Full text : 5.1927-1928 (0005)

SZeite 162 HHHh,

ullhun SaureSüuger-⸗Bund IIl

shh, Nr. 7

Der M.-⸗Ei⸗V. Wadgasfen veranstaltete aus Anlaß seines
z5jährigen Bestehens, unter der bewährten Leitung seines
Thormeisters Ad. Groß und unter freundl. Mitwirkung des
Musik-Vereins Wadgassen, am 21. Julf in den Garten—
rnlagen des Vereinslokals von Aug. Schmitt ein Garten—
Konzert. Der gute Besuch des Konzertes bekundet das
große Interesse, welches die Einwohnerschaft dem Verein
entgegenbringt. Der geräumige Garten war bis auf den
setzten Platz besetzt. Der 1. Teil des Programms braäachte
Lieder von Schumann, C. Kern und Schulken, die bei den
Zuhörern großen Anklang fanden. Der Vorsitzende Peter
Franz begrüßte alle Anwesenden mit einem herzlichen Will—
kommengruß. Ganz besonders jedoch ehrte er die erschienenen
Vereinsgründer, von denen noch J am Leben sind: Gerner
Typrian, Gerner Simon, Fersing Nikol., Schmitt Nikol.,
Leichtweiß Fritz I Weiß Matth. und Weiß JItan. Redner
schilderte in seiner Ansprache den Werdegang des Vereins
seit dem 50iährigen Stiftungsfeste 1922. Der Verein
zatte am 50jährigen Stiftungsfeste an aktiven Sängern 64,

naktiven 136. Am heutigen Tage zählt der Veretn 130
iktive und 145 inaktive Mitglieder. Ganz besonders dankte
»er Vorsitzende unserm Chorleiter für seine rührig und
tußerordentlich erfolgreich geleistete Arbeit innerhalhb der
etzten Jahre. Nur durch seine tatkräftige Mitarbeit sei
»er Verein auf der hohen künstlerischen Stufe angelangt,
zie er augenblicklich besitzt. Im Anschluß an seine Worte
eichnete der Vorsitzende zwei Sangesbrüder für 2sijährige
ktive Tätigkeit im Auftrage des Bundes mit der Bundes—
hrennadel aus: Leichtweiß Fritz II und Kiefer Wilhelm.
der zweite Teil des Konzertes brachte Volks- und Rhein—
ieder. Hatte doch der Verein zu Pfingsten eine zweitägige
kdour nach dem Rhein unternommen und ist das freudige
vedenken an diese köstlich verbrachten Stunden nyoch in
»en Herzen aller Teilnehmer lebendig. Um so begeisterter
rtönten denn auch die Rheinweisen. Die von dem Musik—
»erein Wadgassen dargebrachten vortrefflichen Musikstücke
purden lebhaft applaudiert. Der schöne Verlauf des
donzertes legte wieder bestes Zeugnis ab für das Streben
ind Können des Vereins sowie seines musikalischen Leiters.

Adrian Ludwig Richter.

Adriau Ludwig Richter, Oelgemälde, Aquarelle,Zeich—
nungen, mit einer Einleitung herausgegeben von Hans
Wolfgang Singer. Verlag Emil Pinkau KeCo., A⸗G.,
Ldeipzig. Die Lieferung erfolgt evytl. in bequemen Teil—
zahlungen. — Ja, das ist einmal wieder eine reine Freude,
die der Verlag uns mit diesem köstlichen Werke bereitet,
eine wirkliche Bereicherung des deutschen Büchermarktes.
Auf Meister Ludwig Richter haben wir noch jüngst in
unserer Bundeszeitschrift unter Darbietung lustiger Musi—
tantenbilder in einem Aufsatz von Kl. Bongard hingewiesen.
dier liegt in drucktechnisch unglaublich schöner Wiedergabe
ein Ausschnitt aus seinem künstlerischen Lebenswerk vor,
der das Beste, Reifste, ewig Bleibende festhält. Sechzig
Tafeln vergegenwärtigen uns, wie Ludwig Richter mit
Stift und Farbe seine Welt gestaltet hat: hauchzarte Land—
schaften von seiner italienischen Reise, deutsche Wälder,
Berge, Städte und Flüsse und das Schönste: deutsches
Volksleben in Lust Uund Leid. Tanzende und singendé
Bruppen, spielende Kinder, wiegende Mütter, Alte vor dem
Tore, Liebende auf verschwiegenen Bänken oder am Wald—
rand, bunte Brautzüge, spinnende Mädchen, trauliche Alte,
heilige Weihnacht — kurz alles, was das deutsche Herz
erfüllt, ist hier mit feinfühligem Herzen wiedergegeben.
Und nie hat Richter dabei die lieben Tierlein vergessen!
Außerordentlich fesselnd ist auch die textliche Einführung,
die zum Weiterlesen zwingt. Wir entnehmen ihr als
Probe hier den Anfang:,
„Am 28. September 1883 ereignete sich ein für das
geeinigte Deutschland als Symbol bedeutungsvoller Vor—
Jang, — die Enthüllung des Niederwalddenkmals am
Rhein. Kaum jemand im ganzen Reich wird den Tag ver—
lebt haben, ohne wenigstens einmal mit seinen Gedanken
an dem Ort verweilt zu haben, wo gewissermaßen ein deut—
lich wahrnehmbares Siegel auf die Errungenschaft gedrückt
worden war, zu der sich endlich ein großes Volk aufge—
schwungen hatte. Stolz mag auch den Meister Schilling,
den Urheber des Denkmals, erfüllt haben, der diesen Ehren—
tag im Beisein des Kaisers und sozusagen eines ganzen
Volkes begehen durfte. Aber mitten in dem Jubel und
Trubel fand er Zeit, ein Glückwunschtelegramm aufzugeben
an einen Kollegen, der zufällig am gleichen Tag seinen
achtzigsten Geburtstag feierte.
Er kann wohl kein unbedeutender Mann gewesen sein,
der Schilling seinen eigenen Triumph, noch dazu gerade
während seines Höhepunktes, auf eine viertel Stunde so
völlig vergessen und beiseite schieben ließ. Und Schilling
var nicht der einzige, der diesen Mann so ehrt. Gleich
nach Schillings Telegramm traf eins vom Oberbürgermeister
von des Künstlers Heimatstadt an, dann kam im Auftrage
des Landesfürsten ein Minister und überreichte dem Achtzig—
jäährigen einen ganz hohen Ordensstern nebst den Glück—
vünschen der Königlichen Akademie. Es folgten Abord—
nungen des akademischen Rats, des Stadtrats, der Stadt—
perordneten. der Kunstaenossenschaft. des Vereins der

