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Rund 300 Vereine mit fast 36000 Mitgliedern. Heraus⸗ Druck und Berlag der Buch- und Kunstdruckerei
gegeben im Auftr. des Bundes von Stadtschulrat Hans d Gebr. Hofer A.⸗G., Saarbrücken⸗Völklingen. Bezugs⸗
Bongard u. Rektor Walther Stein, Saarbrücken. — preis Irs. 5.— vierteljährlich. Einzelnummer Irs. 2.—
Ar. 8
November 1027
7. Jahrgang
LBom deutschen Volkslhied.
Oa⸗ Ziel der Volkspoesie ist das Herz der Nation,
Alautet ein Wort Simrocks. Wir können ergänzend
sagen, daß auch der Ausgangsort, die Quelle des
Volksliedes im Herzen der Nation liegt. Denn darin
beruht das wesentlichste Merkmal der „Echtheit“ eines
Volksliedes, daß es dem Volke als Nation gehört und
nicht etwa in dem heute üblichen Sinne dem breiten,
dem „gemeinen“ Volke im Gegensatz zur gebildeten
ind, noch weniger, als die Höhe, zu der sich unser
zeistiges und künstlerisches Leben schon hundert Jahre
zuvor entwickelt hat. Und wer möchte angesichts des
tets steigenden Internationalismus des geistigen Lebens
in die Utopie einer sozialen Ausgleichung desselben
glauben? So werden wir also wohl niemals wieder
das echte deutsche Volkslied erhalten, selbst, wenn in
Zeiten nationaler Not oder bei der Notwendigkeit der
Empfang der Berliner Liedertafel im Rathaus zu Saarbrücken.
oder wohlhabenden Gesellschaft. Darum haben auch
nur jene Zeiten ein Volkslied, in denen einer ganzen
Nation ihre geistige Einheit zum Bewußtsein kommt,
noch mehr, in denen die Grundlage der gesamten
zeistigen Kultur eines Volkes dieselben sind.
Hier erkennen wir gleich den tiefsten Grund, wes—
halb wic heute kein Volkslied mehr haben. Unsere
Kultur ist je nach den Gesellschaftsklassen eine andere,
wächst aus ganz verschiedenem Boden. Daran ändert
die Tatsache, daß wir zur politischen Einheit gekommen
Anspannung aller Volkskräfte, wie sie die Kriege 1813
und 1870 erheischten, einem Dichter und Komponisten
es gelingen sollte, mit einem Liede mitten ins Herz
seiner Nation zu treffen, so wie es Karl Wilhelm mit
der „Wacht am Rhein“ glückte. Aber das werden
mmer nur vereinzelte Blumen sein. Die blumen—
reichen Matten, denen einst unser Volksgesang glich,
ind seit dem Dreißigjährigen Krieg verschüttet. Und
vie keiner mehr die wunderbaren Bergwiesen, von
denen die Sage erzählt, zu fänden vermag, seitdem die