Aus der Musfikwehll.
Nr.
Zur Frage der Wertungssingen.
Wie es sich Bahn bricht! Da läßt sich die „Großdeutsche
Zänger- und Dirigentenzeitung (Frankfurter Sänger—
Zeitüͤngy“ über ein Kritiksingen in Dreieichenhain
herichten: Der G. V. „Sängerkranz“⸗Dreieichenhain veranstaltete
am 3. April ein Kritiksingen, das sich eines regen Besuches
erfreute und im allgemeinen sehr anerkennenswerte Leistungen
aufwies. Berichterstatter waren Musikdirektor Edmund Parlow
und Rudolf Werher, Frankfurt a. M. Erfreulich war auch das
ichtbare Bestreben, bei Auswahl der Chöre mehr und mehr
»on einer zum Ueberdruß gepflegten, minderwertigen Literatur
abzurücken, wenn auch noch nicht alle Wünsche in dieser Be—
ziehung erfüllt wurden. Der Arbeiter-Gesangverein „Lassalle“
Leitung W. Jost) leitete das Kritiksingen im „Darmstädter
dof“ durch zwei Begrüßungschöre von Hegar und Thuille ein
VFon den den Vereinen zugestellten ausführlichen Besprechungen
der Einzelleistungen mag hier ein kurzer Auszug folgen: Gesang—
derein „Sängerlust“Egelsbach (Dir Breidert) zeigte
rusgezeichnete Schulung, runden vollen Chorklang, gepflegte
Tongebung und Aussprache. Nur in der Höhe vor zu offener
Tongebung hüten und Unterschiede des offenen und geschlossenen
»mehr beachten! Wengerts Fremdenlegionär wurde in dieser
Wiedergabe weit über seinen Eigenwert hinausgehoben. Das
onschön und fein vorgetragene Minnelied“ von de la Hale
zewinnt durch ein flüssigeres Zeitmaß; durch das vielfach
ibliche, sehr langsame Zeitmaß erhält das Lied leicht einen
tilwidrigen, sentimentalen Einschlag, Gesang-Abteilung
der Türngemeinde Sprendlingen Gir. L. Schmitt)
brachte „Fochamt im Walde“ von Werth in angemessener Form
und stimmungsvollem Vortrag. Stimmenausgleich und die etwas
sohle Tongebung der Bässe noch verbesserungsfähig. Die „Ab—
reise“ von Schauß war sauber ausgearbeitet. Das Marsch—
näßige kann dabei noch mehr betont, punktierte Rhythmen
önnen schärfer sein. Quartett „Rheingold“-Langen
Dir. Künkel) überraschte bei geringer Sängerzahl durch vollen,
chönen Chorklang. Das Wagnis, mit etwa einem Dutzend
Sänger Werths „Abendfeier“ zu bewältigen, glückte durchaus.
Interschiede des offenen e (in „es“, „des“) vom geschlossenen e
in „salve“) noch mehr beachten! Sängerriege der
Turngesellschaft Dietzenbach (Dir. Würz) verun—
glückte in Werths „Kreuzfahrt“ zu Anfang bei dem Eintritt von
Moll. Der weitere Verlauf des Chores litt unter dem beträcht⸗
ichen Steigen. Tenöre in der Höhe nicht zu schnell und zu
lach. Die dynamische Behandlung war noch zu unausgeglichen.
Sehr schön klang das „Pastorale“. Der zweite Chor „Stehn
zwei Sternlein“ (bearb. von Hansen) zeigte das Können des
Vereins in weit besserem Licht. Textliche Phrasierung ließ einige
Wünsche offen, usw.
Werte von 1,25 Mk. aufwärts! Beinahe hätte ich die
Zauptsache vergessen. Wir vermissen den Ehrenpreis der
J. Gruppe! Ja, mein lieber Sangesbruder, den konnte
nan umständehalber doch nicht gut in das Schaufenster
zringen, der steht nämlich, — setz dich fest, Freund! —
zeim Vereinswirt im Stall, — ein hübsches Schwein,
30 Pfund schwer; wer's nicht glaubt, kann sich ja davon
iberzeugen — Ist wahrhaftig vorgekommen und wird in
zukunft auch wieder vorkommen ...
Nun gibts kein Ueberlegen mehr, die Festabzeichen werden
relöst — und nun kanns losgehen! —
Händelfestsnielhaus in Bergedorf.
Die seit einigen Jahren im deutschen Musikleben sich mehr
ind mehr durchseßzende sogenannte „Händelrenaufs—
ance“ ist eine der erfreulichsten Erscheinungen unjserer Kultur.
die großartigen Erfolge, die hervorragende Dirigenten und
dramäturgen mit der Aufführung Händelscher Oratorien und
IRpern erzielt haben, beweisen, daß diese Bewegung eine nicht
nehr fortzuleugnende Bedeutung in unserem heutigen Kunst
eben erlangt hat.
Ihre Aufgabe aber muß es sein, die Werke Händels in
iner Form darzubieten, die dem heutigen musikalischen Empfin—
sen entspricht; das heißt, es gilt, Händel des Staubes der
FJahrhunderte zu entkleiden und das Unsterbliche an ihm aus
em Unwesentlichen seiner Zeit herauszuschälen, indem man durch
Fortlassung der für unser Gefühl unerträglichen Längen und
Viederholungen das wahre Gold desto heller erstrahlen läßt.
