Full text : 5.1927-1928 (0005)

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ll Seite 145

Nun wird das „Gemerk“ bestellt, und Beckmesser, der
Merker, setzt sich höhnisch hinter den Vorhang. Nachdem
Kothner noch einmal die „leges Tabulaturäe“ vorgelesen
hat, beginnt Walther mit seinem Lenz-Lied, das des Merkers
zroßes Mißfallen erregt. Man hört heftige Striche mit
der Kreide und Seufzer des Unmuts, und zum Schlusse reißt
heckmesser den Vorhang auf in höchster Entrüstung; nicht
ziinen Fehler kann er mehr vermerken, schon ist die Tafel
boll. Hin und her, wogt die Kritik der Meister, zu neu—
artig ist Walthers Gesang, zu fremd dem Meisterohr. Nur
Zachs tritt für den jungen Sänger ein. Ist auch neu die
Weise, so hat sie doch feste, klare Linie und kann nicht nach
den alten Regeln beurteilt werde. Der Merker sei wohl
in falschem Eifer zu weit gegangen, werl er in dem Ritter
einen Nebenbuhler spüre. Wild fährt Beckmesser hoch, er
höhnt den Schuster Hans Sachs, der über dem Dichten die
„chuhmacherei vernachlässige; er hält den Meistern die
Fehlertafer vor und zählt, in wildem Grimm die Fehler
Stolzings auf, während die Meister durcheinanderrufen,
Pogner traurig den Mißerfolg seiner Fürsprache einsieht
und Walther in trotzigem Unmut sein Lied zu Ende singt.
Vergebens versucht Sachs, dem der Gesang zu Herzen
geht, den Lärm zu übertönen und die Meister zur Ruhe
zu mahnen. Die, Lehrbuben tollen mit ihrem Lied vom
Blumenkränzlein“ um das Gemerk, und die Meister sind sich
ünig: der Ritter hat versungen und vertan.
2. Aufzug. Ein milder Sommerabend steigt über Nürn—
hergs alten Gassen auf. Die Meister machen Feierabend,
und die Lehrbuben schließen die Läden. Aus Pogners
tattlichem Haus tritt Magdalene zu David, ein Körbchen
nit den versprochenen Leckerbissen am Arm, und erkundigt
sich, wie es dem Ritter bei der Freiung ergangen. Auf seine
Antwort: „Verfungen und vertan!“ eilt sie in trostloser
Bestürzung mit ihrem Körbchen ins Haus zurück Neckend
mtanzen“ die anderen Lehrbuben den verblüfft Zurück—
hleibenden und singen ihr fröhliches Lied vom Johannisag.
 Eben will Tavid ärgerlich dreinschlagen, da tritt
Zaͤchs aus der Gasse und weist seinen Buben mit strengen
Worten in die Werkstatt an die Arbeit.
In schwerem Sinnen kommt Pogner mit Evchen von einem
Spaziergang zurück. Die Freiung des Ritters beschäftigt
den Alten, und er möchte wohl mit Sachs darüber reden;
doch zögert er, bei dem Schuster einzutreten, und er fordert
eine“ Tochter auf, mit ihm noch eine Weile auf der
Sleinbank unter der Linde niederzusitzen. Er spricht mit
hr vom Johannistag, ihrem Ehrentag, der ihr das Glück
Anes Meistergatten bescheren soll. Auf ihre schüchterne
Frage: „Muß es ein Meister Di antwortéte er tröstend:
Ei Meister deiner Wahl.“ Auf Magdalenens Wink bittet
Eva ihren Vater zum Abendmahl ins Haus und versucht
dabei, durch geschickte Fragen etwas über den Junker zu
erfahren; doch spricht si Pogner nicht aus, und von
dene erfährt Evchen erst die eiu Botschaft von der
nißglückten Freiung. Mit dem Entschluß, sich in ihrer
Rot“ Hans Saächs anzuvertrauen, folgt sie Magdalene ins
daus.
Es ist nun schon dunkel geworden. Meister Sachs läßt fich
einen Tisch an die Tür rücken, schickt seinen Buben zu
Bett und eegt den Schufterhammer. Toch gar zu be—
rauschend steigt der Tuft aus dem blühenden ederene
der tief über die Tür hängt.. . In leisem Selbst⸗
gespräch träumt der Meister in den sinkenden Abend, und
Zie Arbeit entfällt seinen Händen. Noch klingt das Lied
Walthers in ihm nach, das gegen alle Meisterregel ver—
sößt und ihn doch seltsam eergriffen hat, da reißt ihn
Fvchens Nahen aus seinen Träumereien. Mit launigen
Worten forscht er nach Grunde ihres Kommens, aber das
Mädchen in seiner Herzensnot antwortet nur in Andeu⸗
ungen, und so treibt er das Fragespiel weiter, bis sie ihn
irgerlich ausschilt. Doch dem Schuster sitzt der Schelm
im Nacken, und er neckt das Mägdlein mit Beckmesser, für
dessen stolze Freiersfüße er eben die Schuhe, richte. Un⸗
mulig wehrt Eva ab, und mit ihrer Frage; „Kann's einem
Witwer nicht gelingen?“ rächt sie sich für seine Neckerei
zat'er fie nicht inmer gern dehabt? Kann er sie nicht