Akademiker, sogar der Münchener Künstler und des Wiener
vewerbemuseums. Bis ein Uhr mittags liefen die Ehren—
zezeugungen, Briefe, Telegramme, Zeitungen mit Fest—
irtikeln in die Hunderte.
Der Jubilar, den so zu ehren alle Deutschen, innerhalb
ind außerhalb der Landesgrenze, die Zeit und den Sinn
anden, obwohl ausgerechnet an diesem Tage andere Be—
sebenheiten das Interesse überstark in Anspruch nahmen,
var der achtzig Jahre alt gewordene Adrian Ludwig
Richter.
Den ganzen Menschen verraten die paar Zeilen, die
r selbst auf den Bericht über den Tag folgen läßt. „Ich
ühlte mich,“ schreibt er, „noch in den folgenden Tagen
zurch diese vielen Ehren- und Liebeszeichen freudig ge—
zoben, aber eben so sehr innerlich gebeugt: denn wodurch
zatte ich dieses Alles verdient? Meine Arbeiten waren
zoch meine eigene höchste Lust und Freude gewesen, und
das Gute und Lobenswerte daran lag doch gerade in dem,
vas man nicht bloß lernen oder sich selber geben kann,
ondern es war das, was uns geschenkt wird: die Gottes—
sabe, das Talent.“ —F
Und nun folgt die berühmte Stelle, die den besten
zchlüssel zum Verständnis des Meisters gibt:
„Meine Jugend war arm, verkümmert, vielfach bedrückt,
uind meine Lehrzeit war nur Arbeitszeit gewesen, ich
ernte Nichts oder Wenig dabei. Nun kam ich nach Rom,
ind von allen Seiten wurde mein durstiger, hilfsbedürf—
iger Geist angeregt; ich war überglücklich, und ein reiches
reben und Streben begann. Mein Ideal lag auf Seiten
»er historischen Landschaft, welche ich auf meine Weise zu
ntwickeln gedachte. In die Heimat zurückgekehrt, erfaßte
nich sehr bald wieder die Not des Lebens. Ich hatte glück—
ich, aber doch vielleicht zu früh geheiratet, wodurch der
Veg erschwert wurde. Der Druck, welcher auf mir lag
n den sieben Meißener und den ersten darauf folgenden
dresdener Jahren, war so groß, daß mein Streben, in
»en Gärten des Parnasses, wo die hohen, edlen Blumen
»lühen, ein Plätzchen zu erlangen, unerreichbar schien. Da
am der Holzschnitt auf, der alte Dürer winkte, und ich
flegte nun diesen Zweig. Kam meine Kunst nun auch
richt unter die Lilien und Rosen auf dem Gipfel des
barnaß, so blühte sie doch auf demselben Pfad an den
Vegen und Hängen, an den Hecken und Wiesen, und die
Vanderer freuten sich darüber, wenn sie am Wege aus—
uhten, die Kindlein machten sich Sträuße und Kränze
davon, und der einsame Naturfreund erquickte sich an ihrer
ichten Farbe und ihrem Duft, welcher wie ein Gebet zum
dimmel stieg. So hat es denn Gott gefügt, und mir ist
iuf vorher nicht gekannten und nicht gesuchten Wegen mehr
zeworden, als meine kühnsten Wünsche sich geträumt hatten
zoli Deo Gloria“
Nicht wahr? Nun möchtest Du gerne weiterlesen? Be—
zarf es da noch einer weiteren Empfehlung?
            
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