den Beigeord—
neten Dr. Bauer namens des dienstlich verreisten Ober—
hürgermeisters, der Stadt Saarbrücken und der gesamten
Bürgerschaft, sowie durch den Vorsitzenden des Saar—
Sänger-Bundes, Stadtschulrat Bongard, namens des Bundes—
vorstandes, des Gaues Saarbrücken und des gesamten
Bundes bezeugten unsern lieben Gästen sichtlich, wie ihnen
unser aller Herzen entgegenschlagen! Tausende von Händen
reckten sich den Sangesbrüdern aus dem Reich voll Freude
und Dankbarkeit zu herzlichem Willkommen entgegen, und
rur aus Gefühlen tiefster Rührung heraus vermochte der

agen die Eigenwilligkeit abgeschliffen und zum Aufgehen
ndas Ganze eines Kunstwerkes reif gemacht hat, ist
in musikpädagogisches Meisterstück. Wahrlich, der Fest—
edner des Bundes hatte Recht, wenn er auf dem nach—
olgenden Kommers im Festsaal des Sängerheims Lud—
vigsberg den Verein beglückwünschte zu diesem Meister—
irigenten, aber auch den Chormeister zu diesen lieder—
rohen, kunstbegeisterten Sängern. Hier widmete der Bundes—
yorsitzende den verehrten lieben Gästen den Ehrentrunk
»es Bundes aus dem vom Senat der Freien und Hanse—
tadt Hamburg gestifteten Pokal. Bei dieser Feststunde, voll
chter Sangesbrüderlichkeit, der auch zahlreiche Gäste aus
»er Bürgerschaft anwohnten, zeigten sich die Wände des
zängerheims erstmalig im Schmuck der von den führenden
eutschen Städten gestifteten Fahnen. Bundesvorsitzender
gongard überreichte den Berlinern für deren neues Heim
aarländische Radierungen unseres heimischen Künstlers
teuth. Der Vorsitzende der Berliner Liedertafel widmete
»em Bunde ein köstliches Bild aus Altberlin, er ernannte

Berliner Liedertafel auf dem Winterberg in Saarbrücken.

Vorsitzende der Berliner Liedertafel, der prachtvolle
Dr. Hönig, seinen und seiner Sänger Dank angesichts des
überwältigenden Empfangs in Worte zu fassen. Zu seinen
bvackenden Worten voll Dankbarkeit und Freundschafts—
versicherung bekannte sich der Chor mit einem Sänger—
pruch „fest und klar, treu und wahr!“
Den Mitgliedern des Saar-Sänger-Bundes bot der Abend
ezinen Kunstgenuß allerersten Ranges. Das erste Kon—
zert im Saalbau zu Saarbrücken war nur den Bundes—
mitgliedern zugänglich. Grells „Gnädig und barmherzig“,
heinemanns „Das Meer hat seine Perlen“, Max Wiede—
manns „Erdgeboren“ und das wundervolle „Marien-—
bildnis“ von Karl Kämpf, wie endlich Hermann Suters
„Der Wächter“ erfüllt den andachtsvoll lauschenden Saal
geradezu mit religiöser Weihestimmung. Mit unglaublicher
Gestaltungskraft brillierte der Chor mit Matthieu Neéeu—
manns farbenreichem „Hagen“ und mit Friedrich Hegars
erschütternder Ballade Totenvolk“. Den Beschluß bildeten
Perlen deutscher Volkslieder wie: „Abschied des Handwerks—
gesellen“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“ und als
östliche Zugabe Zelters entzückendes „Der Schäfer schmückte
sich zum Tanz“. Der Besuch des Konzertes bedeutete für
unsere Sängerschaft eine Hochschule. Wie der geniale Musik—
direktor Wiedemann den aduserslesenen Stimmen aller Ton—

ruf Grund einstimmigen Beschlusses Stadtschulrat Bon—
jard zum Ehrenmitglied und Bundeschormeister Schrimpf
uind Geschäftsführer Rauchholz unter Verleihung der Ver—
einsnadel zu Mitgliedern.
Der zweite Tag war einer Kunstfahrt der Berliner
Liedertafel nach Neunkirchen gewidmet, wo den Gästen
in unserer bedeutendsten Industriestadt ein Empfang be—
chieden war, wie sie ihn sich wohl nicht erträumt hätten.
Vie mir die Berliner versicherten, ist ihnen der Jubel
zer arbeitenden Bevölkerung das bedeutsamste Erlebnis
hrer Grenzmarkfahrt gewesen. In sichtlicher Bewegtheit
sankte Dr. Hönig für die warmherzigen Willkommensworte
»es Gauvorsitzenden Professor Sulzbacher und für den er—
rückend herzlichen, begeisterten Empfang. Im Evangelischen
vemeindehause, dessen Festsaal bis auf den letzten Platz
esetzt war, folgten die Hörer ergriffen den reifen Kunst—
overken, die unter Wiedemanns glänzender Stabführung
gestaltet wurden: Hans Leo Haßlers inbrünstiges „Agnus
dei“, Kämpfs „Marienbildnis“, Wiedemanns „Erdgeboren“,
zuters „Der Wächter“, Bucks „Der König in Thule“,
dauns „Nacht am Rhein“, ZSöllners gewaltiger Chor
Freiheit“, Frischenschlagers eigenartiges „Das feurige
Nännlein“ und hernach Volkslieder nach Sätzen von
IRthearaven. Wolfram und Kämpf
            
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