ils sein Weib ins Haus nehmen, oder soll Beckmesser sie
hi vor der Nase wegsingen? — Könnte Sachs es ändern?
dann müsse der Vater Rat wissen, der das Preisgericht
orgeschlagen. Nun bricht endlich der Kummer aus Eva
eraͤus: kömmt sie doch zu ihm, weil sie zu Hause keinen
sat findet. Gerührt entschüldigt der, Schuster sein un—
rützes Reden, habe ihn doch eine Freiung ganz in, Ver—
birrung gebracht. .. Eine Freiung?! Eva hört mit fieber—
zafter Anteilnahme zu, aber Sachsens Bericht lautet ebenso
rostlos wie Lenens Botschaft. Toch Evchen gibt die Hoff⸗
iung nicht auf. Kann denn nichts mehr dem Junker
um Meister verhelfen, fand er keinen einzigen Freund unter
Il den Meisterfingern? Den bitteren Hohn in Sachsens
AIntwort versteht das Mädchen nicht. Nun sie auch bei ihrem
creunde Sachs kein Verständnis zu finden glaubt, löst
ich ihre Not in leidenschaftlichen Worten, und ohne Ab—
chied eilt sie zu Magdalene, die schon nach ihr gerufen
zät. Tem Meister aber ist ein Ahnen von Evchens Herzens—
tot aufgestiegen, und sorgend schüttelt er den Kopf. Er
chließt die Tür so weit, daß er durch einen schmalen Spalt
ie Straße überblicken kann, selbst aber nicht gesehen wird.
Eva hört nun von Magdalene, Beckmesser wolle ihr das
zreislied, mit dem er sie zu gewinnen hoffe, zur Nacht
interm Fenster vorsingen. Aber des Mädchens Gedanken
veilen nuür bei dem Junker; Lene soll für sie in ihrer Klei—
zung ans Fenster gehen, sie selbst will den Ritter erst sehen,
er ihr sein Kommen versprochen. Schon hört man Pogners
dufe aus dem Haus, aber Evchen fühlt die Nähe des Ge—
iebten und reißt sich von Lene los, die sie ins Haus ziehen
oill. Mit leisem Schrei stürzt sie Walther entgegen, der
ben aus der Gasse kommt, während Lene ins Haus eilt.
zn seligem Zwiegesang genießen die Liebenden das Glück
ses Zusammenseins, doch der Gedanke an die Meistersinger,
»ie ihn nicht würdig befunden, die ihm die Liebste dadurch
ntreißen, weckt Walthers Zorn. Nur eine Wahl gibt es:
zemeinsame Flucht! ... Ter Ruf des Nachtwächters treibt
—
zerbirgt sich unter der Linde, während der Nachtwächter
orbeischreitet und sein eintöniges Sprüchlein singt. — Sachs
zat das Gespräch Walthers ünd Evas belauscht, und er
iffnet die Tür ein wenig, um die unüberlegte Flucht zu
erhindern. Schon naht sich Evchen wieder in Lenens
dleidern und drängt zur Flucht. Aber ein heller Lichtschein,
en der Schuster dus der, Werkstatt plötzlich auf die Gasse
allen läßt, schreckt das Paar zurück. Bald verlöscht der
zchein, aber Beckmesser kommt nun die Gasse herauf, setzt
ich Pogners Haus gegenüber in eine Mauernische und
immt zum naͤchtlichen Ständchen seine Laute. Walther
nöchte sich auf den verhaßten Mexker stürzen, doch das
Nädchen hält ihn zurück und versteckt sich mit ihm auf die
ßank unter der Linde. Beckmesser wartet ge ine daß
ẽvas Fenster sich öffne, aber ehe er sein Lied beginnt,
timmt Sachs, der seine Tür wieder geöffnet hat, ein fröh—
iches Schusterlied an und begleitet es mit lauten Hammer—
chlägen. Je mehr sich Beckmesser ereifert, um so lustiger
ingt der Schuster drauf los und bringt, die drei Wartenden
zur Verzweiflung. Ta öffnet sich auch noch das Fenster,
ind Magdalene in Evas Kleidern wird sichtbar. Temütig
ind schmeichlerisch bittet Beckmesser in höchster Verlegen—
jeit den Meister Sachs, b Lied doch mit Geduld an—
uhören, er könne ja als Merker die Fehler mit Kreide an—
treichen. Aber Sachs besteht darauf, um Beckmessers Schuhe
ür den Festtag fertigzustellen, müsse er die Fehler mit dem
dammer auf die Leisten schlagen, dann werde beider Werkb
jefördert. Kaum hat Beckmesser sein Lied begonnen, so
röhnen schon Sachsens Hammerschläge. Wütend kehrt der
Zänger sich um, doch Sachs läßt sich nicht beirren, und immer
auter und atemloser singt Beckmesser, um die Hammerschläge
u übertönen. Tie Nächbarschaft schreckt von dem Lärm
zus tiefem Schlaf, Fenster öffnen sich, und unmutige, ver⸗
chlafene Gesichter schauen auf die Gasse. Auch David ist
rwacht und erblickt durch den geöffneten Laden Lene am
zenster. In wilder Eifersucht stürzt er aus dem Fenster
ind fährt mit einem Knüppel auf Beckmesser los und zer—
chlägt ihm die Laute. Erschrocken fährt Lene auf, und laut
challen Beckmessers Hilferufe durch die Gasse, die rasch von

SANGER-TRINXMOLKURI
            
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