ẽs gilt ferner, den neuartigen Gedanken einer dramatisch—
zenischen Darstellung der Händelschen Oratorien, wie sie das
ßenie Niedecken-Gebhardts in Hannover, Münster und Wien
erfolgreich versucht hat, immer weiter auszubauen. Denn dieser
zenische Aufführungsstil hat die unendlich gesteigerte Wirkung
ür sich. Ihm gehört die Zukunft des Häudelschen Oratoriums!
Leider gibt es bisher in ganz Deutschland kein passendes
daus, um diesem glänzenden Gedanken völlig gerecht werden
u können. So ist aus dem Wunsche heraus, die bisher zer—
plitterte Händelbewegung innerlich und äußerlich zu verein—
jeitlichen und für sie eine Zentral- und Weihestätte zu schaffen,
zer Gedanke des Händel-Festspielhauses in Berge—
orf entsprungen, — dem lieblichen Villenvorort Hamburgs
im Rande des Sachsenwaldes, der Wirkungsstätte Friedrich
chrysanders, auf dessen Vorarbeit die ganze jetzige Bewegung
ußt, und mit der internationalen Riesenzentrale Groß-Hamburg
ils wirtschaftlichem Sicherheitsposten im Rücken!
Die Pläne dieses Festspielhauses sind für alle Formen des
dändelschen Lebenswerkes unter Berücksichtigung der neuesten
Erfahrungen auf das sorgsamste ausgearbeitet.
Um in erster Linie den unbedingt nötigen intimen Eindruck
»es „Kammerstils“ zu wahren, ist der Hauptsaal des geplanten
dauses nur für 1200 Zuhörer berechnet. Und da keine Galerien
eabsichtigt sind, werden die Sitze der freien Uebersicht wegen
iach hinten ansteigend angeordnet. Das Podium soll Raum für
nindestens 300 Mitwirkende bieten. Im Hintergrunde wird in
salber Höhe die Orgel eingebäaut, davor eine Galerie für Hilfs—
höre. Der Orgeltisch selbst ist beweglich gedacht zur Verwendung
in beliebigem Platz. Hierdurch sind zunächst die Bedingungen
ür rein konzertante Aufführungen in vorzüglicher Weise erfüllt.
Für halbszenische Aufführungen GNiedecken-Gebhardt) treten
iun wesentliche Aenderungen ein: Das Konzertpodium kann
n kürzester Zeit in eine Bühne mit Proszenium, seitlich sich
iffnendem Vorhang, Oberbeleuchtung und allem Zubehör nach
hedarf verwandelt werden. Der epische Teil, Singchöre und
Irchester, ist in diesem Falle vor der Bühne angeordnet, und
war versenkt, also dem Zuhörer unsichtbar, ähnlich wie das
Irchester in Bayreuth. Dadurch aber wird folgendes erreicht:
Die Aufmerksamkeit des Hörers wird nicht geteilt und ab—
zelenkt zwischen Oben und Unten; er kann sich mit vollem
Senusse dem epischen Teil hingeben, ohne durch Aeußerlich—
keiten, störende Beleuchtung usw. beeinflußt zu werden. Das
iuf der Szene Gebotene vermag sich erst auf diese Weise
noll auszuwirken, ohne andererseits den epischen Teil zu schä—
digen, oder umgekehrt. Das Ganze wird im Gegenteil auf das
dealste verinnerlicht.
Für die HändelOper gelten die gleichen Bedingungen, nur
nit dem Unterschied, daß, hier das Orchester sichtbar oder
unsichthar angeordnet werden kann
Wettsingen.
In der deutschen SängerBundeszeitung macht Alfred
Neppold beachtenswerte Randbemerkungen zum Wettsingen,
denen wir folgendes entnehmen: „Wie auf folchen Preis—
vettsingen das deutsche Lied gepflegt wird, und wie der
edle Kampf in Wirklichkeit aussieht, — na, hör zu, Sanges—
»ruder, das sollst du gleich erfahren!
Sängerfest in .. xhausen. Die einzelne Vereine, die zum
Wettstreit sich gemeldet haben, treffen ein. Begrüßung der
Bäste durch den festgebenden Verein ist schon längst nicht
mehr gebräuchlich, dafür hat man ja am Dorseingang
eine Papptafel aufgehängt mit der Anschrift „Willkommen!“.
Ehrenpforte nennt man das wohl. Nicht weit davon hat
mnan ein Schild angebracht, das schon weit wichtiger ist:
„Festabzeichen im Gasthof abzuholen!“ Gut! So schnell
geht das aber nicht! Ehe man eine Mark Eintritt bezahlt,
will man sich zunächst mal die Preise ansehen. Man
vill doch schließlich auch wissen, wofür man sich im Winter
über in den Proben so abgerackert hat, in der vergangenen
Woche sogar an fünf Singstundenabenden noch besonders
„geschliffen“ worden ist. Also — erst die Preise! Preisdempel
nennt man wohl das, was man da in den Schau—
enstern aufgestapelt hat: Bilder, Vasen, Likörgläser,
Beicher, Fruchtischalen. Bierkrüge, viel Blech und Glas;
alles Sachen, die ausgerechnet für Gesangvereine Werit
und Sinn haben sollen, Wie auch bei einem Preiskegeln
z»der einer Geflügelausstellung Sachen und Sächelchen im