Full text : 5.1927-1928 (0005)

A

A

1 Nr. 8

neben Silchers Weisen Ganzhorns Lied. Ganzhorn hatte
es waäahrlich nicht nötig, mangels dichterischer Eingebung
sich an ein altes Volkslied anzulehnen. Wir Schwaben sind
stolz, darauf, daß gerade diese Perle der Volksdichtung,
vie so manche Blüte, einem Schwabendichter ihren Ursprung
verdankt.
Diese Mitteilungen brachte ich schon vor drei Jahren
Herrn Dr. Weddingen zu unmittelbarer Kenntnis, ohne
von ihm einen Widerspruch zu erfahren.“
Soweit Herr Prof. Fladt. Resultat: Der Text des
Liedes „Im schönsten Wiesengrunde“ kann nicht vom
Dichter Otto Weddigen sein, da das Lied nachweisbar be—
reits 1855, als W. vier Jahre alt wur, mit der Melodie
„Drei Lilien“ gedruckt erschien. Zu untersuchen, ob und
vieweit bei der „Urheberschaft“ Weddigens das Unterbe—
vußtsein eine Rolle gespielt hat, ist nicht Zweck dieser
2. Wenn ich den Wandrer frage.
Der Komponist dieses Liedes ist Friedrich Bruͤckner (1811
bis 1894), was bereits unzweifelhaft festgestellt ist. Wie
'ommt es nun, daß schon über 60 Jahre lang in verschie—
denen Büchern immer noch Rudolph Tschirsch (1825 bis
1872 und in den letzten Monaten sogar Prof. Osecar
Brückner als Komponisten angegeben werden? Ich bin in
der glücklichen Lage, in meiner Bibliothek eine sehr wert—
volle Sammlung von Jahrgängen — leider nicht voll—
ständig! — der „Deutschen Männer-Gesangszeitung“ aus
den 6her Jahren des verflossenen Jahrhunderts zu be—
sitzen, die vom Märkischen Zentral-Sängerbund herausge—
geben und von Rudolph Tschirsch redigiert wurde. In
hndenrs 4. Jahrganges (Februar 1863) schreibt Rudolph
irsch:
„Eine empfehlenswerte musikalische Gabe glauben wir
nit nachstehendem Liede zu bieten. Dasselbe kam uns als
einstimmiges Lied mit Klavierbegleitung zu Gehör. Des
tiefen Eindrucks wegen, den es so auf uns machte, und
veil wir es für geeignet hielten, glaubten wir es unseren
Lesern im vierstimmigen Arrangement für Männergesang
vorführen zu können, ja zu müssen, und so bieten wir es
hiermit, indem wir Dichter und Komponisten aus dem ein—
achen Grunde verschweigen, weil sie uns beide unbekannt
ind. Es soll das Lied aus Rußland stammen; indes
trägt es durchaus keine Kennzeichen der Musik jenes Landes
an sich. Sollte sich etwa ein guter Deutscher als Autor
nelden, so würde uns das um so mehr freuen, da das
Lied auf alle Ile seinem Schöpfer Ehre macht. — Das
Interesse sür das gefühlvolle Lied dürfte dadurch erhöhf
werden, daß, wie wir es selber schon mit Erfolg behandelt
die zweite Strophe von einem Soloquartett, die dritte Solo
im ersten Tenor, gesungen wird, während die übrigen drei
Stimmen. als sogenannte Brummstimmen, nur die Har—
Dopien markieren. Die vierte Strophe dann wieder im
Chor.
—— —— 7 ————

jffentlichung der Grund, daß man immer noch Tschirch
ils den Komponisten angegeben findet. Wenn aber ein
Lerlag Tschirsch als den Komponisten“*) nennt und in einer
zußnote dieses Lied als „Alleiniges Eigentum der Ver—
agsfirma“ bezeichnet, so ist das — gelinde gesagt — etwas
ehr merkwürdig und bedarf der Aufklärung. Der be—
zeits genannte Professor Oskar Brückner Golocellist in
Wiesbaden) ist der Sohn Friedrich Brückners und wurde
ürzlich anläßlich seines 70 Geburtstages in verschiedenen
Tageszeitungen und Fachzeitschriften fälschlicherweise als
»er Komponist des bekannten Volksliedes ‚Wenn ich den
Landerer frage“ begrüßt! Auf meine Anfrage war Herr
ßrof. Brückner so liebenswürdig, mir folgendes mitzu—
eilen: „Das Volkslied „Wenn ich den Wandrer frage“
st von meinem lieben Vater Friedrich Brückner, ge—
soren am 14. Februar 1811 in Kölleda (Thüringen),
jestorben im Oktober 1894 zu Quedlinburg. Er war Kgl.
Musikderektor und Militärkapellmeister in Erfurt, später
n Quedlinburg. Das Lied ist für eine Singstimme mit
dlavierbegleitung bei einer Firma Bartholomäus in Erfurt
rschienen. Diese Firma ist leider schon viele Jahre ver—
chwunden, auch ist keinerlei Auskunft zu erlangen. Später
at mein Vater dieses Lied selbst für Männerchor ge—
etzt; das erste Arrangement für Männerchor, geschrieben
»on meinem Vater, ist in meinen Händen.“ Leider war
»s mir nicht möglich, eine Abschrift dieses Manuskriptes
u bekommen, und somit hier zu veröffentlichen: eind
vegenüberstellung desselben mit dem von Tschirsch nur
„Gehörten“ und dann aufgeschriebenen Arrangement für
Männerchor wäre gewiß interessent gewesen. Also: Friedrich
Brückner ist der Komponist dieses zum Volkslied gewordenen
diedes „Wenn ich den Wandrer frage“.
3. Der du von dem Himmel bist.
In dem jetzt folgenden Fall wird der Vater, der
Zzchöpfer der Melodie gesucht. Es handelt sich um das in
ielen Männerchor- und Schulliedersammlungen enthaltene
Boethe-Lied „Der du von dem Himmel bist“.
Wanders Nachtlied.*)
J. W. von Goethe.

Dreistimmig von G. Hecht.
—
—
— *
Der du von dem Him-mel bist ah- les Leid und Schnrerzen
n

*

«

—

* —

— y
— *
—
— —
end iet dop- pelt

—

77

——

———

ẽ

2

—— — ä — —23 — — — *
FF———— — —

2
l —M —
— —
v⸗
mit Erquiekung fũl-ieet: ach, ich bin des Treibens mũ-de! Was soll
9
—

—
— — —— — —— —— — AIIäcc—c—— — —

c(beim 4. Vers 1. Tenor die ckleinen Noten)
——
— — — —

28

iunzelstimmen; Wiederh. vom Chor
—
A
—— ——
8Sũ -Ber Frie⸗de. sũ -Ber

—*

*
Hieraus geht deutlich hervor, daß Rudolph Tschirch nicht
zer Komponist obiaen Liedes ist Doch liegtf in der Ver—

———

) Aus der Sammltung „Jugend ·Gesang“. Verlag Chr. Friedrich Vieweg
gerlin-Lichterfelöe
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.